Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Noni-Saft - Das Wundermittel aus Tahiti?

Von: Dr. Wolfgang Schmid - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Was ist Noni-Saft?

Noni-Saft ist Saft aus der Indischen Maulbeere (Frucht der Species Morinda citrifolia L.). Sie hat ihren Ursprung in Franz. Polynesien (Tahiti).

Wie wird Noni-Saft beworben und welche Wirkung hat dieser tatsächlich auf den menschlichen Körper?

Laut Werbeaussagen ist Noni als Heilpflanze unschätzbar und soll eine Reihe gesundheitsfördernder Wirkungen haben.

Beispiele für solche Werbeaussagen sind:

  • senkt Bluthochdruck,
  • wirkt auf die Regulierung von Schlaf, Temperatur und Stimmung gemeinsam mit den Hormonen Melatonin und Serotonin,
  • steigert die Energie des Körpers,
  • wirkt als Antihistamin und entzündungshemmend,
  • lindert Schmerz,
  • hat antibakterielle Eigenschaften, die gegen Schädigungen des Verdauungssystems und des Herzens schützen können,
  • hindert die Entstehung der Vorstufe von Krebs und das Wachstum von Krebsgeschwüren,
  • Heilungsgeschichten von Krebspatienten im Endstadium.

ABER:

Nach einer Stellungnahme des Scientific Committee on Food vom 4. Dezember 2002 liegen für Noni-Saft keine Erkenntnisse hinsichtlich eines besonderen gesundheitsfördernden Effekts vor. Dies hat zur Folge, dass die oben genannten Werbeaussagen rechtlich unzulässig sind.

Wie sieht der rechtliche Hintergrund aus?

NONI-Saft® ist seit 1999 eine rechtlich geschützte deutsche Marke. In Europa sind die Frucht und der Saft daraus als "Neuartige Lebensmittel" eingestuft. Die rechtlichen Regelungen bezüglich neuartiger Lebensmittel sehen vor, dass jeder Hersteller das Inverkehrbringen solcher Lebensmittel für seine Firma genehmigen lassen muss.

Mit Entscheidung der Kommission (2003/426/EG) vom 5. Juni 2003 darf Noni-Saft in der Europäischen Gemeinschaft als neuartige Lebensmittelzutat zur Verwendung in pasteurisierten Fruchtsaftgetränken in Verkehr gebracht werden. Die Entscheidung gilt nur für die Firma Morinda Inc., USA. Auf dem Etikett oder im Zutatenverzeichnis der Fruchtsaftgetränke muss die Bezeichnung "Noni-Saft" oder "Morinda citrifolia-Saft" erscheinen.

Wollen andere Hersteller Noni-Saft bzw. pasteurisierte Fruchtsaftgetränke mit Nonisaft in den Verkehr bringen, müssen sie dies von der Europäischen Kommission genehmigen lassen. Zu diesem Zweck besteht für die neuen Inverkehrbringer die Möglichkeit, die Feststellung der Gleichwertigkeit zu beantragen und diese nach deren Feststellung bei der Kommission notifizieren zu lassen. Erst wenn die Notifizierung erfolgt ist, darf das Produkt in den Verkehr gebracht werden. Auch die Notifizierung gilt nur für den jeweiligen Antragsteller.

In der Zwischenzeit sind einige „Noni-Säfte bzw. pasteurisierte Fruchtsaftgetränke mit Nonisaft“ genehmigt bzw. notifiziert worden. Dies bedeutet, dass auch andere Hersteller diese Noni-Erzeugnisse vertreiben dürfen.

Was tut die bayerische Lebensmittelüberwachung?

Das Auffinden von Noni-Saft bzw. pasteurisierte Fruchtsaftgetränke mit Nonisaft gestaltet sich schwierig, da diese Erzeugnisse derzeit überwiegend über ungewöhnliche Vertriebswege an den Verbraucher gelangen, wie z. B. Internet oder Distributorensysteme. Allmählich werden Noni-Säfte jedoch auch im Einzelhandel angeboten, wie z. B. in Reformhäusern.

Die bisherigen Untersuchungen der bayerischen Lebensmittelüberwachung zeigen, dass sich derzeit Produkte im Markt befinden, die zum einen

  • keine Zulassung bzw. Genehmigung haben und/oder zum anderen
  • mit unzulässigen und irreführenden Werbeaussagen versehen sind
  • mit Wasser gestreckt wurden oder
  • Konservierungsmittel enthielten, obwohl als „garantiert ohne Konservierungsmittel“ ausgelobt

Was bedeutet das für den Verbraucher?

Die Produkte werden sehr teuer an den Verbraucher abgeben. In einem Beispiel betrug der Verkaufspreis für 750 ml 65 Euro. In Anbetracht dessen, dass beim Verzehr dieser Erzeugnisse keine besonderen gesundheitsförderlichen Wirkungen zu erwarten sind, stellt dies einen sehr hohen Preis für ein Lebensmittel dar.

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