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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Futtermittelkunde

Begriffsdefinitionen

Futtermittel

Mastschweine beim fressen

Nach Art. 3 Nr. 4 der VO (EG) 178/2002 sind Futtermittel „ … Stoffe oder Erzeugnisse, auch Zusatzstoffe, verarbeitet, teilweise verarbeitet oder unverarbeitet, die zur oralen Tierfütterung bestimmt sind …“. Durch die VO (EG) 767/2009 wird der Begriff der „oralen Tierfütterung“ näher bestimmt: „...Aufnahme von Futtermitteln ... durch das Maul beziehungsweise den Schnabel, um den Nahrungsbedarf der Tiere zu decken oder die Produktivität von normal gesunden Tieren aufrechtzuerhalten.“

Einteilung von Futtermitteln nach Anzahl der Komponenten

Einzelfuttermittel sind gemäß Art. 3 Absatz 2 g der VO (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln Erzeugnisse pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, die vorrangig zur Deckung des Ernährungsbedarfs von Tieren dienen, im natürlichen Zustand, frisch oder haltbar gemacht, und Erzeugnisse ihrer industriellen Verarbeitung sowie organische oder anorganische Stoffe, mit Futtermittelzusatzstoffen oder ohne Futtermittelzusatzstoffe, die zur Tierernährung durch orale Fütterung bestimmt sind, sei es unmittelbar als solche oder in verarbeiteter Form, für die Herstellung von Mischfuttermitteln oder als Trägerstoff für Vormischungen.

Beispiele für Einzelfuttermittel:

  • Wirtschaftseigene Futtermittel (zum Beispiel Gras, Silagen, Weizen)
  • Nebenerzeugnisse der Lebensmittelherstellung (z. B. Weizenkleie, Molkenpulver, Sojaextraktionsschrot)
  • Mineralstoffe (zum Beispiel Calciumcarbonat, Natriumchlorid)

Mischfuttermittel sind gemäß Art. 3 Absatz 2 h der VO (EG) Nr. 767/2009 eine Mischung aus mindestens zwei Einzelfuttermitteln, mit Futtermittelzusatzstoffen oder ohne Futtermittelzusatzstoffe, die zur oralen Fütterung in Form eines Alleinfuttermittels oder Ergänzungsfuttermittels bestimmt sind.

Beispiele für Mischfuttermittel:

  • Alleinfuttermitteln (zum Beispiel für Mastschweine, Milchaustauschfuttermittel für Aufzuchtkälber)
  • Ergänzungsfuttermittel (zum Beispiel für Legehennen, Mineralfutter für Schweine)
  • Diätfuttermittel (zum Beispiel Diätfuttermittel für Hunde zur Unterstützung der Herzfunktion bei chronischer Herzinsuffizienz)

Einteilung von Futtermitteln nach Verwendungszweck

Alleinfuttermittel sind gemäß Art. 3 Absatz 2 i der VO (EG) Nr. 767/2009 Mischfuttermittel, die wegen ihrer Zusammensetzung für eine tägliche Ration ausreichen.

Ergänzungsfuttermittel sind gemäß Art. 3 Absatz 2 j der VO (EG) Nr. 767/2009 Mischfuttermittel, die einen hohen Gehalt an bestimmten Stoffen aufweisen, aber aufgrund ihrer Zusammensetzung nur mit anderen Futtermitteln zusammen für die tägliche Ration ausreichen. Besondere Ergänzungsfuttermittel sind Mineralfuttermittel. Mineralfuttermittel sind gemäß Art. 3 Absatz 2 k der VO (EG) Nr. 767/2009 Ergänzungsfuttermittel mit mindestens 40 % Rohasche.

Besondere Ergänzungsfuttermittel sind Mineralfuttermittel. Mineralfuttermittel sind gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 4 Futtermittelverordnung Ergänzungsfuttermittel, die überwiegend aus mineralischen Einzelfuttermitteln zusammengesetzt sind und mindestens 40 % Rohasche enthalten.

Diätfuttermittel („Futtermittel für besondere Ernährungszwecke“) sind gemäß Art. 3 Absatz 2 o der VO (EG) Nr. 767/2009 Futtermittel, die aufgrund ihrer besonderen Zusammensetzung oder des Herstellungsverfahrens, welche(s) sie eindeutig von gängigen Futtermitteln unterscheidet, einem besonderen Ernährungszweck dienen können.

Futtermittelzusatzstoffe sind gemäß Art. 2 Abs. 2 a) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 3 VO (EG) Nr. 1831/2003 Stoffe, Mikroorganismen oder Zubereitungen, die aufgrund ihrer technologischen, sensorischen, ernährungsphysiologischen oder zootechnischen Wirkung den Futtermitteln zugesetzt werden.

Die Zulassung und Verwendung von Zusatzstoffen Stoffe ist durch VO (EG) 1831/2003 geregelt. Eine Übersicht über die derzeit zugelassenen Futtermittelzusatzstoffe ist auf den Internetseiten der Europäischen Kommission oder des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu finden. Zu den wichtigsten Zusatzstoffen gehören unter anderem Vitamine, Spurenelemente, Aminosäuren, Aromastoffe, Enzyme und probiotische Mikroorganismen.

Vormischungen sind gemäß Art. 2 Abs. 2 e) VO (EG) Nr. 1831/2003 Mischungen von Futtermittelzusatzstoffen oder Mischungen aus einem oder mehreren Futtermittelzusatzstoffen mit Einzelfuttermitteln oder Wasser als Trägern, die nicht für die direkte Verfütterung an Tiere bestimmt sind.

Abbildung 1: Die folgende Grafik zeigt die oben beschriebene Einteilung der Futtermittel im Überblick.

Diagramm zur der im Text beschriebenen Einteilung der Futtermittel

Futtermittelproduktion

Kühe fressen Silage In Bayern werden nach eigenen Berechnungen unter Bezug auf DVT-Quellen jährlich etwa 18 Mio. Tonnen Futtermittel an Nutztiere verfüttert. Davon entfallen circa 69 % auf wirtschaftseigene Futtermittel (zum Beispiel Gärfutter, Getreide, Hackfrüchte), die direkt in den landwirtschaftlichen Betrieben erzeugt werden.

An Mischfuttermitteln werden in Bayern circa 5,5 Mio.t erzeugt, wobei circa 73 % durch die Landwirte mit betriebseigenen stationären Anlagen oder durch Lohnunternehmer mit fahrbaren Mahl- und Mischanlagen selbst hergestellt werden. Dabei werden auch zugekaufte Einzelfuttermittel wie zum Beispiel Sojaextraktionsschrot eingesetzt. Nur etwa 27 % der Mischfuttermittel stammen aus gewerblicher Produktion. Futterpellets

Diese enthalten neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen auch Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung und Zusatzstoffe, die aufgrund von gesetzlichen Höchst- beziehungsweise Mindestgehalten mit besonderer Sorgfalt einzumischen sind.

 

 

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