Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Pressemitteilung

08.06.2022
Nr. 19/2022

Gesundheit

Riskant und doch meist mit dabei: Alkohol - Gesundheitsreport "Suchtmonitoring Bayern 2: Alkohol" ist erschienen

Ob im Biergarten oder bei einer Familienfeier – der Konsum von Alkohol gehört in Deutschland bei vielen Anlässen dazu. Der Alkoholkonsum ist gesellschaftlich akzeptiert und hat hierzulande eine lange Tradition. Im internationalen Vergleich gilt Deutschland mit einem Verbrauch von 10,7 Litern Reinalkohol pro Kopf pro Jahr als ein sogenanntes Hochkonsumland, in dem auch die gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums merklich spürbar sind. Dies geht aus dem Gesundheitsreport „Suchtmonitoring Bayern 2: Alkohol“ hervor, den das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) herausgibt. Zielgruppenspezifische Angebote und Initiativen zur Alkoholprävention sind daher nach wie vor unabdingbar und in Bayern auch zahlreich vorhanden. 

„Der Einstieg in eine Alkoholabhängigkeit vollzieht sich oft schleichend", erklärt LGL-Präsident Prof. Christian Weidner. "Ein Warnzeichen kann sein, wenn Alkohol täglich ganz selbstverständlich getrunken wird. Die breite gesellschaftliche Akzeptanz des Alkoholkonsums erschwert es aber, sich mit den eigenen Konsumgewohnheiten auseinanderzusetzen.“ 
Alkoholkonsum ist zwar bereits unter Jugendlichen verbreitet – fast zwei Drittel der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren in Deutschland haben einer Studie zufolge schon einmal Alkohol getrunken – der regelmäßige Alkoholkonsum sowie der Konsum riskanter Mengen ist bei Jugendlichen aber seit Jahren rückläufig. „Es gibt allerdings keinen risikofreien Alkoholkonsum. Alkohol an sich ist ein Zellgift und schon geringe Mengen bedeuten ein Risiko für die Gesundheit“, betont Weidner

Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen führten auch zu Veränderungen beim Alkoholkonsum. Gelegenheitskonsumierende tranken eher weniger Alkohol. Die fehlende Stimmung zum Konsum und Mangel an Konsumgelegenheiten gelten als ausschlaggebende Gründe. Hingegen nahmen Personen, die schon vor der Pandemie zu den Hochkonsumierenden zählten, mehr Alkohol zu sich. Faktoren, die zu einer Steigerung des Alkoholkonsums während der Pandemie geführt haben, sind Depressionen, Sorgen und Ängste sowie mehr Freizeit und Gefühle von Langeweile. Psychische Erkrankungen im Zusammenhang mit alkoholbedingten Erkrankungen sind keine Seltenheit. Sie können sowohl Ursache als auch Folge von Alkoholmissbrauch- oder Abhängigkeit sein. Die beiden am häufigsten mit Alkoholkonsumstörungen einhergehenden psychischen Erkrankungen sind Depressionen und Angsterkrankungen.

Die stationären Behandlungsfälle infolge von Alkohol fielen 2020 niedriger aus als in den Jahren zuvor. Hier kommen längerfristige Trends und Corona-Effekte zusammen. Bei den stationären Fällen aufgrund eines akuten Alkoholrausches geht es vor allem um Jugendliche und junge Erwachsene, der Trend ist hier bereits über die letzten zehn Jahre rückläufig. 12.839 Fälle waren es 2020 in bayerischen Krankenhäusern. Bei der Alkoholabhängigkeit stehen dagegen Erwachsene im Vordergrund. 2020 wurden 16.349 Personen aufgrund von Alkoholabhängigkeit in bayerischen Krankenhäusern behandelt, in der großen Mehrheit Männer.

Alkohol kann nicht nur die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten schädigen, sondern hat auch Folgen für die Gesellschaft, beispielsweise durch Kosten für Behandlungen im Gesundheitswesen, Arbeitsunfähigkeit, vorzeitige Rentenzugänge aufgrund von Erwerbsminderung und Verkehrsunfälle durch Alkoholeinfluss. Neben der Familie und dem sozialen Umfeld ist die Arbeitswelt der Lebensbereich, der durch riskanten Alkoholkonsum und Abhängigkeit am stärksten beeinträchtigt wird. Bis zu 10 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Betrieben haben einen problematischen Alkoholkonsum. Etwa 5 % von ihnen sind alkoholabhängig, unter den Führungskräften sind es bis zu 10 %. Die Arbeitswelt ist somit ein wichtiger Bereich für Maßnahmen zur Suchtprävention. Studien belegen ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis von betrieblichen Suchtpräventionsprogrammen.

Alkoholprävention in Bayern
Um für das Thema Alkohol zu sensibilisieren, gibt es in Bayern zahlreiche Initiativen unterschiedlicher Akteure im Rahmen der Präventionsarbeit: So beteiligen sich beispielsweise die Krankenkassen, die Wohlfahrtsverbände und staatliche Stellen, wie  das Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung (ZPG) am LGL, an der Alkoholprävention. Die Anfragen zur Alkoholprävention aus dem schulischen Setting sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Dies kann als Beleg für den hohen Stellenwert der Alkoholprävention in der Schule gesehen werden.

  • Das Projekt Schwanger? Null Promille! richtet sich an Verwandte und Freunde einer werdenden Mutter. Noch immer ist zu wenig bekannt, dass Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft ein großes Risiko für das Kind bedeutet. Väter, Großeltern, Freundinnen und Freunde, Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, sowie Fachleute: Alle können werdende Mütter dabei unterstützen, alkoholfrei die Schwangerschaft zu erleben.
  • PiA – Peers informieren über Alkohol ist ein Projekt, das Kommunen bei der Implementierung des Peer-Ansatzes zur Alkoholprävention unterstützt. Dabei werden geschulte, gleichaltrige oder etwas ältere Jugendliche (Peers) als Multiplikatoren und Multiplikatorinnen eingesetzt. Das ZPG koordiniert das Projekt und organisiert u. a. die Schulungen der Peers.
  • Den Durchblick haben, klarsehen, sich und anderen nichts vormachen – darum geht es beim interaktiven KlarSichtParcours der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu Alkohol und Tabak. Für die Präventionsarbeit mit Schülerinnen und Schülern ab dem Alter von 12 Jahren stellt das ZPG eine mobile Variante bayernweit kostenfrei zur Verfügung. 
  • Die Maßnahme Klar bleiben hingegen regt dazu an, den eigenen Alkoholkonsum kritisch zu beleuchten. Klassen ab der Jahrgangsstufe 9 können sich gemeinsam zu einem Experiment anmelden, bei dem sie sechs Wochen lang „klar bleiben“ und ihre Einstellung zum Alkohol reflektieren. Erfolgreich „klar gebliebene“ Klassen können Preise gewinnen.
  • Das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu stärken ist das Ziel der erst kürzlich stattgefundenen bundesweiten Aktionswoche Alkohol. In ganz Deutschland sollen Informations- und Aufklärungsaktionen die Diskussion anregen und zur kritischen Reflexion des eigenen Alkoholkonsums bewegen. In Bayern unterstützt das ZPG die Aktivitäten.

Weitere Informationen finden sich unter:
Alkohol - ZPG-Bayern
Suchtprävention in Bayern - ZPG-Bayern

Der Gesundheitsreport ist unter folgendem Link zu finden: 
Gesundheitsreport Suchtmonitoring Bayern 2: Alkohol (bayern.de)