Hemmstofftest-Nachuntersuchungen 2019

Im Jahr 2019 prüften die bayerischen Labore für die bakteriologische Fleischuntersuchung Proben von insgesamt über 25.000 geschlachteten Tieren auf Antibiotikarückstände mit einem schnell durchführbaren mikrobiologischen Screening-Verfahren, dem Drei-Platten-Hemmstofftest (DPT). Das LGL bearbeitete davon knapp 4.600 Proben.

Die zu untersuchenden Fleisch- und Nierenproben werden von amtlichen Tierärzten bei der Fleischuntersuchung am Schlachthof entnommen und den Laboren zur Durchführung des DPT vorgelegt. Enthält die Probe Stoffe, die das Wachstum von Bakterien hemmen, reagiert der Test positiv – ein sogenannter Hemmhof entsteht. Im Jahr 2019 war bei 18 Proben (0,07 %) ein Hemmhof von mindestens 1 mm Durchmesser zu verzeichnen.
Diese DPT-Befunde lassen jedoch keinen sicheren Rückschluss auf Art und Menge des vorhandenen Antibiotikarückstands zu. Es können andere Stoffe wie Desinfektionsmittel oder eine unsachgemäße Probenlagerung (zum Beispiel das Einfrieren von Schweinenieren) das Vorhandensein von Antibiotika vortäuschen und zu falsch positiven Testergebnissen im DPT führen.

Daher überprüfte das LGL diese hemmstoffpositiven Proben mit leistungsfähigen Verfahren (LC-MS/MS), um sichere, qualitative und quantitative Aussagen über vorhandene Antibiotikarückstände machen zu können. Darüber hinaus untersuchte das LGL hemmstoffpositive Rinderproben auch auf nicht-steroidale Entzündungshemmer
(NSAID) und Kortikosteroide, da Rinder neben der Therapie mit Antibiotika oft auch andere Tierarzneimittel erhalten. Das Analysespektrum dieser chemischen Nachuntersuchungen am LGL umfasste somit bis zu 90 verschiedene Wirkstoffe.

Das LGL wies bei den chemischen Nachuntersuchungen in 78 % der Proben Rückstände nach. Dieser Anteil bewegt sich im Bereich der vergangenen Jahre 2016 waren es 88 %, 2017 67 %. Das LGL stellte bei den 14 Proben mit Rückständen lediglich in drei Fällen (21 %) gesicherte Überschreitungen der gesetzlichen Höchstmengen fest. Hierbei handelte es sich um zwei Proben von Kälbern und eine Probe vom Schaf. Um die Ursachen der überhöhten Antibiotikarückstände aufzuklären, führten die zuständigen Überwachungsbehörden in den auffällig gewordenen Betrieben arzneimittelrechtliche Kontrollen durch. So ergaben beispielsweise die Ermittlungen im Fall einer Höchstmengenüberschreitung des Tetrazyklin-Antibiotikums Oxytetrazyklin bei einer Kälberprobe, dass vermutlich durch eine defekte Dosierungsanlage der Wirkstoff in die Kälbermilch verschleppt wurde. Die Dosierungsanlage wurde daraufhin entfernt und der Fall an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Zudem wurden verstärkte Kontrollen durchgeführt und weitere elf Proben von Kälbern, die nachfolgend geschlachtet wurden, vor dem Inverkehrbringen getestet. Die Ergebnisse waren nun negativ. Keine der sechs untersuchten Rinderproben (darunter Mastrind, Kuh, Färse und Kalb) wies Rückstände von NSAID oder Kortikosteroiden auf.

Antibiotikaverteilung

Antibiotika können aufgrund ihrer chemischen Struktur verschiedenen Stoffgruppen zugeordnet werden. Wie auch in der Vergangenheit wies das LGL Tetrazykline bei Schweinen am häufigsten nach. Bei Rinderproben waren Aminoglykoside am häufigsten vertreten, wobei auch Tetrazykline und -Laktame mehrfach nachweisbar waren. Makrolide spielten nur bei Schweineproben eine Rolle. Rückstände von Diaminopyrimidinen (bei Rind), Pleuromutilinen sowie Sulfonamiden (je einmal bei Schwein) wies das LGL nur vereinzelt nach. Auffällig zu den Vorjahren ist, dass keine Rückstände aus der bislang häufig nachgewiesenen Gruppe der Chinolone feststellbar waren.
Die untersuchte Schafprobe wies einen Rückstand eines Tetrazyklins auf.

Das Balkendiagramm zeigt die Antibiotikaverteilung bei Rind und Schwein.

Abb.: Antibiotikaverteilung bei Rind und Schwein

Tabelle: Ergebnisse der Hemmstofftest-Nachuntersuchungen 2019
Tierart Probenzahl davon Tiere mit Rückständen Muskel Niere
Gesamt ohne Rück-stände mit Rück-ständen < CCα* > CCα* > CCα* > CCα*
Mastrinder 2 1 1 1 0 0 0
Kuh 1 0 1 1 0 0 0
Färse 1 0 1 1 0 0 0
Kalb 2 0 2 0 2 2 2
Schwein 11 3 8 8 0 0 0
Schaf 1 0 1 0 1 1 1
Summe 18 4 14 11 3 3 3
Anteil 100% 22% 78% 79% 21% 21% 21%
davon:              
BU-Probe** 3 0 3 3 0 0 0
Hemmstoffplanprobe 15 4 11 8 3 3 3
*  CCα: Entscheidungsgrenze für ein positives Ergebnis
** BU: Bakteriologische Untersuchung nach § 10 der AVV Lebensmittelhygiene

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