Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Geflügelpest in Bayern: Aktuelles und Bekämpfung

Aktuelle Seuchenlage in Bayern

In Bayern sind seit dem Herbst 2021 bereits mehrere Fälle von Geflügelpest bei Wildvögeln sowie einzelne Fällel von Geflügelpest bei gehaltenen Vögeln amtlich bestätigt worden.

Nachweise von HPAI bei Wildvögeln in Bayern

(seit 21.10.2021; Stand: 29.04.2022)

Datum des Erstnachweises Landkreis Anzahl der Fälle
21.10.21 Cham 2
02.11.21 Nürnberger Land 2
23.12.21 Weilheim- Schongau 1
23.12.21 Rhön - Grabfeld 1
30.12.21 Neuburg - Schrobenhausen 3
30.12.21 Ansbach 1
06.01.22 Weißenburg - Gunzenhausen 1
01.02.22 Hof 1
01.02.22 Regensburg 1
03.02.22 Landsberg am Lech 6
08.02.22 Passau 1
24.02.22 Günzburg 2
24.02.22 Oberallgäu 2
04.03.22 Freising 3
09.03.22 Schwandorf 1
25.03.22 Lichtenfels 1
25.03.22 Freyung - Grafenau 1
25.03.22 Freising 1
31.03.22 München Stadt 1
08.04.22 München 1

 

Nachweise von HPAI bei gehaltenen Vögeln in Bayern

(seit 21.10.2021; Stand: 22.04.2022)

Datum des Erstnachweises Landkreis Anzahl der Fälle
01.12.21 Erding 1
21.12.21 Weilheim-Schongau 1
06.01.22 Rhön - Grabfeld 1
18.01.22 Augsburg 1
09.03.22 Bad Kissingen 1
16.03.22 Main-Spessart Kreis 1
17.03.22 Landshut Stadt 1

Die diagnostizierten Fälle zeigen eindeutig, dass das aktuelle Geflügelpestgeschehen Bayern erreicht hat. Unter Einbezug der Risikoeinschätzung des FLI und der aktuellen, sehr dynamischen Entwicklung der Lage in Deutschland und Europa, wird auch für Bayern das Risiko der HPAIV-Verbreitung in der Wildvogelpopulation und des Eintrages in kleine wie große Geflügelbestände als hoch eingeschätzt (weitere Informationen zur Situation in Deutschland: FLI - Aviäre Influenza).

Bayernweit wurden daher verstärkte Biosicherheitsmaßnahmen gegen die Geflügelpest zum Schutz von Haus- und Nutzgeflügel angeordnet.
Die Anordnung der Maßnahmen wird von den jeweils zuständigen Kreisverwaltungsbehörden vor Ort durch eine Allgemeinverfügung bekannt gegeben. Darin werden neben verstärkten Biosicherheitsmaßnahmen weitere Vorbeugungen wie beispielsweise ein Verbot von Ausstellungen und Märkten, ein Fütterungsverbot von Wildvögeln sowie eine Untersuchungspflicht bei Händlern, die Tiere im Rahmen des mobilen Handels abgeben, geregelt. Durch die konsequente Einhaltung der verstärkten Biosicherheitsmaßnahmen soll der Kontakt zwischen Wildvögeln und Haus- und Nutzgeflügel vermieden und so eine Einschleppung in die Geflügelhaltungen verhindert werden. Insbesondere in der Nähe von Gewässern jeglicher Art und Größe sollten Geflügelhaltungen vorsorglich auch mittels eines engmaschigen Netzes soweit möglich überspannt werden.

Kartendarstellung zu den HPAI-Fällen in Bayern
(seit 26.10.2021; Stand: 29.04.2022)

 

Entwicklung des Geflügelpestgeschehens in Deutschland und Europa

Die Geflügelpest breitet sich seit dem 15. Oktober 2021 bundesweit aus. Nachdem Mitteleuropa in 2020/2021 von einem der schwersten Geflügelpestgeschehen überhaupt betroffen war, hatte sich die Lage im Sommer 2021 in Deutschland beruhigt. Im Gegensatz zu früheren Einträgen war das Geschehen in Europa allerdings nicht vollständig zum Erliegen gekommen. Mit dem herbstlichen Wasservogelzug hat der Wildvogelbesatz in den Rastgebieten noch zugenommen. Zudem begünstigen kühlere Temperaturen und schwächere UV-Strahlung ein Überdauern von HPAI-Viren in der Umwelt. Eine einsetzende Kälteperiode würde nach den bisherigen Erfahrungen die Verbreitung von HPAIV in der Wildvogelpopulation zusätzlich stark beschleunigen. Deutschlandweit sind in dieser Saison bereits mehrere hundert Fälle amtlich festgestellt worden.

Nachweise von HPAI in Deutschland

(seit 14.10.2021; Stand: 29.04.2022)

  Bundesländer Anzahl der Fälle/
Ausbrüche
Wildvögel

Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

1235

Gehaltene Vögel

Baden-Württemberg
Bayern
Brandenburg
Bremen
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

81

 

Bekämpfung der Geflügelpest in Bayern

Bei Ausbruch der Geflügelpest (hochpathogene aviäre Influenza, HPAI) bei Wildvögeln ergreifen die jeweils zuständigen Behörden die erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung und zum Schutz des Nutzgeflügels vor dieser Tierseuche. Zu diesen Maßnahmen zählt u. a. eine risikoorientierte Aufstallungspflicht für Geflügel, um in den betroffenen Gebieten den Kontakt von potentiell infizierten Wildvögeln mit Nutzgeflügel zu verhindern. Bei Ausbruch der Geflügelpest in einem Geflügelbestand schreibt die Geflügelpest-Verordnung vor, dass die gehaltenen Vögel des betroffenen Bestands getötet werden müssen. Darüber hinaus legt die zuständige Behörde um den Seuchenbestand sogenannte Sperrzonen fest, wo besondere Schutzmaßregeln gelten. Entsprechende verpflichtende Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Geflügelpest werden im Rahmen von Allgemeinverfügungen erlassen und sind dann auf den offiziellen Webseiten der jeweiligen Kreisverwaltungsbehörden abrufbar. Um eine weitere Ausbreitung der Geflügelpest in der Wildvogelpopulation rasch zu erkennen, wird in Bayern das Wildvogelmonitoring konsequent weitergeführt.

Um eine Verbreitung und Einschleppung der Geflügelpest in Geflügelbestände zu verhindern, müssen die einschlägig empfohlenen Biosicherheitsmaßnahmen und Überwachungs- bzw. Abklärungsuntersuchungen überprüft und konsequent eingehalten werden. Als Biosicherheitsmaßnahmen werden alle Vorsorgemaßnahmen verstanden, die gegen eine Einschleppung oder Weiterverbreitung von Seuchenerregern gerichtet sind. Die Biosicherheitsmaßnahmen tragen dazu bei, das Risiko des Eintrags von Aviären Influenzaviren (AIV) in Geflügelhaltungen bzw. dessen Verbreitung zu vermindern. Kontakte zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln gilt es zu verhindern.
Zur Einhaltung von Grundregeln der Biosicherheit sind Geflügelhalter gesetzlich verpflichtet. Außerdem ist die Errichtung einer funktionierenden physischen Barriere zwischen den Habitaten von Wild-Wasservögeln (z. B. Gewässer, Felder auf denen sich Gänse, Enten oder Schwäne sammeln) und den Geflügelhaltungen wesentlich.
Die Aufstallung von Geflügel und weitere Biosicherheitsmaßnahmen minimieren das Risiko eines direkten und indirekten Kontakts mit infizierten Wildvögeln. Der Erreger kann auch indirekt über kontaminiertes Futter, Wasser oder verunreinigte Einstreu und Gegenstände (Schuhwerk, Schubkarren, Fahrzeuge u. ä.) in einen Bestand eingeschleppt werden. Nach Tiertransporten aus betroffenen Regionen müssen Fahrzeuge und Geräte gereinigt und desinfiziert werden.

Eine Ansteckung des Menschen mit den aktuell kursierenden AIV über infizierte Vögel oder deren Ausscheidungen ist in Deutschland bislang nicht bekannt geworden. HPAI-Viren können bei einer hohen Viruslast, wie sie in betroffenen Geflügelhaltungen zu erwarten ist, sporadisch auf den Menschen übertragen werden. Personen, die in Kontakt mit infiziertem Geflügel kommen, sollten daher auf das Auftreten von respiratorischen Symptomen bzw. Bindehautentzündungen achten. Sobald Symptome auftreten, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen Darüber hinaus gelten allgemeine Hygieneregeln: tote Vögel sollten nicht mit bloßen Händen angefasst und die Hände gründlich mit Wasser und Seife gewaschen werden, falls es doch zu einem Kontakt gekommen ist. Auf die einschlägigen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts wird hingewiesen: Empfehlungen des RKI zur Prävention bei Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko durch hochpathogene aviäre Influenza A/H5.
Tot aufgefundene Wildvögel, insbesondere Wasservögel, sollten unbedingt weiterhin den Veterinärbehörden gemeldet werden. Das LGL führt ganzjährig Monitoring-Untersuchungen bei solchen verendet aufgefundenen Wildvögeln durch.