Eierlikör und andere Emulsionsliköre aus kleingewerblicher Herstellung

Wie ist Eierlikör gesetzlich definiert?

"Eierlikör" ist per EG-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 110/2008) als eine Spirituose definiert, die aus Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs (="Neutralalkohol"), einem Destillat und/oder einem Brand gewonnen wird. Sie enthält als Bestandteile hochwertiges Eigelb und Eiweiß sowie Zucker oder Honig. Der Mindestgehalt an Zucker oder Honig, ausgedrückt als Invertzucker, beträgt 150 g je Liter, derjenige an reinem Eigelb 140 g je Liter des fertigen Likörs. Das Erzeugnis muss mindestens 14 % vol Alkohol aufweisen. Zur Herstellung dürfen Aromastoffe und Aromaextrakte verwendet werden. Nach Anhang I Nr. 39 Buchstabe d der Verordnung (EU) 2019/787 dürfen bei der Herstellung von Eierlikör Milcherzeugnisse verwendet werden. Diese Regelung gilt seit dem 8. Juni 2019.

Welche Erzeugnisse werden vermarktet?

Eierlikör und andere Emulsionsliköre, beispielsweise Sahneliköre mit verschiedenen geschmackgebenden Komponenten, sind Produkte, die häufig von Selbstvermarktern in handwerklicher Fertigung erzeugt und dem Verbraucher in Hofläden oder auf Märkten angeboten werden. Zur Herstellung dieser Erzeugnisse werden oft selbst erzeugte Lebensmittel (z. B. Eier) verwendet, wobei der gesetzlich festgelegte Mindestgehalt an Eigelb in der Regel erreicht bzw. deutlich überschritten wird.

Ratschläge für den Selbstvermarkter

Um Beanstandungen zu vermeiden, sollte der Hersteller von Eier- bzw. Emulsionslikören auf folgende Punkte achten:

  • Zutaten möglichst mit digitaler Waage bzw. mit Hilfe eines entsprechend graduierten Messbehältnisses genauestens abwiegen bzw. abmessen
  • zur Feststellung des Alkoholgehaltes der alkoholischen Komponente, die zur Herstellung des Likörs verwendet werden soll, ein geeichtes Euro-Alkoholometer (Aräometer, Alkoholspindel) der Genauigkeitsklasse III mit integriertem Thermometer verwenden
  • Alkoholgehalt des Enderzeugnisses mit geeigneter Destillationsvorrichtung selbst bestimmen (Aräometrie bzw. Spindelung des Destillates) oder
  • Alkoholgehalt einer hergestellten Charge im Handelslabor bestimmen lassen und mit dem anhand der Rezeptur errechneten Alkoholgehalt abgleichen
  • Milch/Sahne und Ei kenntlich machen, wenn der Verbraucher ihr Vorhandensein nicht aus der Verkehrsbezeichnung bzw. einem angegebenen Zutatenverzeichnis erkennen kann, denn es handelt sich hierbei um Zutaten, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen; die Kenntlichmachung erfolgt in der Form „enthält Milch“, „enthält Sahne“ bzw. „enthält Ei“
  • bei der freiwilligen Angabe eines Zutatenverzeichnisses (bei Spirituosen derzeit gesetzlich nicht erforderlich) muss dieses aus einer Aufzählung der Zutaten in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils zum Zeitpunkt ihrer Verwendung bei der Herstellung des Likörs bestehen. Dem Zutatenverzeichnis ist eine Überschrift oder eine geeignete Bezeichnung voranzustellen, in der das Wort „Zutaten“ erscheint. Stoffe, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen - wie Milcherzeugnisse oder Eier – sind im Zutatenverzeichnis nach Art. 21 Abs. 1 Buchstabe b der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 durch einen Schriftsatz hervorzuheben, durch den sie sich von dem Rest des Zutatenverzeichnisses eindeutig abheben, z. B. durch die Schriftart, den Schriftstil oder die Hintergrundfarbe.

Etikettenbeispiele

Korrektes Etikett:

stilisiertes Eierlikör-Etikett mit korrekter Kennzeichnung

Zu beanstandendes Etikett:

stilisiertes Eierlikör-Etikett mit zu beanstandender Kennzeichnung

Stand: Mai 2020

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