Lebensbaumlogo Geschäftsbereich lebensministerium.bayern.de

Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Blauzungenkrankheit

Erreger

Das Virus der Blauzungenkrankheit (Bluetongue-Virus, BTV) gehört zum Genus Orbivirus der Familie Reoviridae. BTV enthalten ein segmentiertes RNA-Genom aus zehn Segmenten. Bislang sind mindestens 27 Serotypen bekannt. In Zentraleuropa und in Deutschland trat das Virus dieser ehemals "exotischen" , anzeigepflichtigen Tierseuche (Ursprung in Afrika) erstmals 2006 durch den Nachweis des BTV vom Serotyp 8 auf. Nach den letzten Fällen in Jahr 2009 war Deutschland von 2012 bis Dezember 2018 offiziell frei von der Tierseuche. Im Dezember 2018 jedoch wurden erste Fälle von BTV-8 Infektionen in Baden Württemberg bestätigt.

Vorkommen und Übertragung

Der Erreger kommt weltweit in tropischen und subtropischen Regionen (auch in den USA) vor. Die Übertragung von Tier zu Tier geschieht über blutsaugende Insekten (Gnitzen), in denen sich das Virus produktiv vermehren und längere Zeit verweilen kann. Auch in Deutschland heimische Gnitzen (Culicoides-Arten) sind geeignet. Betroffen sind Schafe, Ziegen und Rinder; Rehe und Hirsche sind ebenfalls empfänglich. Der Infektionszyklus ist Vektor-abhängig (Gnitzenpräsenz), die Infektion erfolgt also nicht von Tier zu Tier, sondern nur über die Vektoren (Arthropoden übertragene Viren = Arboviren, athropod borne). Infizierte, auch nicht erkrankte Tiere können eine über Wochen andauernde Virämie aufweisen und so ein Virusreservoir bilden.

Krankheitsbild

In der Regel entwickeln sich nur bei Schafen schwere klinische Symptome. Eine schwere Allgemeinerkrankung mit hoher Mortalität (ca. 30%) tritt dabei vor allem bei europäischen Schafrassen auf. Die Schwere der Symptomatik wird auch vom Serotyp und der Virulenz einzelner Virusisolate bestimmt. Bei erkrankten Schafen sieht man häufig Entzündungen der Kopfschleimhäute. Durch virusbedingte Zerstörung der Gefäßwände (Endothel) bilden sich Ödeme der Maul- und Nasenschleimhäute, in seltenen Fällen ist auch die Zunge so stark betroffen, dass eine sichtbare Blauverfärbung auftritt. Infizierte Rinder zeigen in der Regel weniger ausgeprägte Symptome, Aborte sind häufig die einzigen Anzeichen der BTV-Infektion beim Rind. Es gibt aber, je nach den Eigenschaften der Virusstämme und den jeweils infizierten Tierrassen, auch schwere Krankheitsverläufe. Es können die Kopfschleimhäute, das Flotzmaul, das Zahnfleisch und die Euterzitzen betroffen sein mit gravierend schlechtem Allgemeinbefinden, sodass eine Euthanasie nötig wird.

Diagnostik

Die Methode der Wahl für den Virusnachweis ist die molekulare Diagnostik in Form der Polymerase-Kettenreaktion für RNA-Viren (RT-PCR). Zunächst wird in einem Screeningtest, der alle wichtigen Serotypen des Virus erfasst, untersucht. Die Bestimmung des Serotyps erfolgt gegebenenfalls in weiteren Untersuchungen. Als Untersuchungsmaterial eignen sich vom lebenden Tier nur EDTA-Blutproben sowie Organe aus toten Tieren, die zur Sektion eingesandt wurden. Für den Antikörpernachweis stehen kommerzielle leistungsfähige ELISA-Tests zur Verfügung, die Antikörper gegen alle wichtigen Serotypen erfassen, allerdings keine Unterscheidung zwischen Antikörpern gegen Feldvirusinfektionen und Antikörpern nach Impfungen zulassen.

Gesetzliche Regelungen

  • Tiergesundheitsgesetz
  • Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen in der jeweils gültigen Fassung
  • Verordnung zum Schutz gegen die Blauzungenkrankheit
  • Richtlinie 2000/75/EG Verordnung (EG) Nr. 1266/2007
  • EG-Blauzungenbekämpfung-Durchführungsverordnung in der jeweils gültigen Fassung

Regelungen für die Verbringung von Wiederkäuern

Hier geht es zu den Regelungen für die Verbringung von Wiederkäuern aus BT-Sperrzonen in BT-Virus-freie Gebiete

 

Mehr zu diesem Thema

Allgemeine Informationen zum Thema

Weitere LGL-Artikel

Downloads