Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Pressemitteilung

28.06.2022
Nr. 21/2022

Gesundheit

Umweltmonitoring auf PFAS in sechs bayerischen Regionen abgeschlossen

Die Ergebnisse eines Umweltmonitorings in sechs ausgewählten bayerischen Regionen hat das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) jetzt veröffentlicht. Ziel des Monitorings war herauszufinden, ob sich in der Umwelt vorhandene per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) in den Blutwerten der Bevölkerung widerspiegeln. PFAS sind chemische Verbindungen, die in Industrie- und Konsumprodukten Verwendung finden und sich nach Eintrag in die Umwelt in Blut und Gewebe von Organismen anreichern können. Die Verwendung der Leitsubstanzen Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) ist seit 2006 und die von Perfluoroctansäure (PFOA) seit Juli 2020 weitgehend verboten. 

Die wichtigsten Ergebnisse des Monitorings: Die Analyse zeigt, dass es insgesamt in Bezug auf die innere Belastung der Bevölkerung keinen Unterschied im Vergleich der Untersuchungsregionen mit bekanntem PFAS-Eintrag in die Umwelt mit den entsprechenden Kontrollregionen gibt. 

Eine flächendeckende Aufnahme von PFAS über Trinkwasser oder Lebensmittel kann für die Bevölkerung also in allen untersuchten Regionen ausgeschlossen werden. Die Trinkwasseruntersuchungen zeigen, dass Gehalte von PFAS im Trinkwasser in allen untersuchten Regionen entweder nicht nachweisbar waren oder deutlich unter den geltenden Leitwerten lagen. 

Bei den rund 1.000 Blutproben aus den sechs Regionen lagen die PFOS- und PFOA-Werte bis auf drei Proben unter dem jeweiligen Maßnahmenwert (HBM-II-Wert) und die PFOS- und PFOA-Mittelwerte in allen Regionen unter dem jeweiligen Vorsorge- oder Zielwert (HBM-I-Wert). Die übrigen Stoffe lagen in allen Blutproben entweder unter der Bestimmungsgrenze oder waren nur in sehr geringen Konzentrationen nachweisbar. 

Für das Monitoring untersuchte das LGL im Rahmen des sogenannten One-Health-Ansatzes 969 anonyme Blutspenderproben sowie zusätzlich Trinkwasser und Lebensmittel aus jeweils drei Gebieten mit und ohne bekanntem Eintrag von PFAS in die Umwelt, die z. B. durch den Einsatz PFAS-haltiger Feuerlöschmittel in der Vergangenheit verursacht wurde. Die Blutspenderproben stammen aus Manching, Ansbach und Königsbrunn, Regionen mit bekanntem PFAS-Eintrag in die Umwelt (aus der zum damaligen Zeitpunkt chemikalienrechtlich noch zulässigen Anwendung von PFOS-haltigen Löschschäumen auf Militärflughäfen) sowie aus Schwabach, Wolnzach und Neusäß, Vergleichsregionen ohne bekannte PFAS-Einträge. Die Blutspenderproben wurden auf neun verschiedene, gesundheitlich relevante PFAS untersucht, einschließlich der Leitsubstanzen PFOA und PFOS. 

Um sich auch ein Bild von der Situation bei Lebensmitteln zu machen, untersuchte das LGL darüber hinaus Zufallsstichproben regional erzeugter Lebensmittel wie z. B. Hühnereier, Kartoffeln, Blattgemüse, Fleisch oder Milch. Zusätzlich wurden gezielt entnommene Proben von weiteren Lebensmitteln wie Fisch bewertet, bei deren Herkunftsort ein PFAS-Eintrag in die Umwelt bekannt war. Bei Fischen aus der Region Manching waren im Rahmen von Untersuchungen durch die Bundeswehr erhöhte PFOS-Gehalte festgestellt worden. Das Landratsamt Pfaffenhofen a.d. Ilm hatte daraufhin im Jahr 2019 empfohlen, auf den Verzehr von Fischen aus den betreffenden Gewässern zu verzichten. Bei den amtlichen Lebensmitteluntersuchungen wurde nur bei Hühnereierproben aus der Region Ansbach und der Region Manching PFOS nachgewiesen. In beiden Fällen wurden die Erzeuger informiert und in einem Fall die Abgabe vorübergehend eingestellt. 

Die Ergebnisse des Monitorings stützen insgesamt Beobachtungen aus anderen Regionen. Auch sie zeigen, dass PFAS-Einträge in die Umwelt (Grundwasser, Pflanzen, Tiere) für die Allgemeinbevölkerung nicht relevant sind, wenn PFAS im Trinkwasser entweder gar nicht nachweisbar sind oder die geltenden Leitwerte weit unterschritten werden, so wie es in den sechs Untersuchungsregionen des Monitorings der Fall ist.

Unabhängig davon bietet das LGL seit dem Jahr 2018 allen Bürgerinnen und Bürgern eine umweltmedizinische Beratung zum Thema PFAS an. Die LGL-Infoline ist erreichbar Mo, Di, Mi, Fr von 9.00-12.00 Uhr, Do von 13.00-16.00 Uhr unter der Rufnummer 09131-6808-2497 sowie per E-Mail an pfc@lgl.bayern.de. Weiterhin stellt das LGL auf seiner Homepage www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/pfas/index.htm umfangreiche Fachinformationen zu diesem Thema zur Verfügung. 

Der Bericht ist veröffentlicht unter www.lgl.bayern.de