Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Forschungsprojekt:
Infektionsepidemiologisches Netzwerk: Lebensmittelbedingte Infektionen in Deutschland

Kurzbeschreibung:

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert (FKZ: 01KI0208) und setzte sich aus folgenden Teilprojekten zusammen, an denen das LGL beteiligt war:

  • 1."Teilprojekt: Fall-Kontroll-Studie zu sporadischen EHEC-Erkrankungen": Hauptstudie wurde von April 2001 bis September 2003 durchgeführt, vorgeschaltet war eine Pilotstudie
    Im Zeitraum April 2001 bis September 2003 wurde in Kooperation mit dem Robert Koch-Institut eine Fall-Kontroll-Studie zur Identifizierung sporadischer STEC-Erkrankungen durchgeführt. Insgesamt konnten 188 Fall-Kontroll-Paare in die Analyse eingeschlossen werden. In der univariaten Analyse zeigte sich, dass für unterschiedliche Altersgruppen unterschiedliche Risikofaktoren für STEC-Infektionen bedeutsam sind. Für die Gruppe der Kinder unter 3 Jahren zeigte sich in der multiplen Analyse, dass Durchfall in der Familie, Hund als Haustier und der Konsum von Fruchtsaft aus Eigenherstellung mit der Erkrankung assoziiert war (p < 0,05). Für Kinder im Alter von 3 bis 9 Jahren waren in der bivariaten Analyse der „Kontakt zu Wiederkäuern“ mit einem Risiko für die Erkrankung verbunden (p < 0,05). In der Altersgruppe der Personen ab dem 10. Lebensjahr wurde in der bivariaten Analyse eine Assoziation von der Hackfleischzubereitung im Haushalt und der Erkrankung gefunden (p < 0,05). Diese Ergebnisse deuten auf eine altersabhängig unterschiedliche Ätiologie hin, mit einer Bedeutung der Mensch-zu-Mensch-Übertragung bei den Kleinkindern und der Übertragung durch direkten Kontakt mit Wiederkäuern bei den älteren Kindern.

  • 2."Teilprojekt: Intensivierte Surveillance von EHEC-Infektionen in Bayern": Monitoring von Trink- und Oberflächenwasser (1998 - 2002) und Untersuchung von Kläranlagen Zu- und Abflüssen (2003 - 2004)
    Teilkomponente:EHEC in Trink- und Oberflächenwasser
    Trinkwasserproben wurden bei Nachweis von E. coli und Oberflächengewässerproben ab 200 E. coli/100ml oder auf spezielle Anforderung auf EHEC weiteruntersucht. Der EHEC-Nachweis erfolgte mittels PCR, Kolonieblot und anschließender Serotypisierung isolierter Erreger.
    Von 1998 bis 2002 wurden 1220 Trinkwasserproben und 4923 Oberflächengewässerproben spezifisch auf EHEC untersucht. EHEC konnte aus 72 Proben (64 Isolate) der Trinkwasserversorgung und aus 124 Proben (80 Isolate) von Oberflächengewässern isoliert werden Der bei EHEC-Infektionen des Menschen am häufigsten nachgewiesene Serotyp O157 konnte 2002 erstmals aus zwei Trinkwasserproben nachgewiesen werden. Darüber hinaus die beim Menschen ebenfalls isolierten non-O157-EHEC-Stämme wie O26:H11, O91:H21 und O103:H2.

  • Teilkomponente: EHEC in Kläranlagenzu- und abläufen
    Die Belastung des Oberflächenwassers mit EHEC durch den Eintrag von Kläranlagenabwasser stellt eine potentielle Infektquelle für menschliche EHEC-Infektionen dar. Acht bayerische Kläranlagen wurden von 2003 bis 2004 regelmäßig beprobt und in 95 von 378 Fällen mittels Gennachweis eine EHEC Belastung festgestellt. Von den 95 positiven Befunden konnten 13 serotypisiert werden. Probenentnahme nach Regenfällen und nach Trockenheit hatten keinen Einfluss auf die EHEC Belastung.
    Mittels logistischer Regression wurde der Einfluss von Lage, Technik und Probenentnahme auf EHEC positive Proben untersucht. Es machte statistisch gesehen keinen Unterschied auf die EHEC Belastung, ob die Kläranlage über zwei oder drei Reinigungsstufen verfügte, wobei eine nicht signifikante Erhöhung um den Faktor 1,5 (95%CI: 0,94-2,44) für dreistufige Anlagen gefunden wurde. Allerdings erhöhten sich die Chancen (Odds) eine positive Wasserprobe zu ziehen durch ländliche Lage um 1,7 (95%CI: 1,03-2,69) und durch Entnahme am Zulauf um 2,1 (95%CI: 1,28-3,66).
  • 3."Teilprojekt: Campylobacter Infektionen in Deutschland": Untersuchung von Geflügelfleisch auf Campylobacter in ausgewählten Landkreisen, Isolierung von Campylobacter aus Stuhlproben.
    Das LGL war mit der Sammlung von aviären Campylobacter-Isolaten für die Studienleitung des Teilprojektes am Bundesinstitut für Risikobewertung betraut. Geflügelfleischproben aus sechs bayerischen Landkreisen im Zeitraum von Juni 2002 bis Mai 2004 wurden auf Campylobacter untersucht und gegebenenfalls der Keim isoliert. Insgesamt waren 141 von 232 untersuchten Proben positiv. Die Keimisolate wurden an das Bundesinstitut für Risikobewertung weitergeleitet.
    Desweiteren sammelte das LGL humane Campylobacter-Isolate für die Studienleitung des Teilprojektes am Institut für Hygiene und Umwelt Hamburg. Aufgrund geänderter Postversandbedingungen für die Beförderung von biologischem Gefahrengut wurde zunächst übergangsweise aus allen Stuhlproben des LGL mit positivem Campylobacterbefund eine Keimisolierung vorgenommen. Auf diese Weise wurden 125 Isolate an das Institut für Hygiene und Umwelt Hamburg geschickt. Ab Dezember 2003 konnte mit der eigentlichen Probensammlung laut Projektantrag in den drei südbayerischen Landkreisen begonnen werden. Bis zum Ende der Projektlaufzeit im September 2004 wurden 20 Campylobacter-Isolate von insgesamt 68 vormals an Campylobacter Erkrankten nach Hamburg weitergeleitet.

Über die Förderlaufzeit hinaus wurde das Netzwerk von Bayern aus durch bisher zwei EHEC-Workshops mit bundesweiter Resonanz unterstützt.

Laufzeit: 1999 bis 2004.

Eine Auswahl erfolgter Publikationen: