Geflügelpest in Bayern: Aktuelles und Bekämpfung

Aktuelle Seuchenlage in Bayern

In Bayern sind in diesem Herbst bereits drei Fälle von Geflügelpest bei Wildvögeln amtlich bestätigt worden. Betroffen sind die Landkreise Cham und Nürnberger Land. In bestimmten Gebieten Bayerns werden deshalb verstärkte Biosicherheitsmaßnahmen in Haus- und Nutzgeflügelbetrieben gelten. Die Geflügelbetriebe sind aufgerufen, die vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten, um die bayerischen Geflügelbetriebe bestmöglich zu schützen. Zudem sollten Wildvögel mit Ausnahme der Singvögel nicht gefüttert werden. Die Anordnung der Maßnahmen und der Erlass der Allgemeinverfügungen liegen in der Zuständigkeit der örtlich zuständigen Kreisverwaltungsbehörden:

Entwicklung des Geflügelpestgeschehens in Deutschland und Europa

Die Geflügelpest breitet sich seit dem 15. Oktober 2021 bundesweit aus. Nachdem Mitteleuropa in 2020/2021 von einem der schwersten Geflügelpestgeschehen überhaupt betroffen war, hatte sich die Lage im Sommer 2021 in Deutschland beruhigt. Im Gegensatz zu früheren Einträgen war das Geschehen in Europa allerdings nicht vollständig zum Erliegen gekommen. Über Zugvögel, die aktuell noch Bayern erreichen, besteht zudem weiterhin eine erhebliche Einschleppungsgefahr.

Bekämpfung der Geflügelpest in Bayern

Bei Ausbruch der Geflügelpest (hochpathogene aviäre Influenza, HPAI) bei Wildvögeln ergreifen die jeweils zuständigen Behörden die erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung und zum Schutz des Nutzgeflügels vor dieser Tierseuche. Zu diesen Maßnahmen zählt u. a. eine risikoorientierte Aufstallungspflicht für Geflügel, um in den betroffenen Gebieten den Kontakt von potentiell infizierten Wildvögeln mit Nutzgeflügel zu verhindern. Bei Ausbruch der Geflügelpest in einem Geflügelbestand schreibt die Geflügelpest-Verordnung vor, dass die gehaltenen Vögel des betroffenen Bestands getötet werden müssen. Darüber hinaus legt die zuständige Behörde um den Seuchenbestand sogenannte Sperrzonen fest, wo besondere Schutzmaßregeln gelten. Entsprechende verpflichtende Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Geflügelpest werden im Rahmen von Allgemeinverfügungen erlassen und sind dann auf den offiziellen Webseiten der jeweiligen Kreisverwaltungsbehörden abrufbar.

Um eine Verbreitung und Einschleppung der Geflügelpest in Geflügelbestände zu verhindern, müssen die einschlägig empfohlenen Biosicherheitsmaßnahmen und Überwachungs- bzw. Abklärungsuntersuchungen überprüft und konsequent eingehalten werden. Als Biosicherheitsmaßnahmen werden alle Vorsorgemaßnahmen verstanden, die gegen eine Einschleppung oder Weiterverbreitung von Seuchenerregern gerichtet sind. Die Biosicherheitsmaßnahmen tragen dazu bei, das Risiko des Eintrags von Aviären Influenzaviren (AIV) in Geflügelhaltungen bzw. dessen Verbreitung zu vermindern. Kontakte zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln gilt es zu verhindern.
Zur Einhaltung von Grundregeln der Biosicherheit sind Geflügelhalter gesetzlich verpflichtet. Außerdem ist die Errichtung einer funktionierenden physischen Barriere zwischen den Habitaten von Wild-Wasservögeln (z. B. Gewässer, Felder auf denen sich Gänse, Enten oder Schwäne sammeln) und den Geflügelhaltungen wesentlich.
Die Aufstallung von Geflügel und weitere Biosicherheitsmaßnahmen minimieren das Risiko eines direkten und indirekten Kontakts mit infizierten Wildvögeln. Der Erreger kann auch indirekt über kontaminiertes Futter, Wasser oder verunreinigte Einstreu und Gegenstände (Schuhwerk, Schubkarren, Fahrzeuge u. ä.) in einen Bestand eingeschleppt werden. Nach Tiertransporten aus betroffenen Regionen müssen Fahrzeuge und Geräte gereinigt und desinfiziert werden.

Eine Ansteckung des Menschen mit den aktuell kursierenden AIV über infizierte Vögel oder deren Ausscheidungen ist in Deutschland bislang nicht bekannt geworden. HPAI-Viren können bei einer hohen Viruslast, wie sie in betroffenen Geflügelhaltungen zu erwarten ist, sporadisch auf den Menschen übertragen werden. Personen, die in Kontakt mit infiziertem Geflügel kommen, sollten daher auf das Auftreten von respiratorischen Symptomen bzw. Bindehautentzündungen achten. Sobald Symptome auftreten, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen Darüber hinaus gelten allgemeine Hygieneregeln: tote Vögel sollten nicht mit bloßen Händen angefasst und die Hände gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden, falls es doch zu einem Kontakt gekommen ist. Auf die einschlägigen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts wird hingewiesen: Empfehlungen des RKI zur Prävention bei Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko durch hochpathogene aviäre Influenza A/H5.
Tot aufgefundene Wildvögel, insbesondere Wasservögel, sollten unbedingt weiterhin den Veterinärbehörden gemeldet werden. Das LGL führt ganzjährig Monitoring-Untersuchungen bei solchen verendet aufgefundenen Wildvögeln durch.
Weitere Informationen und Hinweise zu konkreten Schutzmaßnahmen und zur aktuellen Situation können der aktuellen Risikoeinschätzung zum Auftreten der HPAIV in Deutschland entnommen werden.