Erkrankung durch das Borna-Virus

Erreger

Beim Borna Disease Virus 1 (BoDV-1, „klassisches Borna“, „Pferdeborna“) handelt es sich um den Erreger der Borna’schen Krankheit, die seit mehr als hundert Jahren als Tierseuche bekannt ist. Im Jahr 2018 wurde BoDV-1 erstmalig als Ursache schwerer Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beim Menschen identifiziert. BoDV-1 ist klar abzugrenzen vom sogenannten Bunthörnchen-Bornavirus (Variegated squirrel bornavirus, VSBV-1) welches ebenfalls auf den Menschen übertragbar ist und schwere Enzephalitiden verursachen kann.

Reservoir

Das einzige zurzeit bekannte natürliche Reservoir für BoDV-1 ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon). Sie kann das Virus über Speichel, Urin und Kot ausscheiden.

Übertragung auf den Menschen

Die Übertragung des Virus von der Feldspitzmaus auf den Menschen ist bisher nicht geklärt. Es sind verschiedene Übertragungswege denkbar. Mögliche Infektionswege könnten die Aufnahme des Virus über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser, das Einatmen des Virus über kontaminierten Staub oder auch der direkte Kontakt bzw. Biss einer Spitzmaus sein. Weiterhin ist es vorstellbar, dass die Übertragung über einen Intermediärwirt (z.B. Hauskatzen, die Spitzmäuse jagen) erfolgt. Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch ist (außerhalb des medizinischen Kontext als Sonderfall) extrem unwahrscheinlich, ebenso wie die direkte Übertragung von anderen Tieren als Spitzmäusen (z.B. infizierten Pferden oder Schafen) auf den Menschen.

Auftreten beim Menschen

Bisher sind nur wenige Fälle von BoDV-1 Erkrankungen beim Menschen bekannt, die zwischen 1996 und 2019 aufgetreten sind. Aktuell (Stand November 2019) liegt die Anzahl identifizierter humaner Fälle im niedrigen zweistelligen Bereich. Zunächst wurde das Virus bei einem Cluster von BoDV-1 Erkrankungen (n=3) nachgewiesen, die in Zusammenhang mit der Transplantation von Organen desselben aufgrund einer anderen Ursache verstorbenen Spenders standen. Zwei der transplantierten Patienten verstarben im weiteren Verlauf, eine Person überlebte mit schweren Folgeschäden. Weitere Fälle unabhängig von diesem Cluster und auch untereinander ohne Verbindung wurden nachfolgend in Bayern entdeckt.

Symptomatik

Ein Großteil der bekannten an BoDV-1 erkrankten Personen litt zu Beginn an Kopfschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Im Anschluss (i.d.R. binnen weniger Tage) kam es zu neurologischen Symptomen, wie Verhaltensauffälligkeiten, Sprach- und Gangstörungen. Im weiteren Verlauf entwickelten die Patienten eine schwere Enzephalitis und fielen binnen Tagen bis Wochen ins Koma. Bis auf eine einzelne Ausnahme (Transplantationscluster s.o.) verstarben alle bekannten Fälle an der BoDV-1 Infektion.

Prävention

Vom Robert Koch-Institut wurde in Kooperation mit dem Bernhard-Nocht-Institut und dem Friedrich-Loeffler-Institut ein Merkblatt mit „Informationen zur Vermeidung von Infektionen mit dem Borna Disease Virus 1“ herausgegeben. (siehe "Links" in der rechten Spalte)

Meldepflicht

Seit dem 1. März 2020 gibt es eine Meldeplicht für Bornavirus-Infektionen. Demnach ist der direkte Virusnachweis von Bornaviren beim Menschen gemäß §7 IfSG für Labore an das Gesundheitsamt meldepflichtig.

Labordiagnostik

Informationen zur Diagnostik von BoDV-1 finden sich auf den Seiten des Robert Koch-Instituts (siehe "Links" in der rechten Spalte)