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  • Biozide

    Biozid-Produkte gemäß § 3b Absatz 1 Nummer 1 Chemikaliengesetz sind Produkte oder Zubereitungen, die einen oder mehrere Biozid-Wirkstoffe enthalten und dazu bestimmt sind, auf chemischem oder biologischem Wege Schadorganismen wie z.B. Insekten, Mikroorganismen und Nagetiere zu zerstören, abzuschrecken, unschädlich zu machen, Schädigungen durch sie zu verhindern oder sie in anderer Weise zu bekämpfen. Um potentielle Gefährdungen von Verbrauchern, Beschäftigten und Umwelt auszuschließen, dürfen Biozid-Produkte erst dann in Verkehr gebracht und verwendet werden, wenn sie ein komplexes, gestuftes Zulassungsverfahren durchlaufen haben und registriert sind.

    Zulassungsverfahren

    Zunächst müssen die Biozid-Wirkstoffe gemäß Richtlinie 98/8/EG (Biozid-Richtlinie) ein Wirkstoff-Verfahren absolvieren, in dem geklärt wird:

    • ob die Biozid-Wirkstoffe die gewünschte Wirkung gegen Schadorganismen zeigen,
    • welche schädlichen Wirkungen bei sachgemäßer Anwendung des Produktes bzw. Zubereitung auf Mensch und Umwelt zu erwarten sind,
    • ob die gefährlichen Eigenschaften einer Zulassung im Wege stehen,
    • welche Risikominimierungsmaßnahmen gegebenenfalls an die Zulassung geknüpft sind, wenn es sich um Wirkstoffe handelt, bei denen Risiken für Mensch und/oder Umwelt bestehen könnten.

    Informationen zu den Biozid-Wirkstoffen, die in die Anhänge I oder IA der Biozid-Richtlinie aufgenommen wurden, sind bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin dargestellt.

    zur Wirkstoffliste (BAUA)

    Wenn die Biozid-Wirkstoffe in Anhang I oder IA der Biozid-Richtlinie gelistet sind, kann ein Biozid-Produkt bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zugelassen werden. Dazu muss es der Hersteller mindestens einer der folgenden 23 Produktarten zuordnen.

    Produktart
    1 Biozid-Produkte für die menschliche Hygiene
    2 Desinfektionsmittel für den Privatbereich und den Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens sowie andere Biozid-Produkte
    3 Biozid-Produkte für Hygiene im Veterinärbereich
    4 Desinfektionsmittel für den Lebens- und Futtermittelbereich
    5 Trinkwasserdesinfektionsmittel
    6 Topf-Konservierungsmittel
    7 Beschichtungsschutzmittel
    8 Holzschutzmittel
    9 Schutzmittel für Fasern, Leder, Gummi und polymerisierte Materialien
    10 Schutzmittel für Mauerwerk
    11 Schutzmittel für Flüssigkeiten in Kühl- und Verfahrenssystemen
    12 Schleimbekämpfungsmittel
    13 Schutzmittel für Metallbearbeitungsflüssigkeiten
    14 Rodentizide (Nagetier-Bekämpfungsmittel)
    15 Avizide (Bekämpfungsmittel gegen Vögel), in Deutschland nicht zugelassen
    16 Molluskizide (Bekämpfungsmittel gegen Schnecken)
    17 Piscizide (Fischbekämpfungsmittel), in Deutschland nicht zugelassen
    18 Insektizide, Akarizide (gegen Zecken) und Produkte gegen andere Arthropoden (Gliederfüßler)
    19 Repellentien (Vergrämungsmittel) und Lockstoffe
    20 Schutzmittel für Lebensmittel und Futtermittel
    21 Antifouling-Produkte
    22 Flüssigkeiten für Einbalsamierung und Taxidermie (Haltbarmachung von Tierkörpern)
    23 Produkte gegen sonstige Wirbeltiere

    Verwendung von Antikoagulantien zur Nagetierbekämpfung

    Bei einzelnen Rodentizidwirkstoffen können die Bewertungsberichte, die als Grundlage zur Aufnahme in den Anhang dienten, eingesehen werden. Bei diesen Wirkstoffen handelt es sich um blutgerinnungshemmende Bekämpfungsmittel der 2. Generation wie z.B. Difethialon, die in Biozid-Produkten gegen Ratten und Mäuse Verwendung finden und dementsprechend für die Produktart 14 eingereicht wurden. Obwohl diese Wirkstoffe sehr giftig, umweltgefährlich und bioakkumulierend bzw. persistent sind, wurden sie dennoch in den Anhang I der Biozid-Richtlinie aufgenommen, um eine Bekämpfung von Nagetieren (Zieltiere) im Rahmen des Infektions- und Vorratsschutzes zu ermöglichen. Wirksame Alternativen stehen derzeit nicht zur Verfügung.

    Allerdings wurde die Zulassung an verschiedene Maßnahmen zur Reduzierung des Vergiftungsrisikos für Nicht-Zieltiere (wie z.B. Hunde, Katzen, Füchse) und der Anreicherung in der Umwelt geknüpft:

    1. Anwendung nur durch Fachpersonal mit Sachkunde ,
    2. Festlegung einer Packungshöchstgröße und
    3. Anwendung nur mit zugriffgesicherten, stabilen Köderboxen.

    Die Umsetzung von Punkt 1. bedeutet, dass Verbraucher ab 01. Januar 2013 keine Produkte mehr mit den vorgenannten Wirkstoffen verwenden dürfen, sondern die Anwendung nur Sachkundigen vorbehalten bleibt. Das Verwendungsverbot betrifft auch sogenannte Anwender aus beruflichen Gründen wie Hausmeister oder Reinigungspersonal, wenn sie keine geeignete Sachkunde vorweisen können. Weitergehende Informationen sind dem Artikel „Biozide: Verwendung von Antikoagulantien zur Nagetierbekämpfung“ zu entnehmen.

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