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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Cäsiumbelastung in Wildfleisch und Wildpilzen aus Bayern – Untersuchungsergebnisse 2013

Die heutige Radiocäsiumbelastung von Wildfleisch und Wildpilzen ist vor allem auf den Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl zurückzuführen. Dabei gibt es einen direkten Zusammenhang der Cäsiumbelastung von Wildfleisch und Wildpilzen. Das Pilzmyzel bestimmter Pilzarten hat eine besondere Affinität zu den Nukliden Cäsium 137 und Cäsium 134, so dass es bei diesen Pilzen zu einer Anreicherung kommen kann. Wildtiere wie Reh, Hirsch und Wildschwein nehmen das Cäsium über die Wildpilze mit der Nahrung auf und reichern es auf diesem Wege im Muskelfleisch an. Daher bestimmen drei Faktoren die Radiocäsiumbelastung in Wildfleisch maßgeblich: die Tierart, die lokale Bodenkontamination und die gefressenen Pilzsorten.
Gemäß Art. 2 der Verordnung (EG) Nr. 733/2008, geändert durch die Verordnung (EG) 1048/2009, gilt der EU-Grenzwert von 600 Bq/kg für alle Lebensmittel, ausgenommen Milch, Milcherzeugnisse und Säuglingsnahrung (Grenzwert 370 Bq/kg).

Untersuchungsergebnisse

Wildfleisch

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 2013 218 Wildproben (Tabelle 1) durch das LGL untersucht. Bei neun von insgesamt 74 Wildschweinproben wurde eine Grenzwertüberschreitung festgestellt. Die Wildschweinproben mit Grenzwertüberschreitung stammten aus den Landkreisen Altötting, Cham, Kulmbach, Neustadt an der Waldnaab, Ostallgäu, Starnberg. Die Wildschweinprobe mit dem höchsten Radiocäsiumgehalt von 9.840 Bq/kg stammte aus dem Landkreis Cham.
27 Wildschweinproben waren aus dem Handel (Metzgereien, Gaststätten, Wildhandel) bezogen worden. Keine dieser Proben überschritt den Grenzwert von 600 Bq/kg.

Die 144 Fleischproben von Reh, Hirsch und anderem Haarwild lagen bis auf eine Probe unterhalb des Grenzwerts von 600 Bq/kg.

Tabelle 1: Radiocäsium in Wildfleisch im Jahr 2013
Bezeichnung Probenzahlen Radiocäsiumgehalt in Bq/kg
Import Inland Min. Max. MW
Reh 121 < 1 368 30
Hirsch 1 14 < 1 72 12
Wildschwein 74 < 1 9.840 372
sonstiges Haarwild 8 < 1 1.325 185
Wildbret gesamt 1 217

Wildpilze

Insgesamt überschritten im Jahr 2013 11 von 145 untersuchten Wildpilzproben den Grenzwert von 600 Bq/kg.

In sechs von 56 Maronenröhrlingproben aus Bayern wurden Radiocäsiumwerte über dem Grenzwert von 600 Bq/kg festgestellt, davon eine über 2.000 Bq/kg (Tabelle 2). Die Probe mit einem Radiocäsiumgehalt von 2028 Bq/kg stammte aus dem Landkreis Regen.

Aktivitäten über 1.000 Bq/kg Radiocäsium wurde bei insgesamt fünf Pilzproben gemessen, jeweils einer Maronenpilzprobe aus den Landkreisen Regen und Rosenheim, zwei Birkenpilzproben und einer Probe weißer Rasling aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Im Berichtsjahr wurde bei Steinpilzen und Pfifferlingen keine Grenzwertüberschreitung festgestellt. Generell weisen diese Pilzsorten eine geringere Radiocäsiumbelastung als z.B. Maronenröhrlinge auf.

Pilzimporte aus den östlichen Nicht-EU-Staaten werden während der Pilzsaison überwacht, um kontaminierte Ware (z. B. aus der Ukraine) von der Einfuhr auszuschließen. Bei den drei untersuchten Proben wurde jedoch keine Grenzwertüberschreitung (600 Bq/kg Radiocäsium) festgestellt.

Tabelle 2: Radiocäsium in Wildpilzen im Jahr 2013
Bezeichnung Probenzahlen Radiocäsiumgehalt in Bq/kg
Import Inland Min. Max. MW
Maronenröhrlinge 56 18 2.028 279
Pfifferlinge 2 2 < 1 186 46
Steinpilze 30 < 1 179 46
Birkenpilz 7 5 6.913 1.560
Andere Wildpilze 1 47 < 1 2420 147
Wildpilze gesamt 3 142

Aufgrund der Halbwertszeit des Cäsiums von ca. 30 Jahren nimmt die Cäsiumbelastung im Boden, und demzufolge in Wildpilzen und Wildfleisch, nur sehr langsam ab. Somit ist auch in den nächsten Jahren bei Wildfleisch und Wildpilzen mit einer Cäsiumbelastung in vergleichbarer Höhe wie in den vergangenen Jahren zu rechnen. Ein akutes Gesundheitsrisiko kann beim Verzehr von Wild und Wildpilzen auch oberhalb des Grenzwertes von 600 Bq/kg ausgeschlossen werden. Trotzdem sollten in den nächsten Jahren die bayernweiten Wildfleisch- und Wildpilzuntersuchungen fortgeführt werden. Darüber hinaus besteht ein starkes Verbraucherinteresse an diesem Thema.

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