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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Lebensmittel per Mausklick: Die Überwachung des Lebensmittelhandels im Internet

Der Handel mit Lebensmitteln und anderen Erzeugnissen des Lebensmittel- und Futtermittel-Gesetzbuches (LFGB) im Internet nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kauften 2013 mehr als 82 % der Deutschen Waren über Onlineshops und Auktionshäuser. Etwa 15 % der Deutschen erwarben dabei Lebensmittel und ca. 28 % Arzneimittel1. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young prognostiziert, dass bis zum Jahr 2020 jeder zehnte Verbraucher seinen Lebensmitteleinkauf online durchführen wird2.

Die Überwachung des Lebensmittelhandels im Internet stellt die Behörden vor neue Herausforderungen. Anders als bei Ladengeschäften betreibt ein Teil der Onlinehändler seinen Handel in Privatwohnungen. Dieser Umstand erschwert den Vor-Ort-Behörden die Kontrolle der Geschäftsräume.

Ein relativ hoher Anteil der Lebensmittelunternehmer, die ihre Waren online anbieten, ist als Lebensmittelunternehmer nicht registriert und somit der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde nicht bekannt. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit betrifft dies 40 % der im Internet anbietenden Lebensmittelunternehmer3. Bei der Internetrecherche nach risikobehafteten Erzeugnissen kommt es zudem immer wieder vor, dass keine Angaben im Impressum vorhanden sind oder dass sich hinter der angegebenen Adresse eine Briefkastenfirma verbirgt. Weiterhin werden die Überwachungsbehörden mit häufig wechselnden Anbietern konfrontiert, da Websites schnell gestartet und geschlossen werden können.

Vor die größte Hürde stellt die Behörden jedoch die amtliche Probenahme. Gerade bei Kleinsthändlern ist häufig kein Warenlager vorhanden. Eingehende Bestellungen werden an andere Vermarkter weitergeleitet, die dann die entsprechende Ware oftmals aus dem Ausland an den Kunden versenden.

Um auf die Missstände gezielt reagieren zu können, wurde 2013 am LGL mit der Kontaktstelle Internethandel eine zentrale bayerische Koordinierungsstelle gebildet. Aufgaben der Kontaktstelle sind vor allem die fachliche Unterstützung der zuständigen Behörden, die Recherche nach nicht sicheren Erzeugnissen und Onlineprobenahmen.
Die Kontaktstelle Internethandel am LGL führt hierzu anonyme Testkäufe durch, wenn auf herkömmlichem Weg Proben nicht genommen werden können.

Projekt kühlpflichtige Lebensmittel

Um die Einhaltung der lebensmittelhygienischen Vorgaben im Rahmen des Versandhandels zu überprüfen, hat das LGL im August und September 2014 im Rahmen eines Projektes insgesamt zwölf Proben frisches Geflügelfleisch und Hackfleisch bei in Bayern ansässigen Lebensmittelbetrieben über online-Versand bestellt. Ziel war die Überprüfung der Einhaltung der Kühlkette.

Gerade bei leicht verderblichen Lebensmitteln, wie frischem Geflügelfleisch und Hackfleisch, ist die Einhaltung der Kühlkette eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass der Verbraucher hygienisch einwandfreie und gesundheitlich unbedenkliche Produkte erhält. Die hier gesetzlich verpflichtend vorgeschriebenen niedrigen Kühltemperaturen, wie beispielsweise max. +4° C für frisches Geflügelfleisch, stellen insbesondere bei Versand in den Sommermonaten eine Herausforderung für den Post- oder Kurierversand dar.

Bei Eingang der Proben erfolgte eine sofortige Überprüfung der Temperatur sowie im Anschluss eine sensorische und mikrobiologische Untersuchung der bestellten Ware. Es wurde nur bei einer Probe eine für leichtverderbliche, kühlpflichtige Lebensmittel sehr hohe Eingangstemperatur von +15,8° C festgestellt, bei einer Probe frisches Geflügelfleisch lag die Eingangstemperatur statt bei den geforderten +4° C bei +7,7° C. Beanstandungen ergaben sich im Wesentlichen im Hinblick auf die Deklaration der Produkte. In vielen Fällen war anstatt des bei frischem Geflügelfleisch gesetzlich vorgeschriebenen Verbrauchsdatums ein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben. Auch frisches Hackfleisch, das aus fachlicher Sicht ebenfalls ein Verbrauchsdatum tragen sollte, wurde teilweise mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum abgegeben. Des Weiteren fehlte in vielen Fällen der bei frischem Geflügelfleisch normalerweise vorhandene Warn- und Sicherheitshinweis, der den Verbraucher darauf aufmerksam machen soll, dass rohes Geflügelfleisch vor dem Verzehr ausreichend erhitzt werden muss und nicht zum Rohverzehr geeignet ist. Gerade bei frischem Geflügelfleisch, bei dem die reelle Gefahr besteht, dass es mit pathogenen Keimen, wie z. B. Salmonella spp. und thermophilen Campylobacter spp., kontaminiert ist, sollte dieser Sicherheitshinweis auf jeden Fall vorhanden sein.

Die 2014 begonnenen Untersuchungen werden auch im kommenden Jahr fortgesetzt. Dabei wird der Schwerpunkt auf weitere im Internethandel angebotene, leicht verderbliche Lebensmittel tierischen und nichttierischen Ursprungs gelegt.

Anmerkungen:

1) Erhebungen des Statistischen Bundesamtes im 4. Quartal 2013
Wirtschaftsrechnungen - Private Haushalte in der Informationsgesellschaft –
Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien

2) Ernst & Young GmbH, 2014 – Cross Channel – Die Revolution im Lebensmittelhandel

3) Jahresbericht für die Projektlaufzeit Juli 2013 – Juni 2014 - Gemeinsame Projektzentralstelle "Kontrolle der im Internet gehandelten Erzeugnisse des LFGB und Tabakerzeugnisse" (G@ZIELT) des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

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