Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Pestizide und Polychlorierte Biphenyle (PCB) in tief gefrorenem Lammfleisch aus dem Handel - Untersuchungsergebnisse 2005

Lammfleisch

Lammfleisch ist längst über die Osterzeit hinaus zu einem ganzjährig gefragten Lebensmittel geworden, das sich besonders zur Grillsaison zunehmender Beliebtheit erfreut. Ein beträchtlicher Teil des Angebotes besteht aus importierter Tiefkühlware, die in Supermärkten erhältlich ist. Als "Lammfleisch" darf Fleisch von Schafen bis zu einem Alter von einem Jahr bezeichnet werden.

Was hat das LGL untersucht?

Die Untersuchungen erstreckten sich vor allem auf die Kontamination der Erzeugnisse mit Organochlorpestiziden und Polychlorierten Biphenylen (PCB). Diese Stoffe sind aufgrund ihrer extremen Stabilität auch noch Jahrzehnte nach ihrem Anwendungsverbot in der Umwelt nachzuweisen. Da sie sich im Organismus, und zwar im Körperfett, anreichern, spielen sie als Verunreinigungen in Lebensmitteln tierischer Herkunft nach wie vor eine Rolle.

Zusätzlich wurde auch auf Rückstände von insektiziden Wirkstoffen (Pyrethroide und Phosphorsäureester) geprüft, die über ihren möglichen Einsatz als Tierarzneimittel zur Ektoparasiten-Bekämpfung auch in das Fleisch gelangen können.

Im Marktangebot von tiefgekühltem Lammfleisch scheint inländische Ware kaum eine Rolle zu spielen. So waren sämtliche im Handel gezogenen 24 Proben ausländischer Herkunft, wobei 23 aus Neuseeland stammten und eine Probe aus Uruguay. Es handelte sich vor allem um Lammfilets, Lammsteaks und Lammkeulen(scheiben). Der durchschnittliche Fettgehalt dieser Fleischstücke betrug 13,5%.

Das Ergebnis unserer Untersuchung

Nach den durchgeführten Untersuchungen auf Organochlorpestizide und PCB ist erfreulicherweise festzustellen, dass die zulässigen Höchstmengen von keiner der 24 Proben auch nur annähernd erreicht wurden. Hinsichtlich der Art der ermittelten Stoffe ergab sich bei den 23 Proben aus Neuseeland ein weitgehend einheitliches Bild: Es waren ausschließlich Hexachlorbenzol (HCB) und DDT (hauptsächlich in Form des Abbauproduktes DDE) nachweisbar. Die Probe aus Uruguay enthielt hingegen nur eine geringe Spur an HCB.

Die zusätzlich durchgeführte Prüfung auf insektizide Wirkstoffe (Pyrethroide und Phosphorsäureester), die als Tierarzneimittel zur Ektoparasiten-Bekämpfung eingesetzt werden können, brachte ebenfalls ein erfreuliches Ergebnis: Derartige Rückstände waren in keiner Probe nachweisbar.

Vergleich der tiefgefrorenen Importproben mit Schaf- bzw. Lammfleisch aus bayerischen Schlachthöfen

Im Vergleich mit Schaf- bzw. Lammfleisch aus bayerischen Schlachthöfen, die fortwährend im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplanes untersucht werden, ergaben sich bei den neuseeländischen Erzeugnissen zwei signifikante Unterschiede:

1. Eine auffällig höhere Kontamination mit DDT

2. Keinerlei Spuren von PCB

Einen Überblick über die unterschiedliche Schadstoffverteilung gibt die nachfolgende Tabelle.

Tabelle 1: Vergleich der Gehalte an Organochlorpestiziden und PCB in Lammfleisch aus Neuseeland und Bayern; Gehaltsangaben in mg/kg
Probenherkunft HCB DDT, Summe PCB Nr. 153
Zulässige Höchstmenge 0,2* 1,0* 0,1**
Mittelwert aller Proben Neuseeland
Bayern
0,002
0,007
0,093
0,006
n.n.
0,006
Gemessene Maximalgehalte Neuseeland
Bayern
0,006
0,016
0,38
0,027
n.n
0,018
Nachweishäufigkeit in % Neuseeland
Bayern
100
100
96
80
0
100

* Anlage: 1, Liste B zu § 1 Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV)
** PCB: Anlage Liste A zu § 1 Schadstoff-Höchstmengenverordnung (SHmV)
PCBNr. 153 als wichtigste Einzelverbindung stellvertretend für PCB-Kontamination

Während das gänzliche Fehlen der früher technisch vielseitig eingesetzten PCB in den neuseeländischen Proben vermutlich auf eine vergleichsweise geringere Industrialisierung zurückzuführen sein dürfte, lässt sich ein Grund für die auffällig höhere Kontamination mit DDT nur schwer ableiten. Der Einsatz von DDT als Pflanzenschutzmittel ist in Neuseeland ebenso wie in Westeuropa seit mehr als 30 Jahren verboten. Möglicherweise spielte DDT jedoch auch noch in späteren Jahren auf dem Gebiet der Parasitenbekämpfung eine Rolle.

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