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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Influenza - Grippeerkrankungen in Bayern

Die Erkrankung

Eine Influenzaerkrankung (Grippe) ist heute besser und unter anderen medizinischen Versorgungsbedingungen zu behandeln als zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Unverändert muss die Öffentlichkeit aber auf die hohe Krankheitslast (Morbidität), die jedes Jahr mit der Grippewelle zu verzeichnen ist, informiert werden, denn eine Grippe ist keine harmlose Erkrankung. Anders als sogenannte "grippale Infekte", die von einer Vielzahl verschiedener Viren verursacht werden und vor allem durch Schnupfen, Halsbeschwerden und leichtes Fieber gekennzeichnet sind, können Influenzaviren eine plötzlich auftretende, systemische Infektion mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl verursachen. Für Menschen mit Grunderkrankungen kann eine Grippe eine lebensbedrohliche Komplikation bedeuten.

Die Grippeschutzimpfung

Risikogruppen wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch Institut (RKI) zu einer Impfung geraten. Zu den Risikogruppen gehören vor allem alle älteren Menschen über 60 Jahre sowie Personen mit chronischen Erkrankungen. Ratsam ist die Influenza-Impfung auch für alle Schwangeren ab dem 2. Trimenon (bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab dem 1. Trimenon), sowie für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen und in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr.

Erst einige Tage nach einer Grippeimpfung kann von einem Impfschutz ausgegangen werden. Daher ist eine Impfung im Herbst zwar besonders zu empfehlen, doch auch zu einem späteren Zeitpunkt ist eine Grippeimpfung noch sinnvoll, da eine anhaltende Zirkulation der Grippeviren meist erst ab Januar zu beobachten ist.

Die Impfung muss jährlich wiederholt werden, weil sich die Eigenschaften der Grippeviren jedes Jahr verändern können. Der pandemische Influenza-Subtyp A(H1N1)pdm2009 ist zu einem saisonal zirkulierenden Grippevirus geworden. Die aktuelle Impfstoff-Stammzusammensetzung finden Sie auf den Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts:

zum Paul-Ehrlich-Institut: Saisonale Influenza 2017/2018

Die Kosten für die Impfung werden von den gesetzlichen Krankenkassen und in der Regel auch von den Privatkassen übernommen.

Virologische Überwachung

Belastbare Daten zur Influenzaaktivität aus Überwachungssystemen sind unverzichtbar als Grundlage für eine seriöse Beurteilung der Infektionsgefahr durch Influenzaviren. Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) verpflichtet Laboratorien und Ärzte, die Influenzaviren nachweisen – einschließlich neuer Subtypen wie im Falle der pandemischen Influenza A(H1N1)pdm2009 –, zur Meldung an das zuständige Gesundheitsamt. Die Gesundheitsämter überprüfen und ergänzen die Labormeldungen und leiten sie an die zuständige Landesstelle, in Bayern das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), weiter. Die Landesstellen leiten die Daten zur bundesweiten Auswertung an das Robert Koch-Institut (RKI) weiter.

Grundsätzlich muss von einer Dunkelziffer ausgegangen werden, da nicht jeder Erkrankte einen Arzt konsultiert und nicht jeder akute Atemwegsinfekt in einem mikrobiologischen Labor auf Influenzaviren untersucht wird. Dies führt in der Meldestatistik zur Untererfassung der tatsächlichen Influenzafälle.

Influenzaüberwachung in Bayern – Das Bayern Influenza Sentinel (BIS)

Um zeitnahe Daten zur aktuellen Influenzazirkulation in Bayern zu erhalten, wurde am LGL ein Netzwerk von niedergelassenen Allgemein-, Haus-, und Kinderärzte aus Bayern gebildet, die zusammen in einem Sentinel, dem BIS, die Influenzaviren-Aktivität in Bayern erfassen und überwachen. Die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte schicken Abstrichtupfer von zufällig ausgewählten Patienten mit Symptomatik einer akuten respiratorischen Erkrankung (ARE) zur kostenfreien Diagnostik ans LGL. Diese Daten ergänzen die virologische Überwachung des Meldewesens durch das IfSG. Zusätzlich melden die Ärzte wöchentlich die Häufigkeit der ARE direkt an das RKI (syndromische Überwachung, siehe unten).

Berichterstattung aus dem BIS: Abschluss der Influenzasaison 2017/18

Die Berichterstattung des Bayern Influenza Sentinels endet mit Kalenderwoche (KW) 16 für die Influenzasaison 2017/18. Die Influenzawelle in Bayern begann laut Definition des RKI in KW 52 und endete in KW 14 (oranger Rahmen in Abb. 1). Im gesamten Untersuchungszeitraum (KW 40 2017 – KW 16 2018) wurden 2107 Rachen- bzw. Nasenabstriche von Patienten mit einer akuten respiratorischen Erkrankung am LGL untersucht. 841 (40%) Proben wurden positiv auf Influenzaviren getestet. Es dominierten Influenza B Viren mit einem Anteil von 69% (n = 582). Ab KW 7 wurden diese weiter differenziert (n = 250). Zu 98% handelte es sich um B Viren der Linie Yamagata. Die Linie Victoria wurde nur bei 2 % der typisierten B- Viren festgestellt. Unter den 259 Influenza A positiven Proben befanden sich 210 (25% aller positiven Proben) Influenza A H1N1 Viren, 32 (4%) Influenza A H3N2 Viren und 17 (2%) Influenza A Viren, die aufgrund geringer Viruslast nicht weiter typisiert wurden. Die Grippewelle erreichte ihr Plateau von KW 4 bis KW 10 mit einer Positivenrate zwischen 48% und 60%.

Säulendigramm

Abb. 1 Influenza Labornachweise der Probeneinsendungen des Bayern Influenza Sentinel 2017/18. Ab KW 7 wurden die Influenza B-Virus Nachweise weiter differenziert. Der orange Rahmen gibt den Bereich der Influenzawelle an.

Wir möchten uns bei den BIS-Ärzten für die regelmäßige Einsendung der Nasen- und Rachenabstriche während der Influenzasaison 2017/18 herzlich bedanken.

Respiratorische Synzytial Virus (RSV)

Im gesamten Untersuchungszeitraum (KW 40 2017 – KW 16 2018) wurden 455 Rachenabstriche von Kindern ≤ 5 Jahren mit einer akuten respiratorischen Erkrankung am LGL analysiert (Abb. 2). In 43 (9%) Proben wurde RSV nachgewiesen.

Säulendiagramm

Abb. 2 RSV Labornachweise der Probeneinsendungen des Bayern Influenza Sentinel 2017/18.

Syndromische Überwachung: Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am RKI

Die Zahl der Virusnachweise stellt - wie oben erwähnt - nur einen Teil der tatsächlichen Grippeerkrankungen dar, da nicht in jedem Fall, sondern vor allem bei schweren Krankheitsverläufen, in Risikogruppen oder bei besonderen Auffälligkeiten eine virologische Diagnostik erfolgt.

Als weiteres System der Influenzaüberwachung registriert die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am Robert-Koch-Institut (RKI) die Influenza-Aktivität durch die Beobachtung der Häufigkeit von akuten Atemwegsinfekten (ARE) in Meldepraxen, die über ganz Deutschland verteilt sind. Die regionale Aktivität der Influenza wird über den sogenannten Praxisindex bestimmt. Um einen Überblick über die Stärke der Influenzaaktivität in Deutschland zu erhalten, gibt die AGI einen Wochenbericht heraus: Hier erhält man einen Überblick über die Aktivität an akuten Atemwegserkrankungen in den einzelnen Bundesländern (Praxisindex).

Neben der syndromischen Überwachung stellt die AGI Daten zur Viruszirkulation aus dem Nationalen Referenzzentrum für Influenzaviren und aus Landesstellen der Bundesländer zur Verfügung.

Das LGL liefert Daten aus dem Meldewesen und aus dem 2009 etablierten Bayern Influenza Sentinel BIS (siehe "Downloads") an die Arbeitsgemeinschaft Influenza.

Ende der Berichterstattung zur diesjährigen Influenzasaison

Mit der Ausgabe zur 16. Meldewoche endete die wöchentliche Berichterstattung des LGL zur Influenza.

Während der Sommermonate werden die Daten monatlich auf den Seiten des RKI berichtet. http://www.influenza.rki.de/Wochenberichte.aspx.

Influenza Wochenbericht der AGI für Deutschland:
Aktualität der AGI-Daten

Auszug aus dem Influenza-Wochenbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) für die Kalenderwoche 16 2018

Zusammenfassende Bewertung der epidemiologischen Lage:

Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) ist in der 16. Kalenderwoche (KW) 2018 bundesweit gesunken, die Werte des Praxisindex lagen in der 16. KW insgesamt im Bereich der ARE-Hintergrund-Aktivität. Die Werte der Konsultationsinzidenz sind insgesamt gesunken.

Im Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ) wurden in der 16. KW 2018 in 26 (39 %) von 67 Sentinelproben respiratorische Viren identifiziert. Es wurden hauptsächlich Rhinoviren detektiert. Es wurde nur noch eine geringe Grippe-Aktivität mit einer Influenza-Positivenrate von 6 % verzeichnet.

Influenza B-Viren (mit 99 % aus der Yamagata-Linie) sind seit der 40. KW 2017 mit 68 % die am häufigsten identifizierten Influenzaviren, gefolgt von Influenza A(H1N1)pdm09-Viren mit 28 % und Influenza A(H3N2)-Viren mit 4 %.

In der 16. Meldewoche (MW) wurden nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) bislang 1.908 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt. Damit sind 332.103 Fälle seit der 40. MW 2017 übermittelt worden (Datenstand 24.04.2018).

Die Grippewelle der Saison 2017/18 begann in der 52. KW 2017, erreichte während der 8. bis 10. KW 2018 ihren Höhepunkt und endete nach Definition der Arbeitsgemeinschaft Influenza in der 14. KW 2018. Sie hielt 15 Wochen an.

Weitere Informationen finden Sie unter: https://influenza.rki.de/

IfSG Meldedaten zur Influenzasaison 2017/2018

Aktuelle Meldungen nach IfSG in Bayern

Für die 16. Meldewoche 2018 wurden in Bayern 149 Influenzafälle nach Infektionsschutzgesetz durch die Gesundheitsämter an das LGL übermittelt. Insgesamt erhöht sich damit die Gesamtfallzahl der Saison 2017/18 (ab MW 40 2017) auf 43.400 Fälle.

Allein labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle, sowie Fälle, die mit diesen in einen epidemiologischen Zusammenhang gebracht werden können, werden gemeldet; jedoch nicht rein klinisch diagnostizierte Fälle. Dementsprechend stellt die Graphik die Anzahl an labordiagnostisch bestätigten Influenzafällen im Verlauf einer Influenzasaison im Vergleich zu den Vorjahren dar.

Liniendiagramm

Abb. 3: Epidemiologische Verlaufskurve aller gemeldeten Fälle im Vergleich zu den Vorjahren

Statistische Daten siehe Übersicht Meldepflichtige Infektionserkrankungen