Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Geflügelpest: Seuchenlage und Bekämpfung in Bayern

Aktuelle Seuchenlage in Bayern

Nachdem sich die Geflügelpestsituation in Bayern über die Sommermonate hinweg beruhigt hatte, wurde Ende Oktober 2022 wieder ein erster Ausbruch von HPAI (hochpathogene aviäre Influenza/Geflügelpest) in einer kleinen Hobby-Geflügelhaltung im Landkreis Miltenberg bestätigt. Seitdem gab es drei weitere Ausbrüche in Hobby-Geflügelhaltungen. Die zuständigen Behörden haben vor Ort umgehend alle erforderlichen Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet.

Tabelle 01: Nachweise von HPAI bei gehaltenen Vögeln in Bayern (seit 01.06.2022; Stand: 16.11.22)
Datum des Erstnachweises Landkreis Anzahl der Fälle
28.10.22 Miltenberg 3
12.11.22 Landshut 1

Kartendarstellung zu den HPAI-Fällen in Bayern (seit 01.10.2022; Stand: 16.11.22)

Karte von Bayern mit Umrissen der Regierungsbezirke und Der Überwachungs und Schutzzone

Seuchenlage in Deutschland und Europa

Nachdem in Norddeutschland das Geflügelpestgeschehen in diesem Sommer nicht zum Erliegen kam, muss mit Einträgen des HPAI-Virus nach Bayern gerechnet werden. In Norddeutschland wurden zwischen Juni und Oktober 2022 ca. 250 neue Fälle von HPAI bei Wildvögeln festgestellt, überwiegend waren Koloniebrüter in den Küstenregionen (Seeschwalben, Möwen, Kormorane, Basstölpel) mit stark erhöhter Mortalität betroffen. Über die Sommermonate wurden auch mehrere HPAI-Ausbrüche in Geflügelbeständen - v. a. Hühner- und Putenbeständen - in denBundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen gemeldet. Bereits im Vorjahr 2021 verschwand die Geflügelpest in Europa während der Sommermonate im Gegensatz zu früheren Geschehen nicht vollständig und das Geflügelpestvirus zirkulierte durchgängig in der Wildvogelpopulation.

Derzeit werden vermehrt Fälle von Geflügelpest bei Wildvögeln und bei gehaltenen Vögeln sowie Nutzgeflügelbeständen in ganz Mitteleuropa gemeldet.
In Bayern wird das Risiko der Ausbreitung von HPAIV bei Wildvögeln sowie einer Übertragung auf Geflügel und gehaltene Vögel aufgrund der Seuchenausbrüche bei gehaltenen Vögeln und der dynamischen HPAI-Situation in Deutschland und Europa aktuell als hoch eingestuft.

Tabelle 02: Nachweise von HPAI in Deutschland (seit 01.10.2022; Stand: 16.11.2022)

 

Bundesländer

Anzahl der Fälle/
Ausbrüche

Wildvögel Brandenburg
Bremen
Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Schleswig-Holstein
294
Gehaltene Vögel Bayern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Schleswig-Holstein
     63

Schutzmaßnahmen und Bekämpfung der Geflügelpest in Bayern

Sämtliche Maßnahmen zur Vermeidung eines Eintrages der Geflügelpest und zum Schutz der Geflügelbestände sind daher zwingend erforderlich. Dies gilt besonders für Geflügelhaltungen mit Auslauf und für Freilandhaltungen, bei denen direkte Kontaktmöglichkeiten des Haus- und Nutzgeflügels zu Wildvögeln bestehen. Zu den Biosicherheitsmaßnahmen gehören Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, aber auch eine konsequente Personalhygiene. Im Fall von Geflügelpest ist es außerdem wesentlich, die Kontakte zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln zu verhindern. Daher sollten Geflügelhalter auf eine funktionierende physische Barriere zwischen den Habitaten von Wildwasservögeln (z. B. Gewässer, Felder, auf denen sich Gänse, Enten oder Schwäne sammeln) und der Geflügelhaltung achten.

Geflügelpestviren können auch indirekt über kontaminiertes Futter, Wasser oder verunreinigte Einstreu und Gegenstände (Schuhwerk, Schubkarren, Fahrzeuge u. ä.) in einen Bestand eingeschleppt werden. Fahrzeuge und Geräte, mit denen Geflügel transportiert wird, sind nach jedem Einsatz zu reinigen und zu desinfizieren (Maßnahmen zur Biosicherheit siehe auch: Merkblatt für Geflügelhalter). Darüber hinaus sind Tierhalter grundsätzlich aufgefordert, auf mögliche Erkrankungen beim Geflügel zu achten und bei Auffälligkeiten in jedem Fall einen Tierarzt hinzuzuziehen. Bei Vorliegen erhöhter Tierverluste oder deutlicher Leistungseinbußen im Bestand sind gemäß Geflügelpestschutzverordnung Untersuchungen zum Ausschluss der Geflügelpest einzuleiten und im Falle eines Seuchenverdachts ist die zuständige Behörde zu informieren.

Aufgrund des anhaltend dynamischen Geflügelpest-Geschehens in Norddeutschland und weiteren Teilen Europas ist insbesondere auch Vorsicht beim Handel mit Lebendgeflügel aus Norddeutschland, im Reisegewerbe und beim innergemeinschaftlichem Verbringen angezeigt.

Da der Handel mit Lebendgeflügel ein nicht unerhebliches Risiko der Verschleppung von HPAIV birgt, dürfen aktuell Geflügel bzw. in Gefangenschaft gehaltene Vögel in Bayern im sogenannten Reisegewerbe nur abgegeben werden, soweit die Tiere längstens vier Tage vor der Abgabe mit einem negativem Ergebnis auf Aviäre Influenza untersucht worden sind. Die jeweiligen Kreisverwaltungsbehörden haben hierzu Allgemeinverfügungen erlassen.

Bei einem Ausbruch der Geflügelpest bei Wildvögeln ergreifen die jeweils zuständigen Behörden die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz des Nutzgeflügels vor dieser anzeigepflichtigen Tierseuche. Zu diesen Maßnahmen zählt neben verstärkten Anforderungen an die Betriebshygiene und Biosicherheit, der Beschränkung von Geflügelmärkten usw. ggf. auch eine risikoorientierte Aufstallungspflicht für Geflügel, um in den betroffenen Gebieten den Kontakt von Nutzgeflügel mit potentiell infizierten Wildvögeln zu verhindern. Bei einem Ausbruch der Geflügelpest in einem Geflügelbestand schreibt die Geflügelpest-Verordnung in Verbindung mit dem EU-Recht vor, dass betroffene gehaltenen Vögel bzw. Bestände getötet werden müssen. Darüber hinaus legt die zuständige Behörde um den Seuchenbestand sogenannte Sperrzonen fest, in denen besondere Schutzmaßregeln (u. a. Einschränkungen des Tierverkehrs) gelten. Entsprechende verpflichtende Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Geflügelpest werden im Rahmen von Allgemeinverfügungen erlassen und sind dann auf den offiziellen Webseiten der jeweiligen Kreisverwaltungsbehörden abrufbar. Um Fälle von Geflügelpest in der Wildvogelpopulation rasch zu erkennen, wird in Bayern das Wildvogelmonitoring kontinuierlich durchgeführt.

Grundsätzlich gelten HPAI-Viren als potentiell zoonotische Erreger, d. h. je nach Virusstamm können dies ggf. auch Erkrankungen beim Menschen verursachen. Für eine mögliche Übertragung ist der intensive direkte Kontakt mit infiziertem Geflügel bzw. dessen virushaltigen Ausscheidungen erforderlich. Eine Ansteckung des Menschen mit den zuletzt überwiegend kursierenden Geflügelpestviren vom Subtyp H5N1 ist in Deutschland bislang nicht bekannt. Laut dem Europäischen Zentrum für Seuchenkontrolle ist dieses Virus schlecht an den Menschen angepasst und die Übertragung von Vögeln auf den Menschen daher selten.

Allgemein gilt, dass Personen, die in Kontakt mit infiziertem Geflügel kommen, auf das Auftreten von respiratorischen Symptomen bzw. Bindehautentzündungen achten sollten. Sobald Symptome auftreten, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Darüber hinaus gelten allgemeine Hygieneregeln: generell sollten tote Vögel nicht mit bloßen Händen angefasst und die Hände gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden, falls es doch zu einem Kontakt gekommen ist. Auf die einschlägigen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts wird hingewiesen: Empfehlungen des RKI zur Prävention bei Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko durch hochpathogene aviäre Influenza A/H5.
Tot aufgefundene Wildvögel, insbesondere Wasservögel, sollten unbedingt weiterhin den Veterinärbehörden gemeldet werden. Das LGL führt ganzjährig Monitoring-Untersuchungen bei solchen verendet aufgefundenen Wildvögeln durch.