Radioaktivitätsuntersuchung von Wildpilzen und Wildschweinfleisch –
Untersuchungsergebnisse 2018

Hintergrund

In der Bundesrepublik Deutschland wurden nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl im Jahr 1986 zum Schutz der Bevölkerung bundesweite Messprogramme zur Überprüfung der Aktivitätsgehalte von künstlichen Radionukliden in der Umwelt und in Lebensmitteln eingeführt. Die Umsetzung der bundesweiten Messprogramme für Umwelt- und Lebensmittelproben nach § 3 Strahlenschutzvorsorgesetz (StrVG) ist in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Integrierten Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt (AVV-IMIS) geregelt. In Bayern werden im Rahmen der bayerischen Messprogramme jährlich über 800 Lebensmittelproben des gesamten Lebensmittelspektrums auf künstliche Radionuklide untersucht. Zusätzlich zu den Messprogrammen des Bundes untersucht das LfU im Auftrag des LGL innerhalb eines Jahres bis zu 400 Wildfleisch- und Wildpilzproben auf Radiocäsium. Der Aufgabenbereich des LGL umfasst neben der Erstellung der Probenpläne auch die Bewertung der Ergebnisse. Für die Messungen der Proben ist das LfU verantwortlich. Wie in den Jahren zuvor wiesen auch 2018 die untersuchten Lebensmittel aus dem Handel und von den Erzeugern nur äußerst niedrige Radiocäsiumgehalte (Summe aus Cäsium 134 und Cäsium 137) auf. Nennenswerte Radiocäsiumgehalte sind derzeitig nur noch bei bayerischem Wildfleisch und Wildpilzen festzustellen.

Radioaktivität in Wildpilzen

2018 untersuchte das LfU im Auftrag des LGL 135 Wildpilzproben. Davon stammten 98 ausschließlich aus bayerischen Wäldern. Die untersuchten Steinpilze und Pfifferlinge wiesen im Jahr 2018 keine Grenzwertüberschreitungen auf. Bei den Maronenröhrlingen überschritten zwei Proben den EU-Radiocäsiumgrenzwert von 600 Bq/kg. Bei den sonstigen Pilzproben lagen zwei Proben Weißer Rasling über dem Grenzwert.
Der Großteil im deutschen Einzel- bzw. Großhandel erhältlichen Pilze sind entweder Zuchtpilze, die keine Radiocäsiumbelastung aufweisen, oder Wildpilze aus EU-Drittländern. Wildpilze aus Drittländern unterliegen der Überwachung durch die bayerischen Zollbehörden, die mit den zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden zusammenarbeiten, um kontaminierte Ware von der Einfuhr in die Europäische Gemeinschaft auszuschließen. Im Jahr 2018 stellte das LGL bei keiner der 37 Proben importierter Wildpilze Radiocäsiumgehalte über dem Grenzwert von 600 Bq/kg fest.

Radioaktivität in Wildschweinfleisch

Wildschweinfleisch kann bis heute erhöhte Radiocäsiumbelastungen aufweisen. Die Anreicherung des Radiocäsiums im Muskelfleisch der Tiere wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. Grundsätzlich nehmen die Tiere das Radiocäsium über die Nahrung auf und reichern es im Muskelfleisch an. Somit kann die Radiocäsiumbelastung bei Wildschweinen aufgrund der regional stark unterschiedlichen Bodenbelastung und des verfügbaren Nahrungsmittelangebots wie zum Beispiel Pilze und Hirschtrüffel sehr unterschiedlich ausfallen. Damit Wildschweinfleisch mit Radiocäsiumgehalten über dem Grenzwert von 600 Bq/kg nicht in den Handel gelangt, überwacht das LGL stichprobenartig Wildschweinfleisch aus dem Groß- bzw. Einzelhandel, Gaststätten und Metzgereien. Von den 127 im Jahr 2018 untersuchten Wildschweinproben aus dem Handel wiesen 65 % der Wildschweinproben eine Aktivität von unter 10 Bq/kg Radiocäsium auf. 23 % der Handelsproben blieben unter einem Radiocäsiumgehalt von 100 Bq/kg. Im Jahr 2018 stellte das LGL bei zwei Wildschweinproben aus dem Handel eine Überschreitung des EU-Grenzwertes fest. Die Proben stammten jeweils von einem regionalen Wilddirektvermarkter. Eine gesundheitliche Gefährdung hat das LGL in beiden Fällen ausgeschlossen. Die Wildschweinprobe mit dem höchsten Radiocäsiumgehalt von 3.495 Bq/kg stammte nicht aus dem Handel, sondern direkt von einem Jäger. Mithilfe des bayernweiten Messstellennetzwerkes führt die bayerische Jägerschaft Eigenkontrollen durch um sicherzustellen, dass kein Wildscheinfleisch mit einer Radiocäsiumbelastung über dem Grenzwert in den Handel gelangt. Die Untersuchungsergebnisse 2018 von Wildschweinfleisch aus dem bayerischen Handel bestätigen die niedrigen Radiocäsiumgehalte der vergangenen Jahre. Außerdem belegen die Messdaten die Wirksamkeit der Eigenkontrollen durch die Messstellen der bayerischen Jäger. Weitere Informationen zu diesem Thema sowie die Einzelergebnisse der im Rahmen der Überwachung der Umweltradioaktivität durchgeführten Messungen sind auf den Internetseiten des LfU und des LGL veröffentlicht.

Tabelle: Untersuchte Radioaktivitätsproben 2018
Bezeichnung Probenzahlen Radiocäsiumgehalt in Bq/kg
bzw. Bq/L
Ausland Inland Min. Max MW
Sammelmilch   214 <1 <1 <1
Rindfleisch 2 87 <1 4 <1
Kalbfleisch 2 6 <1 <1 <1
Schweinefleisch 1 44 <1 <1 <1
Geflügelfleisch 3 22 <1 <1 <1
Getreide   80 <1 <1 <1
Kartoffeln 2 33 <1 <1 <1
Gemüse 13 127 <1 <1 <1
Beeren- und Kernobst 8 35 <1 <1 <1
Fische 5 1 <1 2 <1
Säuglingsnahrung   20 <1 <1 <1
Trink/-Rohwasser   30 <1 <1 <1
Gesamtnahrung   73 <1 <1 <1
Wildbret gesamt          
Reh    8 <1 474 113
Wildschwein (gesamt) 13 238 <1 3495 390
Wildschwein (Handel) 13 114 <1 783 46
Wildpilze gesamt          
Maronenröhrlinge   41 8 1112 218
Pfifferlinge 15 2 <1 407 118
Steinpilze 18 17 <1 571 85
andere Wildpilze 4 38 <1 5088 273