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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

PFOA und PFOS in Fischen

Nach ersten Schwerpunktuntersuchungen im Umkreis des Industrieparks Gendorf erfolgten bayernweite Untersuchungen von Fisch aus heimischen Gewässern und Fisch aus anderen Fanggebieten, der im Handel als Lebensmittel vertrieben wurde. Die Untersuchungen beschränkten sich anfangs auf die beiden Leitsubstanzen PFOA und PFOS, die als mengenmäßig bedeutendste Vertreter der PFT gelten. Das LGL nahm situationsbezogen weitere PFT in den Messumfang mit auf und prüft seit dem Jahr 2016 auf mindestens 13 Substanzen aus der Substanzklasse
Eine Höchstmengenregelung für Rückstände perfluorierter Tenside in Lebensmitteln besteht nicht. Für die Beurteilung von PFT-Rückständen prüft das LGL daher im Rahmen einer toxikologischen Bewertung, ob vom Verzehr der zu beurteilenden Lebensmittelprobe möglicherweise eine Gesundheitsgefährdung ausgehen könnte. Ist diese nicht sicher auszuschließen, ergreifen die Behörden die notwendigen Maßnahmen, um eine Gefährdung der Verbraucher auszuschließen. Zum Beispiel kann die Verwendung von Fisch aus einem bestimmten Gewässer als Lebensmittel untersagt werden.
In Tabelle 1 sind die Untersuchungsergebnisse von Süß- und Seewasserfische sowie Proben von Krebstieren über den Zeitraum von 2006 bis in das Jahr 2018 hinein dargestellt (Stichtag ist über der Tabelle angegeben). Bei Seefischen aus dem Handel und Krebstieren wie Garnelen, Krevetten etc. wurden keine oder meist sehr niedrige Gehalte an PFOA und PFOS bestimmt. Auch bei Süßwasserfischen, die aus nicht belasteten Gewässern stammten, waren meistens keine oder nur geringfügige PFT-Gehalte messbar. Erhöhte Werte wurden in Fischproben aus einzelnen Gewässern ermittelt, bei denen z. B. durch die Anwendung von PFT-haltigen Löschschäumen oder industrielle Emissionen ein Eintrag in die Umwelt stattgefunden hat. In einem Fall ergab sich eine Konzentration von über 1,5 mg PFOS im Kilogramm verzehrbarer Anteil, so dass beim dauerhaften Verzehr solchermaßen belasteten Fischs eine Gesundheitsgefährdung nicht auszuschließen war. In diesem Fall wurde die Nutzung des betroffenen Teichs für Speisefische untersagt. Sofern sich in anderen Fällen auffällig über der Hintergrundbelastung liegende Gehalte ergaben, wurden die Fische als ungeeignet für den menschlichen Verzehr beurteilt und vorsorglich die Empfehlung ausgesprochen, auf den Verzehr von Fischen aus den betroffenen Gewässern zu verzichten. Fische aus der Alz wiesen bei den ersten Analysen des LGL im Jahr 2006 PFOA-Gehalte bis maximal 52,5 µg/kg. Seit PFOA im Werk Gendorf nicht mehr verwendet wird, gingen die Gehalte aber stark zurück. PFOS hat das LGL in Fischen aus der Alz bis maximal 21,3 µg/kg nachgewiesen (siehe Untersuchung von Lebensmitteln im Landkreis Altötting– Untersuchungsergebnisse 2007–2018; Tabelle 2). Bei allen Fischproben aus dem Landkreis Altötting ergab die toxikologische Bewertung mit dem zum jeweilligen Bewertungszeitraum gültigen Bewertungsmaßstab, dass selbst der dauerhafte Verzehr der kontaminierten Fische nicht geeignet ist, eine Gesundheitsschädigung hervorzurufen. Der Verzehr der Fische trägt jedoch zur Gesamtbelastung der Menschen in der Region mit PFTs bei.

Tabelle 1: PFT-Proben von Fischen (entnommen aus Bayern ohne Proben mit Herkunft aus dem Landkreis Altötting, Stichtag: 10.09.2018)
Entnahme-zeitpunkt Entnahmestelle bzw. Region Proben-zahl Art der Proben PFOA (µg/kg) PFOS (µg/kg)
Min. Max. Min. Max.
September 2007-März 2008 Teichwirtschaften, vorwiegend Franken 18 Karpfen, Forelle, Saibling n. n.   n. n. 1,7
Oktober 2007 Teichwirtschaft Franken 7 Barbe, Aitel, Forelle, Aal n. n.   n. n. 3,3
Oktober 2007- Mai 2008 Oberflächengewässer Oberbayern 10 Renken, Brachsen, Karpfen n. n. 2,8 n. n. 4,6
Oktober 2007– Mai 2008 Bodensee 13 Felchen, Flussbarsch, Hecht, Weißfische n.n.   9,0 115,6
Juli–Oktober 2008 Donau 10 Aal, Waller n.n.   7,3 47,1
April-September 2010 Handel (weltweite Fanggebiete) 35 Seefisch (Kabeljau, Pangasius, Seezunge, Scholle, Lachs) n.n. n.n. 2,5
Mai-Dezember 2010 Donau, Main, Regnitz, Saale 8 Aale n.n. 1,1 n.n. 70,0
September 2010 Bay.Oberflächengewässer 10 Brachse, Giebel Hecht, Schleihe, Karpfen, Aal n. n. 1,3 39,9 491,2
November/Dezember 2010 Mittelfranken/Oberbayern 3 Süßwasserfische (Forelle, Karpfen) n .n. n.n.
März-Juni 2011 Bayer.Oberflächengewässer (See/Weiher), (PFT-Schadensfall, nicht Umkreis Gendorf) 8 Karpfen, Aal, Hecht, Waller, Schleie n .n. 4,0 6,1 200,7
Mai 2011- April 2012 Donau, Paar 12 Barbe, Zährte, Nase, Aal, Karpfen, Brachse, Forelle n. n. n. n. 47,5
Oktober 2012 Bayer. Oberflächengewässer (See/Weiher) (PFT-Schadensfall, nicht Umkreis Gendorf 5 Karpfen, Wels, Flussbarsch n. n. 0,6 57,7 603,0
Februar/März 2013 Handel (weltweite Fangebiete) 17 Pangasius n. n. 0,2 n. n. 2,4
März-Mai 2013 Handel (weltweite Fanggebiete) 10 Aal (auch geräuchert) n. n. 1,1 n. n. 20,9
März 2013 Bayer.Oberflächnengewässer (See/Weiher) (PFT-Schadensfall, nicht Umkreis Gendorf) 15 Forellen n. n. 0,9 4,8
Juli 2013 Bayer. Oberflächnengewässer (Fluss) (PFT-Schadensfall, nicht Umkreis Gendorf) 3 Brachse, Forelle n. n. 0,6 72,3 711,0
Februar-Oktober 2014 Handel (weltweite Fangebiete) 16 Forelle n. n. 32,3 n. n. 5,4
Juni 2014 Donau 1 Aal n. n.   27,8  
September/November 2014 Handel (weltweite Fanggebiete) 11 gerächerter Aal n. n. n. n. 13,1
April–September 2015 Handel (weltweite Fanggebiete) 20 Lachs, Lachsfilet n. n. 0,2 n. n. 4,5
April–Oktober 2015 Handel (weltweite Fanggebiete) 25 Seelachs n. n. 4,5 n. n. 5,5
Mai-Oktober 2015 Bayer.Oberflächnengewässer (See/Weiher) (PFT-Schadensfall, nicht Umkreis Gendorf) 20 Forellen, Giebel,, Schleie, Äsche, Saibling, Hecht, Zander n. n. 2,7 n. n. 1453
Juli-September 2015 Bayer.Oberflächnengewässer (See/Weiher) (PFT-Schadensfall, nicht Umkreis Gendorf) 10 Karpfen n. n. n. n. 420
August/September 2015 Bayer.Oberflächnengewässer (See/Weiher) (PFT-Schadensfall, nicht Umkreis Gendorf) 3 Aale n. n. 0,5 12,6 1503
November 2016 Bayer.Oberflächnengewässer (See/Weiher) (PFT-Schadensfall, nicht Umkreis Gendorf) 3 Karpfen n. n. 50,7 65,9
April-November 2017 Bayerische Gewässer und Handel 20 Forellen (Bachforelle, Lachsforelle, Regenbogenforelle) n. n.   n. n.  
September-November 2017 Handel (weltweite Fanggebiete) 16 Thunfisch (auch in Öl) n. n.   n. n. 1,3
Oktober-Dezember 2017 Handel 18 Lachs, Makrele n. n.   n. n.  
Mai/Juni 2018 Handel 10 Thunfisch, Filets n. n. < 0,5
(BG)
n. n.  
Juni–Oktober 2018 Bayer.Oberflächnengewässer (See/Weiher) (PFT-Schadensfall, nicht Umkreis Gendorf) 6 Forelle, Hecht, Saibling n. n. < 0,5
(BG
< 0,5 (BG) 216,7

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