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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

West-Nil-Virus

Erreger

Das West-Nil-Virus (WNV) gehört zum Genus Flavivirus der Familie der Flaviviridae. In dieser Gattung gehört WNV wie auch z. B. das Usutu-Virus oder Japan-Enzephalitis-Virus zu einer Erregergruppe, die als Japan-Enzephalitis-Serokomplex zusammengefasst wird und beim Menschen Enzephalitiden (Entzündungen des Gehirns) verursachen kann.

Vorkommen und Übertragung

WNV stammt ursprünglich aus Afrika. Es wurde erstmals 1937 im West-Nil-Distrikt in Uganda festgestellt. In Europa trat es erstmals Anfang der 1960er Jahre in Frankreich auf und hat sich seit den 1990er Jahren zunehmend global verbreitet, wobei es mittlerweile weltweit auf allen Kontinenten vorkommt. In Deutschland wurde das Virus erstmals Ende August 2018 bei einem toten Bartkauz in Halle (Saale) nachgewiesen. Der erste Virusnachweis in Bayern erfolgte am 12.09.2018 ebenfalls bei einem verendeten Bartkauz aus einem Wildpark im Landkreis Ebersberg.

WNV wird durch blutsaugende Mücken, hauptsächlich Stechmücken der Gattung Culex übertragen und vermehrt sich in diesen. Es zählt somit zu den Arbo-Viren (Abkürzung für „arthropod-borne“). Vögel stellen die sogenannten Hauptwirte dar. In seltenen Fällen kann der Erreger auch auf Menschen, Pferde und andere Säugetiere übertragen werden, die für die Virusverbreitung keine Rolle spielen, jedoch erkranken können.

Krankheitsbild

Bei Vögeln bleibt die Infektion in den meisten Fällen symptomlos, es gibt jedoch hochempfängliche Arten (Sperlingsvögel, Greifvögel und Eulenarten) bei denen es zu Erkrankungen mit zentralnervöser Symptomatik (z. B.Gleichgewichtsstörung, Zittern, Unfähigkeit zu fliegen) und zu Todesfällen kommen kann. Auch bei Wirtschaftsgeflügel sind in der Literatur neurologische Erkrankungen, die häufig tödlich enden, beschrieben.

Menschen und Pferde sind sog. Fehlwirte („dead-end-hosts”), d. h. von ihnen geht keine Infektionsgefahr für die Umwelt aus.

Die Mehrzahl der WNV-infizierten Pferde entwickeln, ähnlich dem Menschen, keinerlei klinische Symptomatik. Einige Tiere zeigen jedoch Meningitiden und Enzephalitiden (Entzündungen der Hirnhäute und des Gehirns) und damit zusammenhängend deutliche zentralnervöse Ausfallerscheinungen mit Symptomen wie Stolpern, Nachhandlähmungen, Ataxien (gestörte Bewegungskoordination), allgemeine Schwäche, Muskelzittern und Lähmungen bis zum Festliegen der Tiere. Pferde mit klinischen Anzeichen können die Infektion zwar überleben, es ist jedoch möglich, dass neurologische Schäden zurückbleiben.

Beim Menschen verläuft die Infektion bei 80 Prozent der Infizierten ohne Symptomatik. Nur etwa 20 Prozent zeigen leichte Krankheitssymptome, wie Fieber und grippeähnliche Erscheinungen, weshalb diese Erkrankungsform auch als „West-Nil-Fieber“ bezeichnet wird. In Einzelfällen kann allerdings auch ein schwerer, hoch fieberhafter Krankheitsverlauf mit Meningitis oder Enzephalitis auftreten. Dieser kann zu bleibenden neurologischen Schädigungen führen und in seltenen Fällen tödlich enden.

Diagnostik

Die spezifische Diagnostik erfolgt durch Virusgenomnachweis aus Blut-, Liquor- oder Organproben (z. B. Gehirn, Leber, Milz) mittels PCR. Auch serologische Untersuchungsverfahren mittels ELISA, IFA oder SNT stehen zur Verfügung.
Diese Nachweisverfahren werden derzeit am Friedrich-Loeffler-Institut durchgeführt.

Gesetzliche Regelungen, Referenzlabor

Die WNV-Infektion von Vogel und Pferd ist in Deutschland anzeigepflichtig.

  • Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen in der jeweils gültigen Fassung
  • Nationales Referenzlabor: Friedrich-Loeffler-Institut, 17493 Greifswald – Insel Riems

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