Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Forschungsprojekt: Nachweis von nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen (GVO); Weltweite Ermittlung, Importanalyse und Entwicklung von Nachweis-Methoden

Kurzbeschreibung

Gentechnisch veränderte Pflanzen (GVP) haben in den letzten 15 Jahren deutlich an Bedeutung in der Landwirtschaft und der Ernährung zugenommen. Mit zunehmender Anzahl von GVP, die weltweit angebaut werden, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass in der EU nicht zugelassene GVP auf dem Markt erscheinen. Die EU importierte 2009 insgesamt etwa 12,7 Millionen Tonnen Sojabohnen. Von den 63 Millionen Tonnen Sojabohnen, die Brasilien produzierte, sind etwa 24,6 Millionen Tonnen konventionelle Sojabohnen. Damit wäre ein ausschließlicher Import von nicht-GV-Sojabohnen aus Brasilien grundsätzlich machbar. Verunreinigungen mit GV-Sojabohnen können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Ein Import von nicht GV-Sojabohnen aus Argentinien oder den USA muss dagegen wegen des Anteils von GV-Soja am Gesamtsojaanbau von über 90% als nahezu unmöglich bewertet werden.

Um Verunreinigungen nachweisen zu können, sind detaillierte Informationen über diese GVP erforderlich. Zu diesem Zweck wurde im Rahmen dieses Projektes eine Excel-Datenbank erstellt, die möglichst alle angebauten und kommerziell gehandelten GVP erfasst. Informationen über neu eingebrachte Merkmale, Zulassungsstatus in der EU, Anbaustatus weltweit, Genabschnitte (Promotor- und Terminatorelemente, Signalpeptidelelemente), Hersteller und Identifikationscode (Unique Identifier) wurden zusammengetragen und 33 Pflanzenarten mit insgesamt 267 GV-Pflanzenlinien in diese Excel-Datenbank aufgenommen.

Der Anbau konzentriert sich weltweit auf Länder in Nord- und Südamerika, aber auch auf Länder im südostasiatischen Raum. Dabei sind Sojabohne, Mais, Raps und Baumwolle weiterhin die vorherrschenden GV-Pflanzen. 157 der in der Excel-Datenbank aufgeführten GV-Events besitzen weltweit eine Anbauzulassung. In Europa hingegen besitzen nur der Bt-Mais MON810 und die Amflora-Kartoffel (BPS-25271-9) eine Anbauzulassung, wobei der Anbau von MON810 auf nationaler Ebene in einigen EU-Mitgliedsstaaten einschließlich Deutschlands untersagt wurde. Eine Zulassung als Lebens- und/oder Futtermittel besitzen in der EU derzeit 39 GV-Events. Allerdings tauchen auch immer wieder nicht zugelassene GVP auf dem Markt auf. Um diese detektierten zu können, sind detaillierte Informationen über die neu eingebrachten gentechnischen Elemente notwendig. Von den in der Excel-Datenbank aufgeführten GVP besitzen 141 GV-Events eine Herbizidtoleranz, 87 GV-Events eine Insektenresistenz und 16 GV-Events eine Virusresistenz. Der Trend geht hin zu sogenannten „Stacked events“, die mehrere neue Eigenschaften besitzen.

Was die Nachweisbarkeit erschwert, ist die geringe Verfügbarkeit von Referenzmaterial für die einzelnen GVP. Für fast 72% aller in der Excel-Datenbank aufgeführten GVP ist kein Referenzmaterial verfügbar, so dass eine zweifelsfreie Identifizierung einzelner GV-Events nur schwer möglich ist. Der Nachweis einer gentechnischen Veränderung erfolgt dabei über die Analyse der DNA mittels Polymerasekettenreaktion (PCR). Anhand der Informationen aus der Excel-Datenbank wurden Kombinationen von Nachweissystemen untersucht, mit denen eine möglichst hohe Zahl an GVP detektiert werden kann. Das Screening-System mit den meisten GV-Events mit positivem Ergebnis ist das CaMV 35S/T-nos-System, das derzeit routinemäßig für Screeninguntersuchungen eingesetzt wird. 65,5% aller GV-Events in der Datenbank würden bei einem derartigen Screening ein positives Ergebnis liefern. Bei einem Screening auf die Elemente bar/pat/CP4 epsps/m-epsps läge die Zahl der GV-Events mit positivem Ergebnis bei 37,7%. Etwa 17,2% der GV-Events wären positiv bei einem Screening mit den Elementen ubq1/cry1Ab. Ein Screening mit dem CaMV 35S/T-nos-System ist damit nach wie vor am wirkungsvollsten.

Um ein GV-Event eindeutig zu identifizieren ist ein eventspezifischer Nachweis nötig. Häufig sind jedoch nur konstruktspezifische Nachweismethoden, mit denen einzelne Genabschnitte detektiert werden, vorhanden. Dies ist insbesondere bei vielen GV-Reislinien aus China der Fall. Im Jahr 2010 wurden Kontaminationen von Lebensmitteln mit GV-Reis nachgewiesen. Aufgrund der konstruktspezifischen Nachweise wurde davon ausgegangen, dass es sich dabei um Kefeng 6 handelt. Durch die Entwicklung eines eventspezifischen Nachweises wurde die Verunreinigung eindeutig identifiziert.

Laufzeit: 2008 bis 2010

Finanzielle Förderung: Dieses Forschungsprojekt wird durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) gefördert.