Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Forschungsprojekt: Etablierung einer schnellen automatisierten Aufarbeitungsmethode zur gleichzeitigen Bestimmung von dioxinähnlichen PCB neben Dioxinen und Furanen in Lebens- und Futtermitteln

Kurzbeschreibung

Dioxine entstehen bei thermischen Prozessen aus kohlenstoffhaltigen Verbindungen und organischen oder anorganischen Chlorverbindungen. Die Bildung läuft bei Temperaturen zwischen 300 und 600 °C ab, wird von Metallionen wie Kupfer katalysiert und durch Sauerstoffmangel bzw. großem Sauerstoffüberschuss begünstigt. Dioxine wurden nie gezielt hergestellt, sie fallen als Neben- und Abfallprodukte bei der Herstellung chemischer Verbindungen (Pflanzenschutzmittel, Chlorphenol, etc.) an oder entstehen bei Müllverbrennung, Brandrodung, Hausfeuerung, metallurgischen Prozessen (Stahl-, Aluminium-, Nickelherstellung, Kupferrecycling, etc.), beim Bleichen von Zellstoff und bei der Kompostierung.

Die Dioxine gelangen über die Rauchgase und Verbrennungsrückstände in die Atmosphäre, werden verteilt und gelangen durch Deposition (trocken=Absetzen von Partikeln oder nass=Ausregnen) in die Umwelt. Dioxine sind also ubiquitär in der Umwelt vertreten, in der Luft (Rauchabgase), im Wasser (atmosphärische Deposition, Industrieabwässer, Klärschlamm, Pflanzenschutzmittel), im Boden (atmosphärische Deposition, Klärschlamm, Pflanzenschutzmittel, Kompostierung), in Pflanzen (atmosphärische Deposition, Pflanzenschutzmittel, Klärschlamm) und in Tieren (Futter, Boden, Abwässer). Aufgrund der Persistenz und der Bioakkumulation reichern sich die Dioxine in der Umwelt an. Ein Abbau findet in der Atmosphäre oder in Oberflächenwasser durch Photolyse statt, im Boden werden Dioxine durch einige Mikroorganismen langsam abgebaut.

Der Mensch nimmt ca. 95 % der Dioxine über die Nahrung auf, nur etwa 1 % werden inhalativ und 1 % über die Haut resorbiert. Nach der Resorption werden die Dioxine im Fettgewebe, Leber, Haut und Muskeln gespeichert, über die Muttermilch gelangen die Dioxine zum Säugling. Aufgrund der hohen Stabilität läuft die Metabolisierung langsam ab, die Ausscheidung erfolgt über die Faeces, die Halbwertszeit von 2,3,7,8 TCDD beim Menschen beträgt etwa 8 Jahre. Problematisch ist die Metabolisierung der Dioxine, bei der die Verbindungen in eine reaktive Form umgewandelt werden, bevor die Konjugation und damit die Ausscheidung erfolgt.

In den vergangenen Jahren wurde durch geeignete Maßnahmen wie Rauchgasentstaubung und günstige Reaktionsführung bei Verbrennungsprozessen, der Dioxineintrag gesenkt, da aber immer noch Dioxine in der Umwelt vorhanden sind, sind zum Schutz der Menschen Höchstmengen für Dioxine in Lebensmitteln durch die Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 festgesetzt worden.

Für eine vollständige Beurteilung von Lebens- und Futtermitteln bezüglich der Einhaltung der gemeinsamen Höchstwerte an Dioxinen, Furanen und dioxinähnlichen PCB sind seit dem 4. November 2006 Untersuchungen der in den einschlägigen Rechtsvorschriften festgelegten Lebensmittel (VO (EG) Nr. 199/2006) und Futtermittel (Richtlinie 2006/13/EG) auf die oben genannten Parameter unerlässlich. Die Ausweitung des Analysenumfangs pro Probe um die dioxinähnlichen PCB zieht aus Kapazitätsgründen zwangsläufig eine Verringerung der Probenanzahl nach sich. Nur mit Hilfe von verstärkter Laborautomation kann dieser Konsequenz entgegen gewirkt werden. Deshalb wurde eine schnelle automatisierte Aufarbeitungsmethode zur gleichzeitigen Bestimmung von dioxinähnlichen PCB neben Dioxinen und Furanen in Lebens- und Futtermitteln entwickelt und etabliert.

Laufzeit: 2006-2008