Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Pilotprojekt zu Lösemitteln in der Luft von Nagelstudios

Das Projekt wurde 2011 vom Sachgebiet Chemikaliensicherheit und Toxikologie des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gemeinsam mit den bayerischen Gewerbeaufsichtsämtern im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen durchgeführt.

Hintergrund

In Nagelstudios werden Produkte verarbeitet, die Gefahrstoffe - insbesondere Lösemittel - enthalten. Außerdem ist Mitarbeitern des GAA München aufgefallen, dass es in Nagelstudios oft stark nach den branchentypisch verwendeten methacrylathaltigen Produkten riecht. Über der Verwendung der verschiedenen Methacrylate in dieser Branche war ist allgemein wenig bekannt und nur für ein Methacrylat - Methylmethacrylat (MMA) - in der TRGS 900 ein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) von 210 mg/m3 bzw. 50 ml/m3 (ppm) festgelegt.

Tierexperimentell wirkt MMA bei akuter Exposition hautreizend und hautsensibilisierend. Bei Inhalation sind Läsionen im Bereich der Nase und Lungenveränderungen bis hin zum Lungenödem beschrieben. Bei den Beschäftigten des Nagelstudios, ggf. auch bei den Kunden, kann es eine Ursache für Kontaktdermatitis, asthmatische Beschwerden und Allergien sein. Bekannt sind Reizungen der Schleimhäute an Augen, Nasen- und Rachenraum sowie der Atemwege. Die verwendeten Lösemittel, insbesondere das Toluol, verursachen gleichfalls Schleimhautreizungen im Bereich des Nasen-, Rachenraumes und der Augen und wirken primär neurotoxisch, wobei sich je nach Expositionshöhe unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Nervosität und Schlaflosigkeit bis hin zu manifesten Schäden des zentralen Nervensystems zeigen können.

Ziel / Projektdurchführung

Ziel war die Bestimmung der Gefahrstoff- (Lösemittel-)konzentrationen in Nagelstudios und Überprüfung der Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte. Hierzu sollten zunächst vor-Ort-Messungen mit dem tragbaren FT-IR-Spektrometer GASMET durchgeführt werden. Weiterhin sollten Erkenntnisse gewonnen werden, welche weiteren Methacrylate in den in Nagelstudios eingesetzten Produkten enthalten sind und ob diese Methacrylate in der Luft in messbaren Konzentrationen vorkommen, die für Beschäftigte oder Nutzer der Nagelstudios ein gesundheitliches Problem darstellen können.

Insgesamt wurden in diesem Pilotprojekt Messungen in sieben Nagelstudios durchgeführt. Die in der Nagelstudioluft gemessenen Methylmethacrylatkonzentrationen lagen zwischen 0,5 und 4 ppm. Außer Methylmethacrylat konnte nur noch Ethylmethacrylat in der Luft in einem Studio als weiterer Vertreter der Methacrylate nachgewiesen werden. In der Luft aller Nagelstudios trat der Polymerisationsbeschleuniger N,N-Dimethyl-p-toluidin in Konzentrationen von einigen µg/m3 auf. Lösemittel waren ebenfalls nur in Spurenkonzentrationen vorhanden.

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