Nicht-phthalathaltige Weichmacher in Raumluft und Hausstaub von Kindertagesstätten und bei den Kita-Kindern

Hintergrund

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) und das Landeslabor Berlin-Brandenburg untersuchten in einem gemeinsamen Projekt Im Rahmen der Länderuntersuchungsprogramme (LUPE III) das Vorkommen von nicht phthalathaltigen Weichmachern in Kindertagesstätten. Insgesamt gibt es über 300 verschiedene Arten von Weichmachern, von denen jedoch nur ca. 50-100 gewerblich genutzt werden. Im Jahr 2006 ging die Industrie davon aus, dass es sich in Westeuropa bei ca. 90 % um Weichmacher aus der Gruppe der Phthalate und zu 10 % um andere Weichmacher handelt. In der Zwischenzeit ist es zu deutlichen Verschiebungen im Anwendungsspektrum gekommen. Aufgrund der Diskussionen über gesundheitliche Risiken einiger seit langem eingesetzten Phthalate werden immer öfter Weichmacher aus anderen Substanzklassen als Ersatzstoffe eingesetzt, so dass deren Marktanteile, aber auch die Exposition der Bevölkerung ansteigt. Es handelt sich beispielhaft insbesondere um:

  • Hexansäureester (Cyclohexandicarbonsäurediiso-nonylester, DINCH)
  • Adipate (z.B. Diethylhexyladipat, DEHA)
  • Trimellitate (z.B. Trioctyltrimellitat, TOTM)
  • Terephthalate (z.B. Diethylhexylterephthalat, DEHT)
  • Zitrate (z.B. Acetyltributylzitrat, ATBC)

Methoden

Vor diesem Hintergrund wurde zur validen Abschätzung möglicher Risiken die aktuelle Expositionssituation von Kindern in Kindertagesstätten gegenüber den vorgenannten Weichmachern erhoben. Es wurden in insgesamt 63 Kindertagesstätten Proben genommen. An einem Kita-Tag wurde dabei die Raumluft beprobt, die Feinstaubgehalte (PM10 und PM2,5) direkt gemessen und verschiedene Raumklimaparameter bestimmt. Außerdem wurde am Ende des Kita-Tages der Bodenstaub des Gruppenraumes, in dem sich die Kinder aufhielten, mit einem speziellen Filteraufsatz abgesaugt. Darüber hinaus wurde bei insgesamt 208 Kindern aus 27 Kitas am Abend nach dem Kita-Tag von den Eltern eine Urinprobe der Kinder gesammelt.

Folgende Parameter wurden untersucht:

Tab. 1: Untersuchte Parameter bzw. Metabolite
Substanz Akronym Metabolit
Acetyltri-n-butylcitrat (Citroflex A-4®) ATBC -
Bis(2-ethylhexyl)adipat DEHA -
Di-n-butyladipat DnBA -
Di-iso-butyladipat DiBA -
Di-iso-nonyladipat DiNA -
Di(2-ethylhexyl)terephthalat DEHT -
Di-iso-nonyl-1,2-cyclohexandicarboxylat (Hexamoll®) DINCH MINCH
OH-MINCH
cx-MINCH
oxo-MINCH
Trioctyltrimellitat TOTM -

Ergebnisse

DINCH, DEHT und DEHA konnten in der Innenraumluft mit medianen Gehalten von 108 ng/m³, 20 ng/m³ und 34 ng/m³ gemessen werden. Im sedimentierten Staub lagen die medianen Konzentrationen bei 302 mg/kg für DINCH, 49 mg/kg für DEHA, 40 mg/kg für DEHT und 24 mg/kg für ATBC.

In den Urinproben wurden die drei sekundären Metaboliten des DINCH mit folgenden medianen und 95.-Perzentilwerten (in Klammern) bestimmt: 1,7 µg/l (10,0 µg/l) für OH-MINCH, 1,5 µg/l (8,0 µg/l) für oxo-MINCH und 1,1 µg/l (6,1 µg/l) für cx-MINCH. Diese Gehalte liegen deutlich unter dem aktuellen HBM-Wert, der von der Kommission Human-Biomonitoring für Kinder aufgestellt wurde.

Aus den Gehalten im Urin lässt sich unter Berücksichtigung der entsprechenden Toxikokinetikdaten die Gesamtaufnahme errechnen. Aus unseren Daten ergibt sich eine mediane Aufnahme der Kinder von 0,5 µg DINCH/kg Körpergewicht und ein Wert von 9,8 µg/kg KG, wenn der Maximalwert herangezogen wird.
Im Vergleich zu den bisher in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlichten Gehalten ergeben sich insbesondere für DINCH, aber auch für DEHT und DEHA deutlich ansteigende Gehalte in der Luft bzw. im Staub. Die aus dem Human-Biomonitoring errechnete Gesamtbelastung mit DINCH liegt derzeit deutlich unter der lebenslang duldbaren täglichen Dosis (sogenannter TDI-Wert). Allerdings muss mit einer weiteren Zunahme des Einsatzes von DINCH und damit auch der Zufuhr gerechnet werden.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Es liegt folgende wissenschaftliche Veröffentlichung zu dem Projekt vor:

Fromme H, Schütze A, Lahrz T, Kraft M, Fembacher L, Siewering S, Burkardt R, Dietrich S, Koch HM, Völkel W. Non-phthalate plasticizers in German daycare centers and human biomonitoring of DINCH metabolites in children attending the centers (LUPE 3). International Journal of Hygene and Environmental Health (elektronisch publiziert am 07.08.2015)
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26338253

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