Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Die Rückstandsbelastung bei Gemüsepaprika ist Anfang 2005 unverändert hoch

Paprika

Die Rückstandssituation bei Paprika hat sich gegenüber den Untersuchungen im Jahr 2004 verschlechtert. Paprika zählt nach wie vor zu den am stärksten mit Rückständen belasteten Lebensmitteln, nicht nur was die Zahl der nachgewiesenen Rückstände betrifft, sondern auch die Zahl der rechtlichen Höchstmengenüberschreitungen. Dabei treten insbesondere die für den bayerischen Markt sehr wichtigen Erzeugnisse aus Spanien und der Türkei hervor.

Aufgrund der hohen Rückstandsbelastung von Gemüsepaprika in den Jahren 2003 und 2004 wurden die Untersuchungen zu Beginn des Jahres 2005 fortgesetzt. Von 44 Proben, die im Zeitraum vom 01.01.2005 bis 10.03.2005 untersucht wurden, waren lediglich vier Proben (9 %) ohne bestimmbare Rückstände. 20 Proben enthielten Rückstände unter den zulässigen Höchstmengen und 20 Proben (45,5 %) darüber. Wie im letzten Jahr waren griechischer, türkischer und spanischer Paprika betroffen (Tabelle 1).

Rückstandslage bei Paprika aus verschiedenen Herkunftsländern

Tabelle 1: Rückstandssituation bei Gemüsepaprika im Jahr 2005
Herkunftsstaat ohne Rückstände (R) mit R unter der Höchstmenge (HM) mit R über der Höchstmenge (HM) Summe
Griechenland 2 2
Israel 3 3
Italien 1 1
Spanien 18 12 30
Türkei 1 1 6 8
Summe 4 20 20 44
9 % 45,5 % 45,5 %

Bei den 20 Proben mit Höchstmengenüberschreitungen waren insgesamt 10 verschiedene Stoffe auffällig. 16 Proben enthielten einen überhöhten Rückstand; bei vier Proben lagen zwei Stoffe über den Höchstmengen, davon kam eine Probe aus Spanien und drei aus der Türkei. In Tabelle 2 sind neben den Wirkstoffen und dem Herkunftsstaat, die Anzahl an Höchstmengenüberschreitungen (HMÜ), der Konzentrationsbereich und die Spannweite der Höchstmengenüberschreitungen zusammengestellt.

Proben mit Höchstmengenüberschreitungen

Tabelle 2: Höchstmengenüberschreitungen bei Paprika aus verschiedenen Herkunftsstaaten
Stoff Herkunft Anzahl an HMÜ Konzentrationsbereich in mg/kg zulässige HM in mg/kg Anteile an der HM
Acetamiprid Spanien 9 0,011 - 0,17 0,01 110 - 1700 %
Acetamiprid Türkei 4 0,041 - 0,081 0,01 410 - 810 %
Acetamiprid Griechenland 1 0,025 0,01 250 %
Chlorfenapyr Spanien 1 0,079 0,05 158 %
Fenhexamid Türkei 1 0,12 0,05 240 %
Fipronil Spanien 2 0,033-0,061 0,01 330 - 610 %
Lufenuron Spanien 2 0,022 - 0,042 0,01 220 - 420 %
Methamidophos Spanien 1 0,015 0,01 150 %
Methomyl Griechenland 1 0,088 0,05 176 %
Nitenpyram Spanien 1 0,0,28 0,01 280 %
Oxamyl Spanien 1 0,053 0,01 530 %

Wie bereits 2004 war am häufigsten Acetamiprid bei spanischen und türkischen Produkten zu beanstanden. Dieses Insektenbekämpfungsmittel ist in Spanien nicht registriert. Es besteht zwar seitens der Europäischen Kommission eine Ermächtigung diesen Stoff in den Mitgliedstaaten bis zu einer endgültigen Entscheidung vorläufig zuzulassen, allerdings liegen uns keine Informationen vor, in welchem Staat davon Gebrauch gemacht wurde.

Bei allen Stoffen der Tabelle 2 war für eine lebensmittelrechtliche Bewertung der nachgewiesenen Rückstände jeweils die niedrigste existierende Höchstmenge maßgebend. Sie liegt an der "analytischen Bestimmungsgrenze" und ist dann wirksam, wenn der betreffende Stoff in Deutschland für das untersuchte Gemüse nicht zugelassen ist und in der EU noch keine einheitliche - für alle Mitgliedstaaten gültige Regelung - besteht. Aus solchen pauschalen und sehr niedrigen Höchstmengen lässt sich kein konkretes gesundheitliches Risiko ableiten. Vielmehr will man damit vermeiden, dass unrechtmäßig behandelte Ware in den deutschen Handel gelangt.

Mehrfachrückstände und deren Häufigkeitsverteilung

In nahezu allen Proben wurde eine Vielzahl verschiedener Rückstände gleichzeitig gefunden. Lediglich zwei Proben (4,5 %) enthielten nur einen Rückstand, dagegen waren in 37 Proben (84 %) vier bis hin zu 21 verschiedene Rückstände nachweisbar. Von den letztgenannten stammten 28 Proben aus Spanien, sieben Proben aus der Türkei und zwei aus Griechenland. (Abb.1).

Säulendiagramm: Mehrfachrückstände in Gemüsepaprika aus Spanien und der Türkei

Abbildung 1: Mehrfachrückstände in Gemüsepaprika aus Spanien und der Türkei

Mehrfachrückstände in einem so hohen Ausmaß sind nicht akzeptabel, denn sie führen erwartungsgemäß zu einer höheren Gesamtbelastung der Paprikaschoten. So war die Summe der Rückstandsgehalte bei nahezu allen Proben mit mehr als drei Rückständen höher als 0,1 mg/kg, in 23 % der Fälle über 0,5 mg/kg (Abb. 2). Geringe Rückstandsmengen unter 0,05 mg/kg kamen lediglich in drei Proben vor, bei einer davon lag der Gehalt unter 0,01 mg/kg.

Säulendiagramm: Rückstandsgehalte und Mehrfachrückstände in Gemüsepaprika

Abbildung 2: Rückstandsgehalte und Mehrfachrückstände in Gemüsepaprika

Mehrfachrückstände lassen sich nicht immer vermeiden, wenn z.B. Kombinationspräparate mit mehreren Wirkstoffen oder verschiedene Mittel gegen unter-schiedliche Schaderreger angewendet werden. Allerdings lässt ihr sehr häufiges Vorkommen und insbesondere ihre hohe Zahl darauf schließen, dass die Erzeuger in vielen Fällen zu sorglos mit Pflanzenschutzmitteln umgehen und die Regeln der guten landwirtschaftlichen Praxis zu wenig beachten.

In den 40 rückstandshaltigen Proben wurden 58 verschiedene Stoffe insgesamt 347-mal gefunden (Abb. 3). Dies entspricht durchschnittlich 7,9 Rückständen pro Probe. Spanische und türkische Produkte wiesen jeweils durchschnittlich 8,8 Rückstände pro Probe auf, die Proben anderer Herkunft 2,33 Rückstände pro Probe. Der durchschnittliche Rückstandsgehalt der spanischen und türkischen Proben lag mit 0,32 bzw. 0,30 mg/kg erheblich höher als im vergangenen Jahr (2004: Spanien: 0,20, Türkei 0,13) und auch deutlich höher als bei den Produkten aus anderen Staaten (0,13 mg/kg)

Nach wie vor waren Insektizide und Akarizide besonders häufig nachweisbar. Imidacloprid, ein in Deutschland zugelassenes Mittel gegen saugende und beißende Insekten im Getreide-, Gemüse- und Obstbau wurde insgesamt 36 mal nachgewiesen, Acetamiprid 23-mal, davon 14-mal über der Höchstmenge. In Abbildung 3 sind alle Stoffe dargestellt, die wenigstens dreimal nachgewiesen wurden. Insgesamt 15 verschiedene Stoffe wurden mindestens zehnmal bestimmt.

Balkendiagramm: Nachweishäufigkeit von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen in Gemüsepaprika

Abbildung 3: Nachweishäufigkeit von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen in Gemüsepaprika

Prozentuale Anteile der Rückstandsgehalte

Vergleicht man die insgesamt ermittelten Gehalte der einzelnen Wirkstoffe mit den festgesetzten Grenzwerten, dann liegen 62 % aller Rückstandsmengen unter einem Zehntel der nach der Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV) zulässigen Höchstmengen. Bei weiteren 12 % wird die Höchstmenge zu weniger als einem Viertel ausgeschöpft (Abb. 4). 4 % der 347 nachgewiesenen Rückstände lagen über der Höchstmenge, die aber stets an der bereits zuvor angesprochenen Bestimmungsgrenze des jeweiligen Stoffes lag.

Kuchendiagramm: Prozentuale Anteile aller 651 Rückstände an den zulässigen Höchstmengen (HM)

Abbildung 4: Prozentuale Anteile aller 651 Rückstände an den zulässigen Höchstmengen (HM)

Zusammenfassende Bewertung

Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich das Rückstandsbild bei Paprika gegenüber den Untersuchungen im Jahr 2004 verschlechtert hat. Paprika zählt nach wie vor zu den am stärksten mit Rückständen belasteten Lebensmitteln, nicht nur was die Zahl der nachgewiesenen Rückstände betrifft, sondern auch die Zahl der rechtlichen Höchstmengenüberschreitungen.

Dabei treten insbesondere die für den bayerischen Markt sehr wichtigen Erzeugnisse aus Spanien und der Türkei hervor. Besonders negativ fallen die hohe durchschnittliche Rückstandszahl pro Probe (8,8 für spanische und türkische Produkte) ins Auge, aber auch die deutlich erhöhten mittleren Gesamtgehalte von 0,3 mg pro Probe (2004: 0,13 mg/kg).

Es ist deshalb dringend geboten, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Rückstandssituation bei diesem beliebten Gemüse zu deutlich zu verbessern.

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