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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen – Virusvariante 2 auch in Bayern gehäuft nachgewiesen

Die Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (Rabbit Haemorrhagic Disease / RHD) ist erstmals 1984 bei europäischen Kaninchen in China aufgetreten und wurde daher als sog. Chinaseuche bezeichnet. Mittlerweile hat sich die Erkrankung auch auf Europa, Korea, Marokko, Kuba, Australien und Neuseeland ausgebreitet. RHD zeichnet sich durch einen raschen Krankheitsverlauf, häufig ohne vorausgehende deutliche klinische Symptomatik, aus und verursacht hohe Verluste bei Haus- und Wildkaninchen. Die Ursache ist ein Calicivirus, das durch den Kontakt der Tiere untereinander, aber auch durch belebte und unbelebte Vektoren (Stechinsekten, Kleidung, Futter, Käfige) übertragen werden kann. Das Virus schädigt vorwiegend Leber- und Gefäßzellen (Endothelzellen). Es kommt demnach zu einem flächenhaften Untergang von Leberzellen (vgl. Abbildung 1) sowie zu Gerinnungsstörungen, die sich in Blutungen v. a. an den Schleimhäuten sowie einer Gerinnselbildung in kleinen Gefäßen (vgl. Abbildung 2) äußern.

Seit 2010 wurde neben den bekannten klassischen RHD-Virusstämmen und dem European brown hare syndrome virus (EBHSV) eine neue Virusvariante RHDV-2 festgestellt, die mittlerweile auch in weiten Teilen Deutschlands vorkommt und evtl. die bekannten Caliciviren der Hasen verdrängt.. In Bayern kommen derzeit noch beide Virusvarianten RHDV und RHDV-2 vor; RHDV-2 wurde auch hier schon wiederholt nachgewiesen, u. a. im Raum Nürnberg (Stand August 2016). Im Unterschied zur klassischen RHD, bei der Tiere bis zu einem Alter von 6 Wochen nicht erkranken, befällt RHDV-2 auch deutlich jüngere Tiere; darüber hinaus sind auch Feldhasen empfänglich für die neue Virusvariante.

Ein Schutz gegen sämtliche Formen der RHD ist nur durch Impfung möglich. Die derzeit auf dem Markt befindlichen RHDV-Impfstoffe schützen nur bedingt gegen RHDV-2.Für einen bestmöglichen Impfschutz verweisen wir auf die Informationen des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI) und die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKoVet):

https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/haemorrhagische-kaninchenkrankheit/?sword_list%5B0%5D=rhd

Kaninchenleber unter dem Mikroskop: mikroskopische Aufnahme, Hämatoxylin-Eosin-Färbung, 400fache Vergrößerung

Abbildung 1 - Leber eines Kaninchens (mikroskopische Aufnahme, Hämatoxylin-Eosin-Färbung, 400fache Vergrößerung): Untergang zahlreicher Leberzellen, wenige Zellen intakt (erkennbar an intakten Zellkernen)

Kaninchenniere unter dem Mikroskop: mikroskopische Aufnahme, Hämatoxylin-Eosin-Färbung, 630fache Vergrößerung

Abbildung 2 - Niere eines Kaninchens (mikroskopische Aufnahme, Hämatoxylin-Eosin-Färbung, 630fache Vergrößerung): Nierenkörperchen mit zahlreichen Gerinnseln in kleinsten Gefäßen (sog. Mikrothromben in Glomerulumkapillaren)

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