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  • Untersuchung zu Moschusverbindungen in der Muttermilch

    Was ist Moschus und wie es ist chemisch aufgebaut?

    Moschus ist ein Drüsensekret des Moschustieres und war lange Zeit ein begehrter Grundstoff der Parfümerie, da er als Fixativ die anderen Parfümkomponenten harmonisiert und den Duft verlängert. Als Ersatz für das teuere, natürliche Moschus wurden eine Reihe von synthetischen Ersatzstoffen wie Nitromoschusverbindungen und polyzyklische Moschusverbindungen (Beispiele siehe folgende Abbildungen 1-6) als Geruchsstoffe, Geruchsverstärker und -träger entwickelt.

    Nitromoschusverbindungen

    chemische Formel für Moschus Xylol

    Abbildung 1: Moschus-Xylol

    chemische Formel für Moschus Keton

    Abbildung 2: Moschus Keton

    chemische Formel für Moschus Mosken

    Abbildung 3: Moschus Mosken

    chemische Formel für Moschus Tibeten

    Abbildung 4: Moschus Tibeten

    Polyzyklische Moschusverbindungen

    chemische Formel für Moschus Galaxolid

    Abbildung 5: Galaxolid

    chemische Formel für Moschus Tonalid

    Abbildung 6: Tonalid

    Für was wird Moschus verwendet?

    Sie wurden und werden Detergentien, Kosmetika, Körperlotionen, Duschgelen, Weichspülern und Parfüms zugesetzt (% Anteil der Verwendung siehe Abbildung 7)

    Abbildung 7: Verwendung von Moschusverbindungen in Produkten

    Kuchendiagramm: Verwendung von Moschusverbindungen in Produkten

    (modifiziert nach OSPAR (2004)

    Der Einsatz von Moschus Ambrette, das unter Lichteinfluss Allergien auslösen kann und im Tierversuch schädigende Wirkung auf das Nervensystem zeigt, wurde durch die Kosmetikverordnung verboten. Seit geraumer Zeit ist auch die Verwendung von Moschus Tibeten und Moschus Mosken verboten. Moschus Xylol und Moschus Keton sind für die Einsatz in allen kosmetischen Mitteln -mit Ausnahme der Zahnpflegemittel - bis zu bestimmten Gehalten zugelassen.

    Wie folgende Tabelle zeigt, hat der europäische Verbrauch an Moschus Xylol und Moschus Keton seit 1992 abgenommen. Hierzu hat auch die freiwillige Selbstverpflichtung des Industrieverbandes Körper- und Waschmittel e.V. aus dem Jahr 1994 beigetragen, wonach Moschus Xylol Reinigungs- und Waschmitteln nicht mehr zugesetzt wurde. Der Verbrauch von Galaxolid und Tonalid ist zwar um 40 bzw. 60% gesunken, war im Jahr 2000 aber noch beträchtlich.

    Tabelle 1: Europäischer Verbrauch in Tonnen in den Jahren 1992 bis 2000
    Substanz 1992 1995 1998 2000
    Moschus Xylol 174 110 86 67
    Moschus Keton 124 61 40 35
    Moschus Mosken kA 5 kA kA
    Moschus Tibeten KA 0,8 kA kA
    Galaxolid (HHCB) 2400 1482 1473 1427
    Tonalid (AHTN) 885 585 385 358

    Modifiziert nach OSPAR (2004)

    Nitromoschusverbindungen und polyzyklische Nitromoschusverbindungen sind gut fettlöslich, wenig flüchtig und in der Regel schwer abbaubar. Sie wurden folglich in vielen Umweltproben wie Nordseewasser, Berliner Oberflächengewässern, Kläranlagenabläufen, Sedimenten und Klärschlämmen festgestellt. Fische zeigten Rückstände (90.Perzentile Tonalid: 0,57 mg/kg Frischgewicht; Galaxolid: 1,5 mg/kg). Moschus Xylol und Moschus Keton wurden ebenfalls in Fischen festgestellt. Trenduntersuchungen für Galoxlid und Tonalid im Zeitraum von 1995 bis 2001 zeigen, dass in Deutschland die Gehalte in Umweltkompartimenten rückläufig sind:

    siehe Website OSPAR Commission

    Auch im menschlichen Fettgewebe und der Muttermilch wurde seit den 90er Jahren Moschus Xylol und Moschus Keton festgestellt. In den letzten Jahren ist die Anzahl der Nachweise von Moschus Xylol und Moschus Keton in der Muttermilch in Bayern jedoch rückläufig, passend zum beobachteten Trend in den Umweltproben. War 1997/1998 noch fast in allen untersuchten Proben Moschus Xylol und in 50% der Proben Moschus Keton nachweisbar, konnte 2004 nur noch in 12% der untersuchten Proben Moschus Xylol und in 4% Moschus Keton nachgewiesen werden. Die abgebildeten Mediane spiegeln zwar nur eine langsame Abnahme der Gehalte wider. Aber an den in Einzelfällen bestimmten Maximalgehalten wird die fallende Tendenz deutlich erkennbar. So lagen im Jahr 1994 die Maximalgehalte für Moschus Xylol und Moschus Keton um einen Faktor 9 bis 40 über den Gehalten in den Jahren 2002/2004. Moschus Ambrette wurde selbst in den 90er Jahren nur in Einzelfällen festgestellt.

    Abbildung 8: Moschus Xylol und Moschus Keton in der bayerischen Frauenmilch (Median 1994-2004)

    Säulendiagramm: Moschus Xylol und Moschus Keton in der bayerischen Frauenmilch

    modifiziert nach OSPAR (2004)

    In einem Sonderprogramm wurde in den Jahren 1997/1998 neben den Nitromoschusverbindungen auch auf polyzyklische Verbindungen untersucht. Die Ergebnisse sind in folgender Tabelle dargestellt. Polyzyklische Moschusverbindungen waren im Vergleich zu Moschus Xylol und Moschus Keton in bis zu 20fach höheren Gehalten in der Muttermilch vorhanden.

    Tabelle 2: Untersuchungsergebnisse: Nitromoschusverbindungen und polyzyklische Verbindungen in Muttermilch
    Stoff Frequenz der Nachweisbarkeit Bereich [mg/kg Milchfett] Median [mg/ kg Milchfett]
    Nitromoschusverbindungen
    Moschus Xylol 38/40 0,001-0,048 0,006
    Moschus Keton 18/40 0,002-0,083 0,005
    Moschus Mosken 3/40 0,002-0,003 -
    Moschus Ambrette 1/40 0,004 -
    Moschus Tibeten 0/40 - -
    Polyzyklische Moschusverbindungen
    Galaxolid 35/40 0,002-0,132 0,006
    Tonalid 13/40 0,002-0,15 0,022
    Celestolid 15/40 0,0001-0,014 0,002
    Phantolid 10/40 0,001-0,020 0,003
    Traseolit 10/40 0,001-0,0051 0,002

    Modifiziert nach Liebl, B. et al. (2000)

    Weiter führende Literatur

    • Käfferlein, H.U., Göen, T., Angerer, J. (1998): Musk Xylene: Analysis, Occurence, Kinetics and Toxicology. Critical Reviews in Toxicology 28(5), 431–476.
    • Liebl, B., Ehrenstorfer, S. (1993): Nitromoschusverbindungen in der Frauenmilch. Gesundheith.-Wes. 55, 527–532.
    • Liebl, B., Mayer, R., Ommer, S., Sönnichsen, C., Koletzko, B. (2000): Transition of Nitro musks Into Human Milk. Adv Exp Med Biol 478, 289–303.
    • Rimkus, G., Brunn, H. (1996): Synthetische Moschusduftstoffe " Anwendung, Anreicherung in der Umwelt und Toxikologie. Ernähungsumschau 43 (2), 442–449.
    • Rimkus, G. (Hrsg) (2004) The Handbook of Environmental Chemistry Vol. 3, Part X . Synthetic Musk Fragrances in the Environment, Springer-Verlag, Heidelberg. OSPAR (2004): Musk Xylene and other musks. Im Internet unter: http://www.ospar.org.
    • Verordnung über kosmetische Mittel (Kosmetik-Verordnung) in der letzten gültigen Fassung vom 13. Mai 2004 (BGBl I S. 934).