Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Antibiotikarückstände in Kalbfleisch und Kalbsnieren Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Erzeugung - Untersuchungsergebnisse 2015

Unter der Bezeichnung Kalbfleisch darf EU-weit nur Fleisch von Rindern mit einem Alter bis zu acht Monaten in den Verkehr gebracht werden. Aus vorangegangenen Untersuchungen des LGL ist bekannt, dass Rückstände von Antibiotika in bis zu 50 % des konventionell erzeugten Kalbfleisches und damit häufiger als in Rindfleisch feststellbar sind. Da auch ökologisch erzeugte Kälber aus Tierschutzgründen im Krankheitsfall gemäß der EG-Öko-Basisverordnung unter Beachtung einer verdoppelten Wartezeit maximal einmal mit Antibiotika behandelt werden dürfen, untersuchte das LGL in einem Sonderuntersuchungsprogramm die Unterschiede der beiden Haltungsformen im Hinblick auf Antibiotikarückstände. Unter der Wartezeit wird die Zeitspanne verstanden, die zwischen der letzten Behandlung des Tieres und der Schlachtung mindestens eingehalten werden muss. Wartezeiten werden im Rahmen des Zulassungsverfahrens des jeweiligen Medikaments festgelegt. Da viele Arzneimittel über die Niere ausgeschieden werden, untersuchte das LGL neben Muskelfleisch auch Kalbsnieren auf Antibiotikarückstände. Die Proben wurden im bayerischen Einzelhandel sowie in Metzgereien und Reformhäusern entnommen. Das LGL analysierte sie auf 70 unterschiedliche Antibiotika aus den Gruppen der Tetracycline, Penicilline, Sulfonamide, Macrolide, Chinolone, Aminoglykoside, Lincosamide, Diaminopyrimidine, Pleuromutiline und Amphenicole. Durch die Vorgaben zur Rindfleischetikettierung konnten bei Proben in Fertigpackungen die Länder ermittelt werden, in denen die Tiere vor der Schlachtung aufgezogen und gemästet wurden (siehe Tabelle ). Bei Proben im losen Verkauf wurden Angaben zur Herkunft der Tiere in der Regel nicht an das LGL übermittelt.

Keine Antibiotikarückstände in ökologisch erzeugtem Kalbfleisch

Insgesamt untersuchte das LGL 68 Kalbfleischproben auf Antibiotikarückstände, davon 20 aus ökologischer Erzeugung. Während 30 % des konventionell erzeugten Kalbfleisches Antibiotikarückstände enthielten, war Bio-Kalbfleisch immer rückstandsfrei (siehe Abbildung). Wie bereits im Vorjahr wies das LGL nur Wirkstoffe aus der Gruppe der Tetracycline nach, wobei in zwei Drittel der rückstandshaltigen Proben die Wirkstoffe Tetracyclin oder Doxycyclin dominierten. Eine Probe wies 73 µg/kg Oxytetracyclin auf, blieb aber immer noch unterhalb der zulässigen Rückstandshöchstmenge von 100 µg/kg für Kälbermuskel und entsprach damit den gesetzlichen Vorgaben. Fünf der rückstandspositiven Kälber wurden in Deutschland gemästet, ein Tier stammte aus den Niederlanden. Zu den verbliebenen acht Kälbern lagen keine Informationen zum Herkunftsland vor.

Kalbsnieren ohne Marktrelevanz, aber häufiger mit Antibiotikarückständen

Von 60 angeforderten Kalbsnieren erhielt das LGL lediglich 26 Proben zur Untersuchung, darunter nur eine ökologisch erzeugte Kalbsniere. Ein Vergleich der Rückstandssituation zwischen konventionell und ökologisch erzeugten Kalbsnieren war damit nicht möglich. Offenbar spiegelt das eingeschränkte Kalbsnierenangebot des Handels die unbedeutende Rolle dieses Lebensmittels in Bayern wider. Während das Bio-Produkt keine Antibiotikarückstände enthielt, wies das LGL in jeder zweiten Probe der konventionell erzeugten Kalbsnieren Rückstände verschiedener Antibiotika nach. Der Großteil der Rückstände entfiel mit etwa zwei Drittel wiederum auf die Gruppe der Tetracycline, es waren jedoch auch Aminoglykoside sowie jeweils ein Macrolid-Antibiotikum und ein Sulfonamid nachweisbar. Eine Probe unbekannter Herkunft überschritt mit dem festgestellten Gehalt des Aminoglykosids Gentamicin die gesetzliche Rückstandshöchstmenge um das Fünffache und war nicht verkehrsfähig. Eine weitere Kalbsniere entsprach mit einem Gehalt von 861 µg/kg Tetracyclin ebenfalls nicht den gesetzlichen Vorgaben. Ermittlungen ergaben, dass das Tier in Bayern geboren, gemästet und geschlachtet wurde. Im Rahmen der Verfolgsmaßnahmen der bayerischen Vor-Ort-Behörde wurde dem Landwirt die unzulässige Verfütterung antibiotikahaltiger Milch an seine Kälber untersagt. Eine Probe aus Deutschland enthielt Gentamicin knapp unterhalb der festgelegten Rückstandshöchstmenge und entsprach damit gerade noch den gesetzlichen Vorgaben. Vier weitere rückstandspositive Kälber stammten aus Deutschland und zwei aus den Niederlanden. Für vier Tiere war der Ort der Endmast nicht bekannt.

Fazit

Während in ökologisch erzeugtem Kalbfleisch keine Antibiotikarückstände nachweisbar waren, hat das LGL in etwa 30 % des konventionell erzeugten Kalbfleisches Antibiotikarückstände gefunden. Da jedoch meist Spuren weit unterhalb der gesetzlichen Höchstmenge gemessen wurden, geht von diesen Rückständen nach derzeitigem Kenntnisstand kein gesundheitliches Risiko für Verbraucher aus. Kalbsnieren sind auf dem Markt zwar nur eingeschränkt verfügbar, enthalten aber deutlich häufiger und in größeren Mengen Antibiotikarückstände als Kalbfleisch. Deshalb ist von Innereien allgemein nur ein maßvoller Verzehr zu empfehlen. Um deutschlandweit Daten zu Antibiotikarückständen in Kalbfleisch zu erhalten, wird 2016 auf bayerische Initiative hin ein bundesweites Monitoring-Projekt zu diesem Thema durchgeführt.

Tabelle 1: Herkunft der Masttiere
Herkunftsland
DeutschlandNiederlandeFrankreichÖsterreichohne Angabe
Kalbfleisch
ökologische Erzeugung90038
konventionelle Erzeugung1851024
Kalbsnieren
ökologische Erzeugung00001
konventionelle Erzeugung152008

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