Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Hemmstofftest-Nachuntersuchungen 2017

Ergebnisse

Um mit vertretbarem Aufwand eine große Zahl an geschlachteten Tieren auf Antibiotikarückstande untersuchen zu können, wird in Deutschland seit vielen Jahren der mikrobiologische Hemmstofftest oder auch Drei-Platten-Test (DPT) verwendet. Das LGL und die bayerischen Stellen für die bakteriologische Fleischuntersuchung (BU-Stellen) setzen diesen Test als Screeningverfahren sowohl bei Plan- als auch Verdachtsproben ein. Im Jahr 2017 untersuchten die bayerischen Labore Proben von etwa 25.000 geschlachteten Tieren. Etwa 3.200 dieser Tiere untersuchte das LGL mit dem DPT. Bei der Testdurchführung werden erbsengroße Stücke von Muskel und Niere auf drei Agarplatten mit unterschiedlichen pH-Werten aufgelegt. Sind im Probenmaterial Hemmstoffe vorhanden, diffundieren diese in das Nährmedium und verhindern das Wachstum des dem Nährmedium beigemischten Testkeims im Bereich der Probenstücke – ein sogenannter Hemmhof entsteht (siehe Abbildung 1).
Alle Proben mit Hemmhöfen ab einem Durchmesser von 1 mm untersucht das LGL chemisch mittels leistungsfähiger Verfahren – vorzugsweise LC-MS/MS – nach, um genaue Aussagen zu Art und Gehalt enthaltener Antibiotikarückstände treffen zu können. Zusätzlich untersucht das LGL seit dem Jahr 2017 hemmstoffpositive Rinder auch auf Kortikosteroide und nicht-steroidale Entzündungshemmer, da diese Substanzen zur Mobilisierung von festliegenden Rindern eingesetzt werden können. Im Jahr 2017 reagierten 0,10 % der an den bayerischen BU-Stellen untersuchten Proben im DPT positiv. Diese Proben überprüfte das LGL in chemischen Nachuntersuchungen auf bis zu 90 verschiedene Wirkstoffe. In zwei Dritteln der Proben wies das LGL Antibiotikarückstände nach, deren Gehalte in mehr als jedem zweiten der rückstandspositiven Tiere über den gesetzlich festgelegten Höchstmengen lagen (siehe Tabelle). In einer Probe wies das LGL den Entzündungshemmer Dexamethason über der zulässigen Höchstmenge nach. Zusätzlich enthielt das Tier in der Niere noch einen 15-fach höheren Gehalt des Antibiotikums Dihydrostreptomycin als erlaubt. Neben nicht eingehaltenen Wartezeiten vor der Schlachtung können auch Fehldosierungen des Wirkstoffes oder eingeschränkte Stoffwechselfunktionen des Tieres zu derartigen Grenzwertüberschreitungen führen.

Tabelle: Ergebnisse der Hemmstofftest-Nachuntersuchungen 2017
Tierart Probenzahl davon Tiere mit Rückständen Muskel Niere
  Gesamt ohne Rück-stände mit Rück-ständen < CCα* > CCα* > CCα* >CCα*
Mastrinder 4 0 4 2 2 1 2
Kuh 4 0 4 1 3 2 2
Kalb 1 0 1 0 1 0 1
Schaf 1 0 1 1 0 0 0
Schwein 14 8 6 3 3 3 1
Summe 24 8 16 7 9 66
Anteile % 100% 33% 67% 44% 56% 38% 38%
               
davon:              
BU-Probe** 5 0 5 2 3 2 2
Hemmstoffplanprobe 18 8 10 5 5 4 3
Hemmstoffverdachtsprobe 1 0 1 0 1 0 1
*  CCα: Entscheidungsgrenze für ein positives Ergebnis              
** BU: Bakteriologische Untersuchung nach § 10 der AVV Lebensmittelhygiene              

„Falsch positive“ DPT-Ergebnisse verändern sich

Das LGL untersucht bereits zweifelhafte Hemmstoffergebnisse ab einem Hemmhofdurchmesser von 1 mm chemisch nach. Dies bedingt regelmäßig „falsch positive“ Ergebnisse des DPT: Trotz Hemmhof sind bei der chemischen Nachuntersuchung keine Rückstande nachweisbar. 2017 waren zum zweiten Mal in Folge nur Proben von Schweinen entsprechend auffällig (siehe Abbildung 2). Der wahrscheinliche Grund: Gerade bei Schweinenieren kann ein – auch nur teilweises – Anfrieren der Probe beim Transport ein positives Hemmstoffergebnis verursachen. Bei der chemischen Nachuntersuchung sind dann keine Wirkstoffe nachweisbar.

Das Bild zeigt ein fleischstückchen auf einer Agarplatte, auf der ein gleichmäßiger Bakterienrasen wächst. Direkt um das Fleisch wachsen keine Bakterie. Eine Schieblehre markiert die Größe des Hemmhofs.

Abbildung 2: Falsch-positiv-Rate des DPT