Tabakrauchbelastung von Kindern in Bayern: Ansatzpunkte für Gesundheitsförderungsstrategien auf Gemeindeebene

Der Sachbereich Arbeits- und Umweltepidemiologie des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit führte dieses Projekt im Rahmen der Gesundheitsinitiative Gesund.Leben.Bayern des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit durch.

Hintergrund

Tabakrauch ist der mit Abstand bedeutendste und gefährlichste vermeidbare Innenraumschadstoff. Tabakrauch in der Raumluft ist ein komplexes Gemisch von über 4000, häufig toxischen oder Krebs erregenden Substanzen. Ein wesentliches Public Health Problem ist nach wie vor die Passivrauchexposition insbesondere von Kindern in Wohnungen. Die gesundheitlichen Wirkungen des Passivrauchens bei Kindern wurden vielfältig belegt. Die Hauptquelle für die Tabakrauchexposition von Kindern ist der elterliche Raucherhaushalt. Schätzungen aus den 1990er Jahren gingen davon aus, dass ca. 50% aller Kinder unter 6 Jahren in Deutschland in einem Haushalt leben, in dem mindestens eine Person raucht. Aktuelle Zahlen der beiden GME-Surveys 2004/2005 und 2005/2006 bei 12554 Kindern im Alter von 5-7 Jahren in 3 Städten und 3 Landkreisen in Bayern belegen, dass nach Eigenangaben der Eltern 32% der Kinder gegenüber Tabakrauch in der Wohnung exponiert waren.

Unter Präventionsgesichtspunkten besonders relevant sind Daten zur Tabakrauchexposition von Kindern in Abhängigkeit vom Ort, wo die Eltern oder andere Personen tatsächlich in der Wohnung rauchen, und in Abhängigkeit von weiteren Vorsichtsmaßnahmen wie Rauchen nur auf dem Balkon oder nie in Gegenwart des Kindes, die die Rauchenden möglicherweise treffen.

Noch nicht untersucht worden war, inwieweit Eltern über die Effektivität verschiedener Vermeidungsstrategien informiert sind, welche Rolle die Lebenswelten spielen und wo Unterstützungsmöglichkeiten durch den ÖGD bestehen.

Zielsetzung

Das Projekt hatte zum Ziel,

  • das Ausmaß der Passivrauchbelastung in den Lebensumwelten von Kindern in Bayern festzustellen;
  • das Wissen der Eltern zu den gesundheitlichen Risiken des Passivrauchens bei Kindern und zu effektiven Strategien zur Verminderung der Belastung von Kindern im häuslichen Umfeld zu erheben;
  • die Einstellung und die Bereitschaft von Eltern zu Vermeidungsstrategien und deren Umsetzung im eigenen Haushalt darzustellen;
  • den seitens der Eltern geäußerten Bedarf hinsichtlich Angeboten zur Unterstützung einer rauchfreien Lebensumwelt zu erheben;
  • einen Überblick über regionale Angebote und Projekte verschiedener Träger zur Verminderung der Passivrauchbelastung von Kindern zu geben;
  • Zielgruppen für spezifische Gesundheitsförderungsmaßnahmen zu identifizieren;
  • Interventionskonzepte auf Gemeindeebene unter Beteiligung des ÖGD zu entwickeln.

Durchführung

Die Befragung von Eltern 5- bis 7-jähriger Kinder sowie die systematische Recherche relevanter Gesundheitsförderungsangebote wurden im Rahmen der Gesundheits-Monitoring-Einheiten (GME) durchgeführt. Das Projekt endete im Dezember 2011.

Projektpartner

Das Projekt wurde zusammen mit folgenden Partnern durchgeführt:

  • Landratsamt Bamberg - Gesundheitswesen - (Dr. Winfried Strauch)
  • Landratsamt Schwandorf, Abt. Gesundheitsamt (Dr. Maximilian Kühnel)
  • Gesundheitsamt Stadt Ingolstadt (Dr. Elisabeth Schneider)
  • Landratsamt Günzburg - Gesundheitsamt - (Dr. Roland Schmid)
  • Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt, GVO 2 (Dr. Heidi Mayrhofer)

Ergebnisse

Die Ergebnisse sind im Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben „Tabakrauchbelastung von Kindern in Bayern: Ansatzpunkte für Gesundheitsförderungsstrategien auf Gemeindeebene?" zusammengestellt.

Ergebnispräsentationen

  • Bolte G, Fromme H for the GME Study Group. Socioeconomic determinants of children’s environmental tobacco smoke exposure and family`s home smoking policy. Eur J Public Health 2009; 19: 52-58
  • Bolte G für die GME-Studiengruppe. Tabakrauchbelastung von Kindern: Konzeptionelle Überlegungen zu Ansatzpunkten für Gesundheitsförderungsstrategien. Gesundheitswesen 2007; 69: 176 (Vortrag auf dem 57. Wissenschaftlichen Kongress der Bundesverbände der Ärzte und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, 26.-28.04.2007 Bad Lausick)
  • Bolte G, Hendrowarsito L, Fromme H für die GME-Studiengruppe. Zustimmung von Eltern zu gesetzlichen Regelungen des Nichtraucherschutzes bzw. der Tabakkontrolle und Auswirkung von Rauchverboten in öffentlichen Räumen auf die Prävalenz des Passivrauchens von Kindern zu Hause. Gesundheitswesen 2010; 72: 571-572 (Vortrag auf dem gemeinsamen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) und der European Union of Medicine in Assurance and Social Security (EUMASS), Berlin 21.-25.09.2010)
  • Bolte G. Nichtraucherschutz in Bayern: Akzeptanz und Auswirkungen auf das Rauchverhalten in der eigenen Wohnung. Vortrag auf der 8. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle. Heidelberg 08.-09.12.2010
    http://www.dkfz.de/.../Gabriele_Bolte_2010.pdf (PDF, 705 KB)
  • Bolte G, Hendrowarsito L, Fromme H for the GME Study Group. Impact of smoke-free legislation on children’s second-hand smoke exposure. Environ Health Perspect 2011 doi:10.1289/ehp.isee2011 (Vortrag auf der 23rd Annual Conference of the ISEE (International Society for Environmental Epidemiology), Barcelona 13. -16.09.2011)
    http://ehp.niehs.nih.gov/isee/PDF/isee11Abstract01211.pdf (PDF, 8 KB)