Aviäre Influenza 2005

Das Jahr 2005 stand ganz im Zeichen eines Erregers: H5N1. Dieser Subtyp des Influenza A-Virus ist sowohl der Erreger der Geflügelpest bei Tieren als auch der „Vogelgrippe�? beim Menschen. Zunächst war das Virus bis 2004 bei Tieren auf wenige Länder Ost- und Südostasiens beschränkt, breitete sich im folgenden Jahr jedoch massiv nach Westen aus. Im Sommer 2005 erreichte die Tierseuche Russland, die Mongolei und Kasachstan, bis zum Jahresende dann auch die Türkei, die Ukraine, Rumänien und Kroatien.

Aber auch beim Menschen breitete sich die aviäre Influenza 2005 weiter aus. Der aktuelle Ausbruch, während dessen erster Welle zwischen Dezember 2003 und März 2004 in Vietnam und Thailand 35 Personen erkrankten und 24 starben, schien danach im Griff zu sein. Es wurden in den folgenden Monaten keine und zwischen Juli und Oktober 2004 lediglich neun weitere Erkrankungsfälle (acht Tote) gemeldet.

Diese Situation hat sich jedoch in 2005 wesentlich verschärft. Von Dezember 2004 bis Ende 2005 wurden 95 Neuerkrankungen und 39 Todesfälle, auch aus den bisher nicht betroffenen Ländern China, Kambodscha und Indonesien, bestätigt. Zum Jahreswechsel erreichte die Vogelgrippe mit ersten Erkrankungs- und Todesfällen die Türkei.

Monitoring-Programme am LGL

Die Ausbreitung der Geflügelpestausbrüche von Asien nach Europa veranlasste die Bundesregierung, Anfang September 2005 eine Eilverordnung zum Schutz vor der Geflügelpest zu erlassen. Deren Ziel war es, das Risiko des Eintrags des Geflügelpesterregers durch Wildbzw. Zugvögel und das Risiko der Verbreitung des Erregers so gering wie möglich zu halten. Die rechtlichen Vorgaben erforderten unter anderem ein Wildvogelmonitoring, eine stichprobenartige Untersuchung von Hausgeflügel, das entgegen dem Aufstallungsgebot nicht in geschlossenen Ställen untergebracht werden konnte, und eine Untersuchung bei gehäuftem Auftreten von krankem oder verendetem Wildgeflügel. Ferner wurden zahlreiche tot aufgefundene Wildvögel durch die alarmierte Bevölkerung zur Sektion gebracht und in die Untersuchungen mit einbezogen.

Humanmedizinisches Monitoring

Bereits seit mehreren Jahren führt das LGL in Zusammenarbeit mit den bayerischen Gesundheitsämtern ein Monitoring der in der Bevölkerung zirkulierenden Influenzaviren durch, an dem nach Rücksprache auch niedergelassene Ärzte teilnehmen. In Rahmen des Monitorings werden Rachenabstriche von Patienten mit akuten respiratorischen Erkrankungen auf eine Infektion mit Influenzaviren der Typen A und B hin untersucht und die Ergebnisse und Isolate auch dem Nationalen Referenzzentrum der Humanmedizin (RKI) zur Verfügung gestellt. Das LGL ist dadurch in das weltweite InfluenzaÜberwachungsnetzwerk der WHO eingebunden, das aufgrund der gewonnenen Daten über die zirkulierenden Stämme Empfehlungen für die Zusammensetzung des Grippe-Impfstoffs der nächsten Saison gibt.

Seit Anfang 2006 wird am LGL auch die Subtypisierung des Influenzavirus A durchgeführt, und zwar nicht nur zur Differenzierung der beim Menschen seit 1977 ausschließlich zirkulierenden Subtypen H1N1 und H3N2, sondern auch auf die im Hinblick auf die Vogelgrippe relevanten Subtypen H5 und H7. Auch andere, seltene Subtypen würden der Aufmerksamkeit des virologischen Labors nicht entgehen, da sie im Influenza A-Test positiv reagieren, aber in den genannten Subtypisierungen negativ. Zum Glück wurden bisher beim Menschen ausschließlich übliche Influenza A-Subtypen H1N1 und H3N2 gefunden.

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