Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

BOSPEK-Studie (Studie zum klinischen Spektrum von Infektionen mit Borna Disease Virus 1 (BoDV-1))

Kurzbeschreibung:

Bereits seit mehr als 250 Jahren ist die Borna‘sche Krankheit bei Säugetieren bekannt. Im Jahr 2018 wurde der Erreger der Borna’schen Krankheit – das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) – erstmalig als Ursache für schwere Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beim Menschen nachgewiesen. Die meisten Erkrankungsfälle (>90%) traten bisher in Bayern auf. Die Forschung zum Thema BoDV-1 beim Menschen steht noch am Anfang, bisher wurden in Deutschland auch erst etwas mehr als 40 Fälle von BoDV-1 Erkrankungen beim Menschen diagnostiziert. So ist beispielsweise noch nicht bekannt, wie BoDV-1 vom Reservoirwirt, der Feldspitzmaus (Crocidura leucodon), auf dem Menschen übertragen wird. Auch weiß man bisher noch nicht genau, ob es neben den bekannten, zumeist tödlich verlaufenden, Enzephalitiden auch noch andere, unter Umständen mildere oder asymptomatische Verlaufsformen einer BoDV-1-Infektion gibt.

In der Gemeinde Maitenbeth im Landkreis Mühldorf am Inn sind seit Ende 2019 zwei humane BoDV-1-Erkrankungsfälle aufgetreten. Um mehr über das klinische Spektrum von Bornavirus-Infektionen und mögliche Übertragungswege zu erfahren, wurde daher die Studie zum „Klinischen Spektrum von Infektionen mit Borna Disease Virus 1“ (BOSPEK-Studie) in Maitenbeth initiiert.

Durchgeführt wurde die Studie vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und dem Universitätsklinikum Regensburg. Eingeladen zur Studienteilnahme wurden alle volljährigen Bürgerinnen und Bürger von Maitenbeth, die nicht unter Blutarmut (Anämie) leiden.

Studienergebnisse

Nachfolgend werden die zentralen Ergebnisse der Studie vorgestellt:

Hohe Teilnahmequote – große Akzeptanz in der Bevölkerung

Insgesamt 679 Maitenbetherinnen und Maitenbether haben an der BOSPEK-Studie teilgenommen. Dies entspricht einer beeindruckenden Response von 41% der erwachsenen Bevölkerung in Maitenbeth. Rund 52% der Teilnehmenden waren weiblich und 49% waren jünger als 50 Jahre.

Häufiger Spitzmauskontakt angegeben

Mehr als ein Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat angegeben, dass bereits Spitzmäuse im eigenen Wohnumfeld aufgefallen sind. Rund ein Fünftel hatte bereits direkten Kontakt zu Spitzmäusen.

Kein Nachweis von BoDV

Bei keiner der im Rahmen der BOSPEK-Studie untersuchten Blutproben wurden entsprechende BoDV-1-spezifische Antikörper nachgewiesen, was ein Hinweis auf überstandene Infektionen mit BoDV-1 gewesen wäre. Auch alle durchgeführten Nasenabstriche wurden negativ auf dieses Virus getestet. Somit deuten die Ergebnisse der BOSPEK-Studie darauf hin, dass es – trotz hoher Wahrscheinlichkeit von Spitzmauskontakt und Nachweis von BoDV-1 in Maitenbeth – keine oder nur sehr selten andere klinische Verlaufsformen einer BoDV-1-Infektion gibt als die bekannte, durch das Virus hervorgerufene und meist tödlich verlaufende Gehirnentzündung. Insgesamt ist und bleibt die BoDV-1 Enzephalitis eine sehr seltene Erkrankung.
Weitere Informationen zur Studie finden Sie in den FAQs (Frequently Asked Questions, häufig gestellte Fragen).

FAQ

Was war das Ziel der BOSPEK-Studie?

Das Ziel der Studie war, mehr über das seltene Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) zu erfahren, insbesondere in Bezug auf

  • das klinische Spektrum von Infektionen mit BoDV-1 beim Menschen
  • mögliche Übertragungswege von BoDV-1

Wer führte die BOSPEK-Studie durch?

Die BOSPEK-Studie wurde vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und dem Institut für Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum Regensburg durchgeführt. Kooperationspartner in der Studie waren zudem das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) sowie das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Gab es ein Ethikvotum für die BOSPEK-Studie?

Das Forschungsvorhaben (BOSPEK-Studie) wurde von der Ethikkommission der Universität Regensburg geprüft und die Kommission hat das Vorhaben positiv beurteilt (Ethikvotum Nr. 22-2976-101).

Warum wurden ausschließlich Maitenbether Bürgerinnen und Bürger zur BOSPEK-Studie eingeladen?

Maitenbetherinnen und Maitenbether wurden zur Teilnahme eingeladen, weil in Maitenbeth seit Ende 2019 zwei Fälle von Erkrankungen mit dem Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) aufgetreten sind. Dies ist ungewöhnlich, da die Erkrankung sehr selten ist. Bisher sind erst etwas mehr als 40 Fälle beim Menschen nachgewiesen worden, die sich auf den Erkrankungszeitraum 1992 bis 2022 erstrecken. Das Ziel war, mehr über die BoDV-1 und mögliche Besonderheiten in Maitenbeth zu erfahren.

Konnten auch Kinder und Jugendliche an der BOSPEK-Studie teilnehmen?

Nein, an der Studie konnten erst erwachsene Personen ab einem Alter von 18 Jahren teilnehmen, die zudem keine Blutarmut (Anämie) haben.

Warum sollte man an der BOSPEK-Studie teilnehmen?

Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, weitere Erkenntnisse zum klinischen Spektrum von BoDV-1-Erkrankungen beim Menschen sowie zu möglichen Übertragungswegen zu erhalten. Die so gewonnenen Kenntnisse können hoffentlich genutzt werden, um gezieltere Empfehlungen zur Vermeidung einer BoDV-1-Infektion aussprechen zu können.

Wie lief die BOSPEK-Studie ab?

  1. Alle Bürgerinnen und Bürger von Maitenbeth wurden postalisch zur Teilnahme an der BOSPEK-Studie eingeladen.
  2. Am 19. Juli 2022 um 19 Uhr in der Mehrzweckhalle Maitenbeth konnten sich alle interessierten Bürgerinnen und Bürger Maitenbeths über das Thema Bornavirus-Infektionen sowie auch über die BOSPEK-Studie und weitere geplante Studien zum Vorkommen von BoDV-1 in Maitenbeth informieren.
  3. Die BOSPEK-Studie selbst wurde dann vor Ort in der Mehrzweckhalle Maitenbeth durchgeführt. Termine:
    Sonntag, 24. Juli 2022: 14-19 Uhr
    Montag, 25. Juli 2022: 8-19 Uhr
  4. Im Rahmen der Studie wurde eine Blutprobe und ein Nasenrachenabstrich abgenommen. Danach wurde elektronisch der zugehörige Studienfragebogen ausgefüllt. Für die Blutabnahme und den Nasenrachenabstrich stand qualifiziertes medizinischen Personal zur Verfügung, beim Ausfüllen des Fragebogens unterstützte das Studienteam.
  5. Im Anschluss wurden die Blutproben und die Nasenrachenabstriche im Labor untersucht und in Zusammenschau mit den Daten aus dem Fragebogen ausgewertet.
  6. Hinweis: Die Studie lief vollkommen anonymisiert ab. Daher waren zu keinem Zeitpunkt Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich und es wurden auch keine Einzelergebnisse an die Personen weitergegeben, die an der Studie teilnahmen. Dies lag im Wesentlichen darin begründet, dass bei einem positiven Befund ohne Krankheitszeichen keine konkreten Empfehlungen zum Vorgehen oder zum Verhalten hätten ausgesprochen werden können.
  7. Die Maitenbether Bürgerinnen und Bürger wurden am 28.11.2022 über die Erkenntnisse aus der BOSPEK-Studie und weiterer Studien zu BoDV-1 informiert.
  8. Die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse werden im Anschluss (Ende 2022/Anfang 2023) veröffentlicht.

Eine kurze Zusammenfassung der Studienergebnisse ist oben auf dieser Seite BOSPEK-Studie (bayern.de) zu finden.
Weitere Informationen:
Pressemitteilung: Ergebnisse der Bornavirus-Studien im oberbayerischen Maitenbeth

Wer finanzierte die BOSPEK-Studie?

Die BOSPEK-Studie wurde über interne Mittel des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sowie des Universitätsklinikums Regensburg finanziert. Darüber hinaus wurde die Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt.

Erfahre ich mein Untersuchungsergebnis, wenn ich an der BOSPEK-Studie teilgenommen habe?

Nein. Durch die Anonymisierung von Daten und Proben können Befunde, Personen nachträglich nicht mehr zugeordnet werden. Die Ergebnisse konnten Studienteilnehmerinnen und –teilnehmern nicht zugeordnet und daher auch nicht mitgeteilt werden. Dies war eine Vorgabe der Ethikkommission. Wie oben angemerkt, liegt dies darin begründet, dass bei einem positiven Befund ohne Krankheitszeichen keine konkreten Empfehlungen zum Vorgehen oder zum Verhalten hätten ausgesprochen werden können.

Was passiert mit meinen Daten?

In einem ersten Schritt wurden Name und Geburtsdatum der Teilnehmenden auf der Einwilligungserklärung vermerkt und separat in Papierform aufbewahrt. In einem zweiten Schritt wurden alle Daten für diese Studie (labordiagnostische Ergebnisse von Nasenrachenabstrich und Blutprobe sowie Angaben aus dem Fragebogen) anonymisiert erhoben, verarbeitet und in einer passwortgeschützten, elektronischen Datenbank gespeichert. Daher ist eine nachträgliche Zuordnung zu einer einzelnen Person nicht möglich. Wenn eine Person die Teilnahme an dieser Studie vorzeitig beenden möchte, ist aus diesem Grund eine nachträgliche Löschung der bereits erfassten anonymisierten Daten nicht möglich. Die erhobenen Daten werden von dem Studienteam für die Dauer von bis zu 5 Jahren nach Beendigung oder Abbruch der Studie gespeichert. Danach werden die Daten gelöscht.

Konnte die Teilnahme an der Studie vorzeitig beendet werden?

Teilnehmende konnten ihre Einwilligung zur Studienteilnahme jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen. Zu beachten ist, dass aufgrund der Anonymisierung in dieser Studie eine nachträgliche Löschung der anonymisierten Daten (z. B. im Fragebogen) oder eine Vernichtung der Biomaterialien (Nasenrachenabstrich, Blutprobe) nicht möglich gewesen wäre.

Gab es Einschränkungen bzw. Risiken bei einer Teilnahme?

Da Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer neben Nasenabstrichmaterial auch Blut aus einer Armvene abgegeben haben, hätten grundsätzlich die mit einer medizinischen Blutabgabe verbundenen Einschränkungen auftreten können. So kann eine Verletzung eines Nervs nicht gänzlich ausgeschlossen werden, ebenso kann es zu einer Schwellung im Bereich der Einstichstelle aufgrund einer geplatzten Vene (Bluterguss) kommen. Ferner können während und nach der Blutabnahme Schmerzen auftreten. Sollte es zu einer Infektion kommen, so muss diese u. U. im Krankenhaus antibiotisch behandelt werden.

Nasenrachenabstriche können zu Reizungen (z. B. Auslösen eines Hustenreizes), kleineren Blutungen und Schmerzen führen. Falls die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer unter (häufigem) Nasenbluten leiden, kann dies durch diese Untersuchung ausgelöst werden.

Die Blutentnahme wurde jedoch von Ärztinnen und Ärzten begleitet, sodass für den Fall der Fälle für eine hohe Sicherheit bei den Teilnehmenden gesorgt wurde.

Welche Daten wurden erhoben?

Nasenrachenabstrich:

  • Direkte Untersuchung auf BoDV-1 mittels PCR (positiv/negativ)
  • Indirekte Untersuchung auf BoDV-1-reaktive Antikörper (positiv/negativ)

Blutprobe:

  • Untersuchung auf Antworten des Immunsystems gegen BoDV-1 (Antikörper, ggf. T-Zellen) (positiv/negativ)

Fragebogen:

  • Demographische Angaben (Altersgruppe, Geschlecht)
  • Angaben zum Wohnumfeld
  • Angaben zum Kontakt zu Spitzmäusen und anderen Tieren
  • Angaben zum Aufenthalt in der Natur
  • Ggf. Angaben zu Krankheitssymptomen
  • Ggf. Angaben zu bestehenden Vorerkrankungen

Wo findet man die Ergebnisse der BOSPEK-Studie?

Die Resultate der BOSPEK-Studie wurden in den letzten Monaten mit den Ergebnissen der Untersuchungen von Feldspitzmäusen sowie den Umweltuntersuchungen zusammen ausgewertet, die Gesamtschau wird am 28.11.2022 bei einer weiteren Informationsveranstaltung für Maitenbether Bürgerinnen und Bürger vorgestellt. Die Ergebnisse sind oben auf der Seite BOSPEK-Studie (bayern.de) zusammengefasst.
Weitere Informationen:
Pressemitteilung: Ergebnisse der Bornavirus-Studien im oberbayerischen Maitenbeth

Wo finden sich weitere Informationen und wie kann das BOSPEK-Studienteam kontaktiert werden?

Falls es Fragen oder Anregungen zur Studie gibt, können sich Interessierte per E-Mail an bospek@lgl.bayern.de wenden und mit dem Studienteam Kontakt aufnehmen.

Weitere Informationen zum Thema BoDV-1 finden Sie hier:
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL):

Bornavirus-Focal Point Bayern, Universitätsklinikum Regensburg:

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI):

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM):

Robert Koch-Institut