Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Ergebnisse der Projektstudie „Vorkommen von Asbest in Gebäuden und Staub- und Faserfreisetzung im Rahmen von baulichen Tätigkeiten“

Die Projektbeschreibung ist hier zu finden.

Projektergebnisse

Bei der Analyse von 70 Baustoffproben, wie Fensterkitte, Fliesenkleber, Spachtelmasse haben sich ca. 40 % der Proben als asbesthaltig erwiesen. Die Zahl der asbesthaltigen Proben war etwas höher als von AB-Sachverständigenbüro (30 %) oder VDI (25 %) berichtet wurde. Meist waren die Gehalte sehr niedrig und nur ein Fliesenkleber wies zwischen 15 und 40 % Amphibolasbest auf. Alle beprobten Gebäude wurden vor Inkrafttreten des Asbestverbotes (d.h. vor 1993) erbaut.

In Zusammenarbeit mit der hessischen Ländermessstelle für den chemischen Arbeitsschutz wurden Asbestbelastungen von Arbeitnehmern bzw. Heimwerkern bei typischen Handwerksarbeiten im Baubestand ermittelt. Die Probenahmen wurden bei Tätigkeiten durchgeführt, die die realen Bedingungen von Hand-/Heimwerkern widerspiegeln sollten (d.h. nicht nur definierte Einzeltätigkeiten mit staubgeprüften Maschinen, sondern auch Mischtätigkeiten mit Baumarkt-Geräten und staubemittierende Tätigkeiten ohne Maschineneinsatz).

Expositionsmessungen bei der Bearbeitung von asbesthaltigen Bauprodukten im Rahmen von baulichen Tätigkeiten zeigen, dass erwartungsgemäß eine deutlich höhere Asbestfreisetzung bei Arbeiten mit abrasiven Oberflächenabtrag (maschinelles Schleifen oder Fräsen), aber auch bei Gerätschaften mit Absaugung im Vergleich zu händischen Asbestbearbeitungen stattfand. Beim Fräsen von Klebespachtel (mit Absaugung) erreichte die Konzentration von Asbestfasern in der Luft bis zu 35.000 Fasern/m³ (Tabelle 1). Auch bei Produkten mit relativ geringen Asbestgehalten können demnach deutliche Asbestfaserfreisetzungen stattfinden. Wenn es möglich war, wurden die Asbest-Analysen nach VDI 3492 ausgewertet, evtl. auch trotz geringer Überbelegung der Filter. Bei staubenden Arbeiten waren die Filter allerdings meist mit Staubpartikeln so überbelegt, dass eine VDI-konforme Auswertung nicht möglich war. Deshalb wurde ein „Verdünnungsverfahren“ entwickelt, das eine Ermittlung der Asbestbelastung in der Luft auch bei mit Staub überbelegten Filtern ermöglicht hat. Allerdings sind die so ermittelten Asbestkonzentrationen oft etwas zu hoch, da durch die Probenaufbereitung auch Agglomerate und weitere nicht lungengängige Asbestanteile in die Auswertung mit einbezogen werden. Dadurch wird die gemessene Asbestkonzentration etwas überschätzt. Die tatsächliche Konzentration ist daher niedriger.

Schwarzweißfotografieeiner Asbestfaser (Chyrositil) und Staubpartikel auf einem Filter

Asbestfasern (Chrysotil) und Staubpartikel auf einem Filter nach Sammlung einer Luftprobe.

Schwarzweißfotografie eines Spektrums mit Signalen aus der Energiedispersive Röntgenspektroskopie

Das EDX-Spektrum zeigt sehr intensive Magnesium und Silizium-Signale, die für Chrysotil charakteristisch sind. Das Gold-Signal stammt von der leitfähigen Filterbeschichtung

Tabelle 1: Zusammengefasste Messergebnisse der Versuchsreihe
F/m³ steht für Fasern/m³
Asbestprodukt, Bearbeitung mit/ohne Absaugung Maximaler Messwert Direkt Maximaler Messwert „Verdünnungs-verfahren“ Einhaltung Akzeptanz-konzentration (<10.000 Fasern/m³)
Klebespachtel Fräsen Mit Absaugung 35.000 F/m3 53.000 F/m3 Nein
Spachtelmasse schleifen Mit Absaugung Bestimmung nicht möglich 170.000 F/m3 Nein
Spachtelmasse Flexen Ohne Absaugung Bestimmung nicht möglich 866.000 F/m3 Nein
Spachtelmasse Fräsen Mit Absaugung Bestimmung nicht möglich 34.000 F/m3 Nein
Fensterkitt mit Elektroschaber Mit Absaugung 1.900 F/m3 nicht ermittelt Ja
Gipskarton abbrechen Ohne Absaugung 1.700 F/m3 <2.500 F/m3 Ja
Fliesenkleber mit Fliesen Stemmen Ohne Absaugung 4.600 F/m3 87.900 F/m3 Ja (*), „Verdünnungsverfahren“ nein 
In Fliesenkleber Bohren Ohne Absaugung 3.500 F/m3 nicht bestimmt Ja (*)
Putz Stemmen Ohne Absaugung Bestimmung nicht möglich 8.200 F/m3 Ja (*)
In Wandputz Bohren Ohne Absaugung 1.800 F/m3
<2.500 F/m3
1.800 F /m3
<2.500 F/m3
Ja
In Wandputz Bohren Mit Absaugung 1.800 F/m³
<2.400 F/m3
1.800 F/m3
<2.500 F/m3
Ja
In Wandputz Dosensetzen Ohne Absaugung <2.400 F/m3 1.800 F/m3
<2.500 F/m3
Ja
In Wandputz Dosensetzen Mit Absaugung <2.400 F/m3 1.800 F/m3 Ja
Tapete Entfernen (auf Asbestputz) Ohne Absaugung trocken 3.200 F/m3 15.600 F/m3 Ja (*), „Verdünnungsverfahren“ nein 
Tapete Entfernen (auf Asbestputz) Ohne Absaugung nass 1.700 F/m3 1.700 F/m3
<2.400 F/m3
Ja
Dachpappe mit Elektro-Flachmeißel Ohne Absaugung 2.500 F/m3 nicht bestimmt Ja

(*) Poisson-Werte sind z.T. höher als 10.000 F/m3.

Am Ende des Projektes wurde die Faserfreisetzung bei der Bearbeitung von zehn KMF -haltigen Produkten im Labor untersucht. Die Messungen wurden unter einem Worst-Case-Szenario (mit geschlossenen Fenster und Türen) durchgeführt. Die KMF-Konzentrationen wurden personenbezogen und stationär ermittelt. Die an der Person gemessenen Faserkonzentrationen waren immer deutlich höher als die stationär ermittelten Werte. Die höchste ermittelte Faserkonzentration lag bei 81.000 Fasern/m³. Alle untersuchten KMF-haltigen Produkte waren allerdings nicht krebserzeugend, da sie wie beschrieben eine RAL-Kennzeichnung aufwiesen. Dennoch müssen bei der Verarbeitung von Mineralwollen in Innenräumen Mindestschutzmaßnahmen eingehalten werden, um sich vor Haut-, Augen- und vor Atemwegsreizungen, sowie zur Vorbeugung vor allergischen Reaktionen. Dass Mindestschutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit „neuen“ Mineralwolle-Dämmstoffen ratsam sind, finden Sie im BG Bau-Text „Tätigkeiten mit Mineralwolle-Dämmstoffen" und in der TRGS 500.

Schwarzweißfotografie einer künstlichen Mineralfaser auf einem Filter nach Sammlung einer Luftprobe

Künstlichen Mineralfasern auf einem Filter nach Sammlung einer Luftprobe. Die Faserfreisetzung erfolgte beim Schneiden der KMF.

Schwarzweißfotografie eines Spektrums mit Signalen aus der Energiedispersive Röntgenspektroskopie

Ein EDX -Spektrum der Fasern. Hier sind die Signale von Silizium und Magnesium genau so intensiv wie das Gold (Au)-Signal. Das Gold-Signal stammt von der Filterbeschichtung.

Zusammenfassung

Im Rahmen des Projektes wurde festgestellt, dass ca. 40 % der untersuchten Bauprodukte wie Fensterkitte, Fliesenkleber, Spachtelmassen, die in vor 1993 erbauten Gebäuden verbaut waren, asbesthaltig sind.
Der abrasive Oberflächenabtrag verursacht eine höhere Asbestfreisetzung als händische Bearbeitung asbesthaltiger Baustoffe. Dies gilt auch für Geräte mit Absaugung.
Bei der Verarbeitung von Mineralwolle in Innenräumen müssen geeignete Schutzmaßnahmen vor Stäuben vorgenommen werden, da es zu einer erheblichen Faserfreisetzung mit entsprechende gesundheitlichen Wirkungen wie Reizungen der Atemwege kommen kann (siehe Projektbeschreibung)