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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Pflanzenschutzmittel in Trinkwasser – Untersuchungsergebnisse 2007

"Das Trinkwasser ist unser höchstes Gut und sollte frei von Verunreinigungen sein." Um diesen Grundsatz zu erfüllen, sind die Wasserversorger angehalten, das Trinkwasser regelmäßig auch auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Biozidprodukten untersuchen zu lassen, um den Grenzwert von 0,1 µg/l einzuhalten. Für die Kontrolle sind die Gesundheitsämter zuständig.

Auftragsuntersuchungen

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurde von den Gesundheitsämtern mit der Untersuchung von 301 Proben auf Pflanzenschutzmittel beauftragt, die in der Regel risikoorientiert entnommen werden. 26 Proben stammten aus Einzelwasserversorgungen und 275 Proben aus zentralen Wasserversorgungen. Die Untersuchungen umfassten neben den bis zu 90 Wirkstoffen auch deren bekannte Metabolite. Wie in den Jahren zuvor wies das LGL Atrazin (71 %) und sein Abbauprodukt Desethylatrazin (78 %) am häufigsten nach, gefolgt von Desethylsimazin (45 %), Propazin (40 %), Desethylterbuthylazin (38 %), Simazin (25 %), Terbuthylazin (19 %), 2,6-Dichlorbenzamid (15 %) und Ethidimuron (15 %). Im Gegensatz zu den anderen Triazinen mit Gehalten weit unter dem Grenzwert von 0,1 µg/l der Trinkwasserverordnung (höchster Wert: 0,04 µg/l), stellte das LGL für Atrazin bei 34 % der Proben (maximal 0,37 µg/l) und für Desethylatrazin bei 52 % der Proben (maximal 0,60 µg/l) Grenzwertüberschreitungen fest.

Sonderuntersuchungsprogramm

Im November 2006 wurde den bayerischen Fachbehörden bekannt, dass in Grundwasser mitunter höhere Konzentrationen von Desphenylchloridazon, eines Metaboliten des Rübenherbizids Chloridazon, gefunden wurden. Daraufhin startete das LGL kurzfristig ein Sonderuntersuchungsprogramm mit 232 Proben im Dezember 2006 und 371 Proben im Berichtsjahr. Aufgrund neuer Erkenntnisse erweiterte das LGL im Frühjahr 2007 den Untersuchungsumfang um Desphenylchloridazon-methyl, einem weiteren Metaboliten von Chloridazon und um N,N-Dimethylsulfamid (DMS), einem Metabolit des im Obst und Weinbau verwendeten Fungizids Tolylfluanid. DMS kann bei der Trinkwasseraufbereitung durch Ozonung in das krebserzeugende N-Nitrosodimethylamin (NDMA) umgewandelt werden und ist deshalb von besonderer Bedeutung.

In knapp 50 % der Proben wies das LGL die beiden Metaboliten von Chloridazon nach. In 35 % aller Proben lagen die Gehalte über dem Wert von 0,1 µg/l. Der Wirkstoff selbst wurde nur in circa 5 % der Proben gefunden. DMS hat das LGL in 7 % der Proben detektiert. Alle bekannten Trinkwasserversorgungen in Bayern, bei denen während der Aufbereitung das Wasser ozoniert wird, wurden zusätzlich auf Rückstände an NDMA überprüft. Das Umwandlungsprodukt wurde aber in keiner der Trinkwasserproben nachgewiesen.

Nach neueren Informationen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist bei weiteren Wirkstoffen (Chlorthalonil, Dimethachlor, Metazachlor, S-Metolachlor) mit Metaboliten im Grundwasser zu rechnen. Erste orientierende Untersuchungen des LGL wiesen darauf hin, dass auch von diesen Stoffen Konzentrationen über 0,1 µg/l im Trinkwasser enthalten sein können.

Nach der gesundheitlichen Beurteilung durch das LGL bergen die festgestellten Werte jedoch kein Risiko. Die trinkwasserrechtliche Bewertung solcher Pflanzenschutzmittel-Abbauprodukte ist noch strittig und wird derzeit auf Bundesebene zwischen allen beteiligten Behörden abgestimmt.

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