Bayerische Antibiotikaresistenz- Datenbank (BARDa) – Resistenzlage in Bayern 1. Halbjahr 2025

Ergebnisse für das erste Halbjahr 2025

Zusammenfassende Bewertung

  1. Insgesamt zeigen sich in Bayern weiterhin bei den meisten der betrachteten bakteriellen Krankheitserreger zufriedenstellende Resistenzraten, so dass meist ausreichend Wirkstoffe als Therapieoptionen zur Verfügung stehen.
  2. Häufig ergibt sich ein Resistenzgefälle mit absteigenden Resistenzraten von den Intensivstationen über die Pflegestationen hin zu den Klinik-Ambulanzen. Die geringsten Resistenzraten weisen im Regelfall Isolate aus den ärztlichen Praxen auf.
  3. Bei den Enterobacterales wie z. B. Escherichia coli und Klebsiella spp. zeigen sich erwartungsgemäß verhältnismäßig hohe Resistenzraten gegenüber den meisten Wirkstoffen aus der Penicillin-Gruppe, wohingegen die Resistenzraten gegenüber Cephalosporinen, Carbapenemen, Fluorchinolonen und Aminoglykosiden als eher niedrig bis moderat eingestuft werden können.
  4. Auch bei Staphylococcus aureus ist die Resistenzlage weiterhin sehr befriedigend. Der Anteil mutmaßlicher MRSA-Stämme mit Oxacillin-Resistenz als Marker liegt bei Isolaten aus dem Krankenhausbereich zwischen 6,1% und 5,2%, bei Isolaten aus den ärztlichen Praxen sogar nur bei 3,8% und ist damit weiterhin als sehr niedrig zu beurteilen. Mäßige Resistenzraten zeigen sich gegen das Lincosamid Clindamycin und das Makrolid Erythromycin.
  5. Auffällig ist für Streptococcus pneumoniae eine anhaltende Erhöhung der Resistenzraten gegenüber Makroliden besonders im Bereich der Intensivstationen. Die weitere Entwicklung wird von BARDa weiterhin aufmerksam beobachtet.
  6. Als Problemkeim muss nach wie vor Enterococcus faecium angesehen werden, der insgesamt gegenüber den gebräuchlichen Wirkstoffen hohe bis sehr hohe Resistenzraten aufweist. Die in den letzten Jahren beobachteten erhöhten Resistenzraten gegenüber den Reserveantibiotika Vancomycin und Teicoplanin zeigen weiterhin eine rückläufige Tendenz.

Datenbasis

Die Auswertung des ersten Halbjahres 2025 (01.01.-30.06.2025) beruht auf den Daten von 29 Laboratorien (18 Kliniklabore, darunter sechs Universitätskliniken, und 11 niedergelassene Laboratorien) aus allen sieben bayerischen Regierungsbezirken. Zwei Teilnehmer konnten in die Auswertung für das 1. Halbjahr 2025 nicht eingeschlossen werden. Alle Laboratorien bewerten die Ergebnisse der Resistenztestung nach EUCAST. Hierbei bilden die EUCAST Breakpoints die Grundlage zur Einstufung von Mikroorganismen als empfindlich (S und I) und resistent (R) gegenüber den Antibiotika. Aufgrund der Einführung differentieller Breakpoints nach Indikation (z.B. „Harnwegsinfekt“, „Meningitis“) bzw. Applikation (z.B. „oral“, „intravenös“) für manche Antibiotika/Erreger-Kombinationen, kann es hier zu Veränderungen bei den Isolatzahlen und der Resistenzentwicklung im Vergleich zu den Vorjahren kommen. Beispielsweise liegen im Jahr 2024 weniger Resistenztestungen aus ambulanten Praxen zu Amoxicillin/Clavulansäure bei Escherichia coli vor als im Jahr 2023, da einige Labore bereits die differentiellen Breakpoints für Amoxicillin/Clavulansäure („i.v.“, „oral“, „oral (HWI)“ und „oral (nur unkompliz. HWI)“) übermitteln. Da es sich bislang allerdings um einzelne Labore handelt, werden diese Antibiotika mit differentiellen Breakpoints aktuell noch nicht auf den BARDa Webseiten veröffentlicht.
Nachfolgend sind die BARDa Antibiotika/Erreger Kombinationen aufgelistet, welche in der EUCAST Breakpoint Tabelle v 15.0 2025 nach Indikation und/oder Applikation aufgeteilt sind:

Tabelle anzeigen

Tabelle 1: Antibiotika/Erreger Kombinationen nach Indikation und/oder Applikation (EUCAST 15.0)
Escherichia coli Klebsiella oxytoca Klebsiella pneumoniae Proteus mirabilis Acinetobacter baumannii Komplex Pseudomonas aeruginosa Staphylococcus aureus Staphylococcus epidermidis Enterococcus faecalis Enterococcus faecium Streptococcus pneumoniae
Amoxicillin
Amoxicillin i.v.×××××××
Amoxicillin (Meningitis, Endokarditis)×
Amoxicillin oral××××××
Amoxicillin oral (HWI)××××
Amoxicillin oral (nur unkompliz. HWI)××××××
Amoxicillin/Clavulansäure
Amoxicillin/Clavulansäure i.v.×××××××
Amoxicillin/Clavulansäure oral××××××
Amoxicillin/Clavulansäure oral (HWI)××××
Amoxicillin/Clavulansäure oral (nur unkompliz. HWI)××××××
Ampicillin×
Ampicillin i.v.××××××
Ampicillin (Meningitis, Endokarditis)×
Ampicillin oral (nur unkompliz. HWI)××××
Ampicillin/Sulbactam
Ampicillin/Sulbactam i.v.××××××
Ampicillin/Sulbactam oral (nur unkompliz. HWI)××××
Penicillin G (Benzylpenicillin)×
Penicillin G (Benzylpenicillin, Meningitis, Endokarditis)×
Cefotaxim×××××
Cefotaxim (Meningitis)××××  
Cefotaxim (Meningitis, Endokarditis)    ×
Ceftarolin×
Ceftarolin (Pneumonie)×
Ceftriaxon×××××
Ceftriaxon (Meningitis)××××  
Ceftriaxon (Meningitis, Endokarditis)     ×
Cefuroxim
Cefuroxim i.v.×××××××
Cefuroxim-Axetil (Cefuroxim oral)×××
Cefuroxim-Axetil (Cefuroxim oral) (nur unkompliz. HWI)××××
Meropenem×××××××
Meropenem (Meningitis)×××××××
Ciprofloxacin××××
Ciprofloxacin (Meningitis)××××
Ciprofloxacin (nur unkompliz. HWI)××
Levofloxacin
Levofloxacin (nur unkompliz. HWI)××
Amikacin××××××
Amikacin (HWI)××××××
Gentamicin×××××
Gentamicin (HWI)×××××
Tobramicin××××××
Tobramicin (HWI)××××××
Fosfomycin
Fosfomycin oral (nur unkompliz. HWI)×
Fosfomycin i.v. (HWI)×
Fosfomycin i.v.

Abkürzungen: HWI = Harnwegsinfekt; i.v. = intravenös; unkompliz. HWI = unkomplizierter Harnwegsinfekt

Verwendete EUCAST-Version

Eckdaten zu der Auswertung des ersten Halbjahres 2025

  • Es wurden insgesamt 271.519 Antibiogramme für 11 ausgewählte Erreger aus allen bayerischen Regierungsbezirken ausgewertet.
Tab. 2: Anzahl der Isolate mit Antibiogramm nach Versorgungsbereich in BARDa im ersten Halbjahr 2025 (Datum der Abfrage: 20.01.2026)
Versorgungsbereich Intensivstation Pflegestation ambulant Krankenhaus ambulant Praxis Sonstiges Gesamt
Anzahl Isolate 13.870 95.213 31.552 128.100 2.784 271.519
in % 5,1 35,1 11,6 47,2 1,0 100,0

Isolate der Kategorie „Sonstiges“ werden in den unten anwählbaren Ergebnistabellen nach Versorgungsbereich nicht weiter berücksichtigt.

Tab. 3: Anzahl der Isolate mit Antibiogramm mit Zuordnung zu den bayerischen Regierungsbezirken in BARDa im ersten Halbjahr 2025 (Datum der Abfrage: 20.01.2026)
Regierungsbezirk Ober­bayern Nieder­bayern Ober­pfalz Ober­franken Mittel­franken Unter­franken Schwaben ohne Zuordnung Gesamt
Anzahl Isolate 121.836 35.757 18.863 22.666 23.112 18.083 31.142 60 271.519
in % 44,9 13,2 6,9 8,3 8,5 6,7 11,5 0,0 100,0