Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Untersuchung von Strauchbeerenobst auf Pflanzenschutzmittelrückstände (2004)

Rückstandslage bei Strauchbeerenobst aus verschiedenen Herkunftsländern

Johannisbeeren

Im Rahmen eines Monitoring-Projektes 2004 hat das LGL 57 Proben verschiedener Strauchbeerenarten auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln untersucht.

Nahezu Dreiviertel der Proben stammten vom deutschen Markt, ein Viertel kam aus dem europäischen Ausland.

In sieben Proben (12 %) waren keine Rückstände nachweisbar, 37 Proben (65 %) enthielten Rückstände unter und 13 Proben (23 %) über den zulässigen Höchstmengen (Tabelle 1).

Tabelle 1: Rückstandssituation bei Strauchbeerenobst
Obstart Herkunft ohne Rückstände (R) mit R unter der Höchstmenge (HM) mit R über der Höchstmenge (HM) Summe
Brombeere Deutschland 1 6   7
  Ausland 2 2 1 5
  Summe 3 8 1 12
Himbeere Deutschland   3   3
  Ausland 2   1 3
  Summe 2 3 1 6
Johannisbeere Deutschland 1 11 6 18
  Ausland   5   5
  Summe 1 16 6 23
Stachelbeere Deutschland   9 5 14
  Ausland 1 1   2
  Summe 1 10 5 16
           
  Gesamtzahlen 7 37 13 57
    12% 65% 23%  

Zu hohe Rückstände wurden überwiegend in deutschen Johannisbeeren und Stachelbeeren gefunden. Hinzu kam eine Probe Himbeeren aus Rumänien und eine Probe Brombeeren aus Italien. Zwei Proben Johannisbeeren enthielten jeweils zwei Stoffe über den Höchstmengen (Tabelle 2).

Proben mit Höchstmengenüberschreitungen

Tabelle 2: Proben mit Höchstmengenüberschreitungen
Obstart Herkunft Stoff Rückstandsgehalt in mg/kg zulässige HM in mg/kg
Brombeere Italien Brompropylat 0,89 0,05
Himbeere Rumänien Fenazaquin 0,11 0,01
Johannisbeere rot Deutschland Dimethoat 0,20 0,02
Johannisbeere rot Deutschland Dimethoat
Oxydemeton-methyl
0,14
0,03
0,02
0,02
Johannisbeere rot Deutschland Dimethoat 0,12 0,02
Johannisbeere rot Deutschland Dimethoat 0,027 0,02
Johannisbeere rot Deutschland Oxydemeton-methyl 0,069 0,02
Johannisbeere schwarz Deutschland Demeton-S-methyl-sulfon
Tebufenozid
0,062
0,076
0,02
0,02
Stachelbeere Deutschland Cyfluthrin 0,036 0,02
Stachelbeere Deutschland Fenpyroximat 0,19 0,05
Stachelbeere Deutschland Flusilazol 0,017 0,01
Stachelbeere Deutschland Oxydemeton-methyl 0,056 0,02
Stachelbeere Deutschland Oxydemeton-methyl 0,033 0,02

Bei allen Stoffen der Tabelle 2 war für eine lebensmittelrechtliche Bewertung der nachgewiesenen Rückstände jeweils die niedrigste existierende Höchstmenge maßgebend. Sie liegt an der "analytischen Bestimmungsgrenze" der einzelnen Stoffe und ist dann wirksam, wenn der betreffende Stoff in Deutschland für das untersuchte Beerenobst nicht zugelassen ist oder in der EU ein gemeinschaftlicher Grenzwert auf der Höhe der Bestimmungsgrenze festgelegt wurde.

Alle Höchstmengenüberschreitungen werden mit den anerkannten wissenschaftlichen Verfahren auf ein mögliches gesundheitliches Risiko überprüft. In den vorliegenden Fällen ergaben sich keinerlei Hinweise auf ein potentielles Risiko.

Mehrfachrückstände

Wie bei anderen anfälligen Obstkulturen auch, wurden in Strauchbeerenobst in vielen Fällen mehrere Rückstände gleichzeitig gefunden. Lediglich drei Proben (5 %) enthielten einen einzelnen Rückstand, in 13 Proben (23 %) waren zwei bis drei Rückstände zu finden und immerhin 34 Proben (60 %) wiesen vier bis elf Rückstände auf.

Insbesondere Johannisbeeren und Stachelbeeren waren durch einen hohen Anteil an Mehrfachrückständen auffällig (Abbildung 1).

Säulendiagramm: Anzahl Rückstände in Strauchbeerenobst

Abbildung 1: Anzahl Rückstände in Strauchbeerenobst

Mehrfachrückstände führen erwartungsgemäß zu einer höheren Gesamtbelastung der Beeren. So war die Summe der Rückstandsgehalte bei mehr als der Hälfte aller Proben mit vier bis elf Rückständen höher als 0,1 mg/kg, bei 22 % der Fälle über 0,5 mg/kg (Abbildung 2). Der mittlere Rückstandsgehalt lag in dieser Gruppe bei 0,61 mg/kg. Dagegen lag der durchschnittliche Rückstandsgehalt bei Proben mit lediglich einem Rückstand mit 0,012 mg/kg fünfzig mal tiefer.

Säulendiagramm: Rückstandsgehalte und Mehrfachrückstände in Strauchbeenobst

Abbildung 2: Rückstandsgehalte und Mehrfachrückstände in Strauchbeerenobst

In den 50 rückstandshaltigen Proben wurden 51 verschiedene Stoffe insgesamt 272-mal gefunden (Abbildung 3). 44 % aller gemessenen Gehalte lagen zwischen 0,001 und 0,01 mg/kg, dem für Säuglingsnahrung und Öko-Lebensmittel maßgebenden Grenzwert. Über 1 mg/kg lagen lediglich vier Rückstände der Wirkstoffe Tolylfluanid und Fenhexamid. Für beide Stoffe liegt die zulässige Höchstmenge bei 5 mg/kg.

Im Hinblick auf die Rückstandszahl waren die verschiedenen Arten unterschiedlich stark belastet. Während Himbeeren und Brombeeren durchschnittlich 2,6 Rückstände pro Probe aufwiesen, waren Johannis- und Stachelbeeren mit 5,9 bzw. 5,6 Rückständen pro Probe erheblich belastet. Auch der durchschnittliche Gesamtgehalt pro Probe lag bei Johannisbeeren mit 0,47 mg/kg deutlich höher als bei Brombeeren und Stachelbeeren mit 0,36 mg/kg bzw. Himbeeren mit 0,31 mg/kg.

Insgesamt elf Wirkstoffe, davon 6 Pilzbekämpfungsmittel, 4 Insektizide und ein Metabolit waren mindestens zehnmal nachweisbar und machten fast 70 % aller Rückstände aus.

Balkendiagramm: Nachweishäufigkeit von Pflanzenschutzmittelrückständen

Abbildung 3: Nachweishäufigkeit von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen in Strauchbeerenobst

Prozentuale Anteile der Rückstandsgehalte

Vergleicht man die ermittelten Rückstandsgehalte mit den festgesetzten Grenzwerten, dann liegen knapp 60 % aller gemessenen Gehalte unter einem Zehntel der nach der Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV) zulässigen Höchstmengen, weitere 18 % weisen weniger als ein Viertel auf. Aber immerhin 7 % der 272 nachgewiesenen Rückstände lagen über der Höchstmenge.

Kuchendiagramm: Prozentuale Anteile der Rückstandsgehalte an den zulässigen Höchstmengen

Abbildung 4: Prozentuale Anteile der Rückstandsgehalte an den zulässigen Höchstmengen

Das ermittelte Rückstandsbild deckt sich im Wesentlichen mit Ergebnissen anderer Untersuchungsstellen.

Die Rückstandsituation ist insbesondere bei Johannis- und Stachelbeeren sehr unbefriedigend, nicht nur was die Zahl der nachgewiesenen Rückstände betrifft, sondern auch die Zahl der rechtlichen  Höchstmengenüberschreitungen. Dabei fallen besonders inländische Proben auf.

Eine Reihe von Rückständen stammt von Wirkstoffen, die in Deutschland für den Einsatz in Strauchbeerenobst nicht zugelassen sind. Gerade für diese Kleinkulturen gibt es allerdings nur wenige Mittel, so dass Pflanzenschutzmaßnahmen oft nur unter schwierigen Bedingungen durchzuführen sind. Dies führt nicht selten dazu, dass für andere Obstkulturen zugelassene Mittel unzulässigerweise auch bei Strauchbeerenobst eingesetzt werden.

Liegen die Rückstände von unzulässigen Stoffen - unter den festgesetzten Grenzwerten sind die lebensmittelrechtlichen Anforderungen noch erfüllt. In diesen Fällen wird über die Lebensmittelüberwachungsbehörde die zuständige Landwirtschaftsbehörde eingeschaltet und um Überprüfung des möglicherweise falschen Pflanzenschutzmitteleinsatzes gebeten. Neben unzulässigen Anwendungen können gerade die sehr niedrigen Rückstände z. B. auch aus Verwehungen von Nachbarkulturen stammen oder es sind möglicherweise spezielle Genehmigungen für den Einzelfall erlassen worden.

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