Zusammensetzung und Kennzeichnung von Obstbrand und Geist (mit der Bezeichnung der verwendeten Frucht oder des verwendeten Ausgangsstoffs), Tresterbrand, Getreidebrand/Korn sowie von Likören

Definitionen der einzelnen Produkte nach dem seit 2008 geltenden EG-Recht

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1. "Obstbrand"

Definition in Anhang II Nr. 9 der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 (auszugsweise)

  • "Obstbrand" wird ausschließlich durch alkoholische Gärung und Destillation einer frischen fleischigen Frucht oder des frischen Mostes dieser Frucht gewonnen
  • auch Gemüse oder Beeren sind als Rohstoffe zugelassen
  • das Destillat muss das Aroma und den Geschmack der destillierten Ausgangsstoffe aufweisen
  • der Blausäuregehalt darf 7 g/hl r. A. (reiner Alkohol) (entsprechend 28 mg/L eines 40 %igen Produktes) nicht übersteigen
  • der Höchstgehalt an Methanol – je nach Fruchtart – 1350 g/hl r. A. (z. B. Williams-Birnen, Quitten, Rote und Schwarze Johannisbeeren), 1200 g/hl r. A. (z. B. Zwetschgen, Mirabellen, Pflaumen, Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pfirsiche) bzw. 1000 g/hl r. A. (andere Fruchtarten, z. B. Kirsche, Traube)
  • der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5 % vol
  • "Obstbrand" darf nicht mit Neutralalkohol verschnitten, aromatisiert oder gefärbt werden
  • die Verkehrsbezeichnung lautet "-brand" bzw. "-wasser", unter Voranstellung der Bezeichnung der verwendeten Obst- (bzw. Gemüse- oder Beeren)art
  • nur bei folgenden Früchten kann der Fruchtname allein (ohne die Silbe "-brand" bzw. "-wasser") als Verkehrsbezeichnung verwendet werden: Mirabellen, Pflaumen, Zwetschgen, Äpfel der Sorte "Golden Delicious", Kirschen (Verkehrsbezeichnung "Kirsch“), Williams-Birnen
  • werden die Maischen mehrerer Fruchtarten zusammen destilliert, wird das Erzeugnis als "Obstbrand" bezeichnet; die einzelnen Obstarten können in absteigender Reihenfolge der verwendeten Mengen angegeben werden; die Bezeichnung "Obstler“ kann nur zusätzlich zur Bezeichnung "Obstbrand“ verwendet werden
  • die Zuckerungshöchstmenge zur Abrundung beträgt für deutsche Produkte 10 g/L, berechnet als Invertzucker
  • Erzeugnisse mit einer geografischen Angabe dürfen nicht gezuckert werden

2. "Geist" (mit der Bezeichnung der verwendeten Frucht oder des verwendeten Ausgangsstoffs)

Definition in Anhang II Nr. 17 der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 (auszugsweise)

  • "Geist" (mit der Bezeichnung der verwendeten Frucht oder des verwendeten Ausgangsstoffs) wird durch Mazeration bestimmter unvergorener Früchte und Beeren oder von Gemüse, Nüssen oder anderen pflanzlichen Stoffen wie Kräutern oder Rosenblättern in Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs (= "Neutralalkohol") und anschließende Destillation gewonnen
  • der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5 % vol
  • "Geist" darf nicht aromatisiert werden
  • es dürfen ausschließlich die folgenden Frucht- bzw. Beerenarten zur Herstellung verwendet werden: Brombeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Weiße, Rote und Schwarze Johannisbeeren, Schlehen, Vogelbeeren, Eberesche, Stechpalme, Elsbeeren, Holunder, Stachelbeeren, Moosbeeren, Preiselbeeren, Amerikanische Heidelbeeren, Sanddorn, Hagebutten, Moltebeeren, Schwarze Krähenbeeren, Allackerbeeren, Myrte, Bananen, Passionsfrüchte, Cythera-Pflaumen, Mombinpflaumen, Walnuss, Haselnuss, Kastanie, Zitrusfrüchte, Kaktusfeige; nicht zulässig zur Herstellung von "Geist“ sind z. B.: Aprikosen, Pfirsiche, Quitten, Mirabellen, Kirschen
  • "Geist" darf maximal 10 g/L Zucker zur Abrundung enthalten (berechnet als Invertzucker); Erzeugnisse mit einer geografischen Angabe dürfen nicht gezuckert werden

3. "Tresterbrand" oder "Trester"

Definition in Anhang II Nr. 6 der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 (auszugsweise)

  • "Tresterbrand" oder "Trester" wird ausschließlich aus vergorenem und destilliertem Traubentrester gewonnen
  • ein Zusatz von maximal 25 kg Trub zu 100 kg Trester ist zulässig
  • der aus dem Trub stammende Alkohol darf 35 % der Gesamtmenge des Fertigerzeugnisses nicht übersteigen
  • der Höchstgehalt an Methanol beträgt 1000 g/hl r. A.
  • der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5 % vol
  • "Tresterbrand" darf nicht mit Neutralalkohol verschnitten werden
  • "Tresterbrand" darf nicht aromatisiert werden; ausgenommen sind traditionelle Herstellungsverfahren
  • nur "Tresterbrand", der im Holzfass gelagert war, darf mit Zuckerkulör zur Anpassung der Farbe gefärbt werden
  • die Zuckerungshöchstmenge zur Abrundung beträgt für deutsche Produkte 10 g/L, berechnet als Invertzucker
  • Erzeugnisse mit einer geografischen Angabe dürfen nicht gezuckert werden

4. "Getreidespirituose" und "Korn" bzw. "Kornbrand"

Definition in Anhang II Nr. 3 bzw. in Anhang III der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 (auszugsweise)

  • Getreidespirituose und "Korn" bzw. "Kornbrand" werden ausschließlich durch Destillation einer vergorenen Maische aus dem vollen Korn von Getreide gewonnen und weisen die sensorischen Eigenschaften der Ausgangsstoffe auf
  • "Korn" und "Kornbrand" darf nur aus den Getreidearten Roggen, Weizen (einschließlich der alten Sorten Dinkel, Einkorn und Emmer), Gerste, Hafer und Buchweizen gewonnen werden
  • der Mindestalkoholgehalt beträgt für "Korn" 32 % vol, für "Kornbrand" 37,5 % vol, für "Doppelkorn" 38 % vol, für "Getreidespirituose" bzw. "Getreidebrand" 35 % vol
  • Getreidespirituose und "Korn" bzw. "Kornbrand" darf nicht mit Neutralalkohol verschnitten und nicht aromatisiert werden
  • nur eine "Getreidespirituose", die im Holzfass gelagert war, darf mit Zuckerkulör zur Anpassung der Farbe gefärbt werden
  • "Korn" und "Kornbrand" darf kein Zuckerkulör zur Anpassung der Farbe zugesetzt werden, auch dann nicht, wenn die Produkte im Holzfass gelagert waren
  • "Korn" und "Kornbrand" darf nicht gesüßt werden; ein Zusatz von karamellisiertem Zucker von maximal 0,05 g/Liter Fertigware zur Farbstandardisierung von Erzeugnissen, die mindestens 24 Monate im Kontakt mit Holz gereift sind, ist nach den einschlägigen Vorschriften der Produktspezifikation unter Kenntlichmachung zulässig.

5. "Likör"

Definition in Anhang II Nr. 32 der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 (auszugsweise)

  • "Likör" ist eine Spirituose mit einem Mindestzuckergehalt (berechnet als Invertzucker) von 100 g/L;
  • Ausnahmen:
    Kirschlikör, dessen Alkohol ausschließlich aus Kirschbrand stammt, muss einen Mindestzuckergehalt von 70 g/L aufweisen
    Enzianlikör oder ähnliche Liköre, die mit Enzian bzw. ähnlichen Pflanzen als einzigem Aromastoff hergestellt werden, müssen einen Mindestzuckergehalt von 80 g/L aufweisen
  • "Likör" wird durch Aromatisieren von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs (= Neutralalkohol) oder einem Destillat landwirtschaftlichen Ursprungs oder einer oder mehrerer Spirituosen (z. B. Korn) oder einer Mischung davon unter Zusatz von süßenden Erzeugnissen und einem oder mehreren Aromastoff(en) und Erzeugnissen landwirtschaftlichen Ursprungs oder Lebensmitteln hergestellt
  • der Mindestalkoholgehalt von " Likör" beträgt 15 % vol
  • wird die Bezeichnung "Fruchtsaftlikör" bzw. ähnliche Angaben verwendet, die auf einen besonders hohen Fruchtgehalt des Erzeugnisses schließen lassen, enthält der "Likör" nach Verbrauchererwartung mindestens 20 % Fruchtsaft
  • zur Färbung von" Likören" sind nach Anhang I Nr. 10 der Verordnung (EG) Nr. 110/2008 die Farbstoffe nach Anhang II Nr. 14.2.6 der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 bzw. nach Anlage 1 Teil B zu § 3 Abs. 1 ZZulV zur Färbung zugelassen. Ihr Zusatz muss nach § 9 Abs. 1 Satz 1 ZZulV mit den Worten mit Farbstoff" kenntlich gemacht werden. Alternativ können zugesetzte Farbstoffe in einem freiwilligen Zutatenverzeichnis mit dem Klassennamen "Farbstoff“ und der speziellen Bezeichnung des Farbstoffes oder seiner E-Nummer angegeben werden
  • "Liköre" aus folgenden Früchten und Pflanzen dürfen ausschließlich natürliche Aromastoffe und Aromaextrakte enthalten:
    • Schwarze Johannisbeere
    • Kirschen
    • Himbeeren
    • Maulbeeren
    • Heidelbeeren
    • Zitrusfrüchte
    • Moltebeeren
    • Amerikanische Taubeeren
    • Gewöhnliche Moosbeeren
    • Preiselbeeren
    • Sanddorn
    • Ananas
    • Minze
    • Enzian
    • Anis
    • Gletscher-Edelraute
    • Wundklee
    • Bei "Likören", die als "-brandy" bezeichnet sind (z. B. Kirsch-brandy, Apricot-brandy), muss der zur Herstellung verwendete Alkohol auf dem Etikett genannt sein, wenn er nicht von der angegebenen Spirituose – hier: Brandy – stammt, und zwar im selben Sichtfeld wie der zusammengesetzte Begriff "-brandy" und der Begriff "Likör". Die zusammengesetzte Bezeichnung -"brandy" steht auf dem Etikett in einer Zeile in einheitlicher Schrift derselben Schriftart und Farbe, wobei die Bezeichnung "Likör" unmittelbar daneben erscheinen muss und zwar in einer Schrift, die nicht kleiner sein darf als die des zusammengesetzten Begriffs
    • Sonderregelung für Kirsch- und Williamsliköre:
      Aufgrund der Verordnung (EU) Nr. 716/2013, die insbesondere die Verwendung von sog. zusammengesetzten Begriffen und Anspielungen regelt, ergeben sich hinsichtlich der Bezeichnung von Kirsch- und Williams-Likören folgende Sonderregelungen:
      Wird ein Erzeugnis als „Kirsch-Likör“bzw. „Williams-Likör“ bezeichnet, muss als alkoholische Komponente ausschließlich Kirschwasser bzw. Williams-Christ-Birnen-Brand verwendet werden. Darüber hinaus muss das Wort „Likör“ nochmals als Verkehrsbezeichnung angegeben werden; dies kann auch auf dem Rückenetikett erfolgen, muss allerdings im gleichen Sichtfeld mit dem Alkoholgehalt und der Füllmenge angegeben sein. Der Begriff „Kirsch“bzw. „Williams“ darf nicht größer sein als die Verkehrsbezeichnung „Likör“. Für Begriffe wie „Edelkirsch-Likör“, „Sauerkirsch-Likör“, „Wildkirsch-Likör“ oder „Williams-Christ(-Birnen)-Likör“ gilt diese Regelung nicht!
      Der Grund für diese Sonderregelung ist die Tatsache, dass es sich bei „Kirsch“ und „Williams“ um synonyme Bezeichnungen für einen Kirschbrand bzw. einen Brand aus Williamsbirnen handelt und die Angabe „Kirsch-Likör“bzw. „Williams-Likör“ als ein sog. „Zusammengesetzter Begriff“ eingestuft wird, für dessen Verwendung es bestimmte Regelungen gibt. Wird zur Herstellung nicht Kirschwasser bzw. Williams-Birnen-Brand, sondern Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs (= Neutralalkohol) verwendet, müssen die Erzeugnisse als „Kirschen-Likör“ oder „Likör aus Kirschen“ bzw. als „Williams-Christ-Birnen-Likör“ bezeichnet werden. In diesem Fall ist die Wiederholung des Begriffes „Likör“ als Verkehrsbezeichnung nicht erforderlich.

    Kennzeichnungsvorschriften

    Die folgenden Kennzeichnungselemente bei Spirituosen auf der Fertigpackung oder einem mit ihr verbundenen Etikett angegeben sein:

    • rechtlich vorgeschriebene Bezeichnung der Spirituose z. B. "Zwetschgenbrand”, "Himbeergeist”, "Kirschlikör”
    • Name und Firma sowie postalische Anschrift des Lebensmittelunternehmers
    • Alkoholgehalt in "% vol" bis auf höchstens eine Dezimalstelle; die maximale Toleranz zwischen dem deklarierten und dem tatsächlich vorhandenen Alkoholgehalt beträgt ± 0,3 % vol zuzüglich Messunsicherheit
    • Nennfüllmenge, dabei gelten für Spirituosen ausschließlich folgende verbindliche Werte im Bereich zwischen 100 und 2000 ml: 0,1 – 0,2 – 0,35 – 0,5 – 0,7 – 1 – 1,5 – 1,75 und 2 Liter
    • Los-Nummer
    • Kennzeichnung von Zusatzstoffen, z. B. Farbstoffen durch die Angabe "mit Farbstoff“ oder in einem freiwilligen Zutatenverzeichnis unter Berücksichtigung der einschlägigen Vorschriften
    • Kennzeichnung von Stoffen oder Erzeugnissen, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen in der Form "Enthält“ gefolgt von der in Anhang II der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 aufgeführten Bezeichnung des Stoffs oder Erzeugnisses oder in einem freiwilligen Zutatenverzeichnis unter Berücksichtigung der einschlägigen Vorschriften

     

    Bezeichnung, Alkoholgehalt und Füllmenge müssen im selben Sichtfeld stehen.

    Alle Kennzeichnungselemente müssen an einer "-gut sichtbaren Stelle deutlich-, gut lesbar und gegebenenfalls dauerhaft" angebracht sein. Sie dürfen in keiner Weise durch andere Angaben oder Bildzeichen oder sonstiges eingefügtes Material verdeckt, undeutlich gemacht oder getrennt werden und der Blick darf nicht davon abgelenkt werden.

    Die verpflichtenden Angaben sind, wenn sie auf der Packung oder dem daran befestigten Etikett gemacht werden, auf die Verpackung oder das Etikett in einer Schriftgröße mit einer x-Höhe von mindestens 1,2 mm (entspricht einer Versalhöhe von 2,1 mm bei Großbuchstaben und Zahlen) so aufzudrucken, dass eine gute Lesbarkeit sichergestellt ist.

    Nach der Auslegungshilfe der Kommission vom 13.12.2016 sowie der Mitteilung der europäischen Kommission (Amtsblatt der Europäischen Union vom 8.6.2018, C 196/1-14) sind Großbuchstaben und Zahlen, auch bei ausschließlicher Verwendung, entsprechend der Buchstabengröße "A“ des AnhangsIV zu gestalten.

    Definition der x-Höhe

    Code für die Typografie

     

    Legende:

    1 Oberlinie
    2 Versallinie
    3 Mittellinie
    4 Grundlinie
    5 Unterlinie
    6 x-Höhe
    7 Schriftgröße

    Für die Schriftgröße der Füllmengenangabe gelten folgende Regelungen:

    Vorschriften bei Mengenangaben:
    Flaschengröße (ml)
    Mindest-Schriftgröße (mm)
    5 - 50
    2
    über 50 - 200
    3
    über 200 - 1000
    4
    über 1000
    5

    Besondere Kennzeichnungsregelungen i. S. des vorbeugenden Verbraucherschutzes

    • Auslobung einer Nicht-Zuckerung: diese kann bei Obstbrand, Tresterbrand, Geist (mit der Bezeichnung der verwendeten Frucht oder des verwendeten Ausgangsstoffs) nur in Form eines freiwilligen Zutatenverzeichnisses oder einer freiwilligen Nährwert-Tabelle oder durch die Angabe "100 % Obstbrand“ (bzw. "Tresterbrand" bzw. "Geist“) erfolgen; Angaben wie "zuckerfrei", "ungezuckert", "ungesüßt" etc. sind lebensmittelrechtlich nicht zulässig, da sie als nährwertbezogene Angaben gelten, die bei Spirituosen nur dann zugelassen sind, wenn sie sich auf einen geringen Alkoholgehalt oder eine Reduzierung des Alkoholgehaltes oder eine Reduzierung des Brennwertes beziehen.
    • Allergen-Kennzeichnung: Die in Anlage II der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (sog. Lebensmittel-Informations-Verordnung, LMIV) genannten Stoffe oder Erzeugnisse, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen (z. B. Eier und daraus hergestellte Erzeugnisse, Milch und daraus hergestellte Erzeugnisse sowie Schalenfrüchte, namentlich Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse und daraus hergestellte Erzeugnisse), müssen gemäß Art. 9 Abs. 1 Buchstabe c in Verbindung mit Art. 21 Abs. 1 LMIV auf dem Etikett unter Voranstellung des Wortes "Enthält" angegeben werden, wenn die Verkehrsbezeichnung nicht auf das Vorhandensein der betreffenden Zutat(en) schließen lässt. Bei Angabe eines freiwilligen Zutatenverzeichnisses wird der betreffende Stoff bzw. das betreffende Erzeugnis durch einen Schriftsatz hervorgehoben, durch den er bzw. es sich von dem Rest des Zutatenverzeichnisses eindeutig abhebt, z. B. durch die Schriftart, den Schriftstil oder die Hintergrundfarbe.
    • Gesundheitsbezogene Angaben: Nach Art. 4 Abs. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 (sog. Health Claims-Verordnung) dürfen Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent keine gesundheitsbezogenen Angaben (z. B. "verdauungsfördernd", "gut für den Magen") tragen. Auch Angaben wie "Heilkräuter“, "Magenschmeichler“ o. ä. werden als unzulässig beurteilt.
      Bei Angaben wie "wohltuend" oder "bekömmlich" handelt es sich um einen Verweis auf einen allgemeinen, nichtspezifischen Vorteil für die Gesundheit im Allgemeinen oder das gesundheitliche Wohlbefinden. Derartige Angaben sind nach Art. 4 Abs. 3 der genannten Verordnung für Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozenten grundsätzlich nicht zulässig. Darüber hinaus sind Angaben, die geeignet sind, die Alkoholwirkung zu verharmlosen und zu einem regelmäßigen und/oder übermäßigen Verzehr von Alkohol anzuregen, als irreführend i. S. von Art. 7 Abs. 1 LMIV zu beurteilen

    Hinweise für den Hersteller

    Zur Vermeidung von Beanstandungen wird insbesondere auf folgende Punkte hingewiesen:

    • zur Feststellung des Alkoholgehaltes von Destillaten zur Einstellung auf Trinkstärke bzw. zur Bestimmung des Alkoholgehaltes im extraktfreien Fertigerzeugnis sowie von alkoholischen Komponenten zur Herstellung von Likör ein geeichtes Euro-Alkoholometer (Aräometer, Alkoholspindel) der Genauigkeitsklasse III mit integriertem Thermometer verwenden
    • zur Berechnung der Verschnittwassermenge zur Einstellung auf Trinkstärke Alkoholtafeln zu Hilfe nehmen
    • Verschnittwasser muss Trinkwasserqualität haben; es darf keine Kalkbildner enthalten, ansonsten kann es bei der Kühlung der Fertigerzeugnisse zur Ausfällung kommen
    • Zutaten für Liköre möglichst mit digitaler Waage bzw. graduierten Messbehältnissen genauestens abwiegen bzw. abmessen
    • Alkoholgehalt des fertigen Likörs mit geeigneter Destillationsvorrichtung selbst bestimmen (Aräometrie bzw. Spindelung des Destillates) oder
    • Alkoholgehalt einer hergestellten Charge im Handelslabor bestimmen lassen; dabei auf Homogenität der Charge achten; den im Labor ermittelten Wert mit dem aus der Rezeptur berechneten Wert abgleichen
    • Verwendung von Milch/Sahne bzw. Ei bei Likören kenntlich machen (s. o.), wenn der Verbraucher deren Vorhandensein nicht aus der Verkehrsbezeichnung bzw. der Zutatenliste erkennen kann, denn sie sind Zutaten, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen
    • bei Angabe eines freiwilligen Zutatenverzeichnisses (bei Spirituosen gesetzlich nicht erforderlich) muss dieses aus einer Aufzählung aller Zutaten in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils zum Zeitpunkt ihrer Verwendung bei der Herstellung der Spirituose bestehen. Dem Zutatenverzeichnis ist eine Überschrift oder eine geeignete Bezeichnung voranzustellen, in der das Wort "Zutaten“ erscheint.

     

    Beispiele für Etiketten

    Beispiel für ein Etikett, das die lebensmittelrechtlichen Vorschriften erfüllt:

    die Abbildung zeigt ein Etikett eines Eierlikörs, das die lebensmittelrechtlichen Vorschriften erfüllt

    Beispiel für ein zu beanstandendes Etikett:

    die Abbildung zeigt Fehler eines Etikettes des Großmutter Likörs, die beanstandet werden können

     

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