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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Untersuchung von Gemüse auf PFT - Untersuchungsergebnisse seit 2007

Die sogenannten perfluorierten Tenside mit den beiden Leitsubstanzen Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), die in der Vergangenheit am häufigsten industriell eingesetzt wurden, gehören zur großen chemischen Gruppe der poly- und perfluorierte Substanzen, kurz als PFAS bezeichnet. Bei den PFAS sind alle oder weitgehend alle Wasserstoffatome am Kohlenstoffgerüst durch Fluoratome ersetzt.

Die perfluorierten Tenside lassen sich inzwischen in vielen Umweltmedien und Organismen nachweisen; ihre Verwendung ist aufgrund ihrer Persistenz und Akkumulation teilweise verboten.

Generell sind diese Substanzen in Lebensmitteln unerwünscht, weil sie sich im menschlichen Organismus anreichern und Gesundheitsschäden bei Aufnahme ausreichend hoher Substanzmengen auftreten können. Das LGL untersucht deshalb seit dem Jahr 2007 pflanzliche Lebensmittel auf eine Reihe dieser PFAS. Dadurch sollen Belastungsschwerpunkte erkannt und eine Gefährdung der Verbraucher ausgeschlossen werden. Zusätzlich zu den Untersuchungen von Lebensmittelproben führte das LGL auch ein Forschungsprojekt durch, in dem unter anderem in einem Modellversuch ermittelt wurde, wie PFOA und PFOS von verschiedenen Gemüsesorten aus dem Boden aufgenommen werden. Die Ergebnisse wurden auf Tagungen vorgestellt und sind veröffentlicht (siehe weiterführende Literatur).

Forschungsprojekt „Nachweis und Eintrag perfluorierter Tenside aus dem Boden in pflanzliche Lebensmittel“

Das Projekt wurde durch das damalige Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz in den Jahren 2008 bis 2010 gefördert. In kleinem Maßstab wurden Kartoffeln, Karotten, Gurken auf Böden angebaut, denen unterschiedliche Mengen an PFOS und PFOA zu gesetzt wurden. Nach der Ernte wurde untersucht, wie sich die Stoffe in den Pflanzen verteilt hatten. Es zeigte sich, dass die beiden PFT tatsächlich aus dem Boden in die Pflanzen übergehen und höhere Mengen im Boden auch zu höheren Gehalten in den Pflanzen führen. Der stärkste Übergang findet jeweils in die grünen Pflanzenteile statt (Kartoffelkraut, Karottenkraut und Stängel wie Blätter der Gurkenpflanze), während die verzehrbaren Anteile (Kartoffelknolle, Karottenrübe und Salatgurke) geringere Konzentrationen aufweisen. Der Übergang von PFOA ist im Durchschnitt größer als der von PFOS. Die Aufnahmeraten sind von der Pflanzenart abhängig: Karotten und Gurken nehmen in etwa gleich viel an PFOA auf, während der Übergang in die Kartoffel niedriger ist. PFOS wird unter den Bedingungen des Modellversuchs dagegen nur von Karotten messbar aufgenommen. Die gemessene Menge an PFOS entspricht in etwa der Menge an aufgenommener PFOA. In der nachfolgenden Grafik sind die Ergebnisse zusammenfassend dargestellt:

Ergebnis des Modellversuchs des LGL mit Kartoffel, Karotte und Gurke. Gehalte an PFOA und PFOS in den verschiedenen Pflanzenteilen in Abhängigkeit von der experimentell erzeugten Bodenkonzentration. Diese ist jeweils unter dem Balken als Messwert bezogen auf die Trockenmasse (TM) in Klammern hinter der Gemüsesorte angegeben. Dargestellt als Balken ist jeweils der Gehalt in der Pflanze der als Bodenkonzentration angegebenen Substanz (PFOA oder PFOS).

Abbildung: Ergebnis des Modellversuchs des LGL mit Kartoffel, Karotte und Gurke. Gehalte an PFOA und PFOS in den verschiedenen Pflanzenteilen in Abhängigkeit von der experimentell erzeugten Bodenkonzentration. Diese ist jeweils unter dem Balken als Messwert bezogen auf die Trockenmasse (TM) in Klammern hinter der Gemüsesorte angegeben. Dargestellt als Balken ist jeweils der Gehalt in der Pflanze der als Bodenkonzentration angegebenen Substanz (PFOA oder PFOS).

Messwerte in Proben pflanzlicher Lebensmittel aus Bayern

Dargestellt sind die Untersuchungsergebnisse von Lebensmittelproben, die von Kreisverwaltungsbehörden aus Bayern entnommen und deren Gehalte an PFOS und PFOA in den meisten Fällen am LGL und vereinzelt am Fraunhofer Institut in Freising bestimmt wurden.

Im Jahr 2006 ermittelte das Fraunhofer Institut in Freising im Auftrag des LGL bei einer Probe Eichblattsalat aus der Umgebung des Industrieparks Gendorf einen Gehalt von 0,5 µg/kg PFOA. In einer zweiten Probe Zucchini, die ebenfalls aus derselben Gegend stammte, war kein PFOA-nachweisbar.

In den meisten bislang am LGL untersuchten Lebensmittelproben pflanzlichen Ursprungs konnten keine PFAS nachgewiesen werden. In der Tabelle sind diese Untersuchungsergebnisse mit n.n. angegeben. Lediglich in drei Proben Spargel aus verschiedenen Gegenden Bayerns, bei denen dem LGL keine PFOA-Belastung bekannt ist, und in drei Proben Karotten sowie einem Blattsalat aus dem Landkreis Altötting mit bekannter Kontamination durch PFOA in der Umwelt, stellte das LGL niedrige Gehalte PFOA fest. Die Mengen lagen unter der Bestimmungsgrenze der Methode. Deshalb kann kein exakter Wert für den Probengehalt, sondern dieser nur kleiner als die Bestimmungsgrenze in der Tabelle angegeben werden.

In der folgenden Tabelle sind alle Ergebnisse zusammengefasst dargestellt:

Entnahme-zeitpunkt Entnahmestelle bzw. Region potentiell belastetes Gebiet Probenzahl Art der Proben PFOA [µg/kg] PFOS [µg/kg]
          Min. Max. Min. Max.
Jun 2007 Umkreis Gendorf ja 1 Eichblattsalat 0,5 n.n.
Jun 2006 Umkreis Gendorf ja 1 Zuchini n.n. n.n.
Sep/Okt 2007 Bayern nein 7 Karotten/Möhren n.n. n.n. n.n. n.n.
Okt 2007 Umkreis Gendorf ja 2 Karotten/Möhren n.n. < 1,6 n.n. n.n.
Sep/Okt 2007 Bayern nein 14 Kartoffeln n.n. n.n. n.n. n.n.
Okt 2007 Umkreis Gendorf ja 7 Kartoffeln n.n. n.n. n.n. n.n.
Aug-Okt 2008 Bayern nein 11 Karotten/Möhren n.n. n.n. n.n. n.n.
Aug 2008 Umkreis Gendorf ja 2 Karotten/Möhren n.n. < 1,6 n.n. n.n.
Sep/Okt 2008 Bayern nein 8 Kartoffeln n.n. n.n. n.n. n.n.
Sep 2008 Umkreis Gendorf ja 4 Kartoffeln n.n. n.n. n.n. n.n.
Mai/Jun 2008 Bayern z. T. 18 Spargel n.n. < 1,6 n.n. n.n.
Sep 2009 Bayern k. A. 10 Beikost Gemüse n.n. < 1,6 n.n. n.n.
Jul/Aug 2009 Bayern z. T. 7 Blattsalat n.n. n.n. n.n. n.n.
Jul 2009 Umkreis Gendorf ja 3 Blattsalat n.n. n.n. n.n. n.n.
Aug 2010 Umkreis Gendorf ja 1 Heidelbeeren n.n. n.n.
Aug 2010 Umkreis Gendorf ja 2 Pilze, Öttinger Forst n.n. 1,7 n.n. n.n.
Jul/Aug 2011 Bayern z. T. 22 Karotten/Möhren n.n. n.n. n.n. n.n.
Jul 2011 Umkreis Gendorf ja 2 Karotten/Möhren n.n. n.n. n.n. n.n.
Jul 2011 Umkreis Gendorf ja 1 Salatgurke n.n. n.n.
Jul-Sep 2011 Bayern nein 19 Pilze n.n. 0,6 n.n. n.n.
Aug 2011 Umkreis Gendorf ja 3 Pilze, Öttinger Forst n.n. n.n. n.n. n.n.
Nov/Dez 2011 Bayern z. T. 22 Bier n.n. n.n. n.n. n.n.
Nov 2011 Umkreis Gendorf ja 2 Bier n.n. n.n. n.n. n.n.
Aug 2012 Bayern nein 17 Pilze n.n. n.n. n.n. n.n.
Sep 2012 Umkreis Gendorf ja 4 Pilze, Öttinger Forst n.n. n.n.
Mai-Jul 2012 Bayern z. T. 12 Blattsalat n.n. n.n. n.n. n.n.
Mai / Jun 2012 Umkreis Gendorf ja 2 Blattsalat n.n. n.n. n.n. n.n.
Jul 2012 Stadt Fürth ja 1 Rhabarber n.n. n.n.
Jul 2012 Umkreis Gendorf ja 1 Waldheidelbeeren n.n. n.n.
Sep 2012 Stadt Nürnberg ja 1 Brombeeren n.n. n.n.
Jun/Jul 2013 Bayern z. T. 13 Erdbeeren n.n. n.n. n.n. n.n.
Jun 2013 Umkreis Gendorf ja 2 Erdbeeren n.n. n.n. n.n. n.n.
Jul-Sep 2013 Bayern z. T. 18 Blattsalat n.n. n.n. n.n. n.n.
Jul 2013 Umkreis Gendorf ja 2 Blattsalat n.n. n.n. n.n. n.n.
Aug-Okt 2013 Bayern z. T. 19 Zwiebeln n.n. n.n. n.n. n.n.
Sep 2013 Umkreis Gendorf ja 1 Zwiebeln n.n. n.n.
Aug 2013 Bayern z. T. 7 Tomate n.n. n.n. n.n. n.n.
Aug 2013 Umkreis Gendorf ja 1 Tomate n.n. n.n.
Sep 2013 Umkreis Gendorf ja 1 Pilze n.n. n.n.
Jun-Nov 2014 Bayern z. T. 18 Kartoffeln n.n. n.n. n.n. n.n.
Sep 2014 Umkreis Gendorf ja 2 Kartoffeln n.n. n.n. n.n. n.n.
Jul 2014 Stadt Nürnberg ja 2 Brombeeren n.n. n.n. n.n. n.n.
Jul 2014 Stadt Nürnberg ja 3 Pilze n.n. n.n. n.n. n.n.
Aug/Sep 2017 Bayern z. T. 6 Zuchini n.n. n.n. n.n. n.n.
Aug/Sep 2017 Umkreis Gendorf ja 5 Zuchini n.n. n.n. n.n. n.n.
Jun-Sep 2017 Bayern z. T. 8 Blattsalat n.n. n.n. n.n. n.n.
Jun/Jul 2017 Umkreis Gendorf ja 5 Blattsalat n.n. < 0,3 n.n. 0,6

Weiterführende Literatur

  • Dissertation:, Lechner, M. Nachweis und Eintrag perfluorierter Tenside (PFT) in Lebensmittel, Erlangen, 2014 https://www.analytik-news.de/Dissertation/Lechner-Mareike.html
  • Publikation: Lechner, M. und Knapp, H., J. Agric. Food Chem. 2011, 59(20), 11011-11018.
    Posterbeitrag: Lechner, M.; Knapp, H.; Pischetsrieder, M., Perfluorierte Tenside (PFT) in pflanzlichen Lebens- und Futtermitteln, Modellversuch versus Realdaten aus Bayern, 38. Deutscher Lebensmittelchemiker-Tag, Berlin, 14. -16. September 2009.
    Posterbeitrag: Lechner, M., Knapp, H., Pischetsrieder, M., Analysis of perfluorinated acids in biological and environmental matrices using a modified QuEChERS-method, 2nd International Workshop “Fluorinated Surfactants: New Developments“ Idstein, June 17-19, 2010

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