KAMEL - FAQs
Nachfolgend finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Forschungsprojekt "Hilfestellung zu Klimaanpassungsmaßnahmen in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung sowie heilpädagogischen Tagesstätten (KAMEL)"
1. Warum sind Kinder durch Hitze und UV-Strahlung besonders gefährdet?
Aufgrund der geringeren Körpergröße haben Kinder ein für die Hitzebelastung ungünstiges Körperoberflächen-zu Volumen-Verhältnis und es ist für den Körper eines Kindes schwer, die Körpertemperatur stabil bei 36°C bis 37°C zu halten. Ein kleinerer Körper heizt sich schneller auf und kühlt auch schneller wieder ab als der größere Körper von Erwachsenen. Zudem schwitzen Kinder weniger, was die Kühlung zusätzlich erschwert. Auch bewegen sich Kinder gerne, was wiederum Wärme im Körper produziert. Die Haut ist anfälliger für Schäden durch UV-Strahlung, im Vergleich zu Erwachsenen [1-4].
Zusätzlich verbringen Kinder viel Zeit im Freien, wodurch sie einer höheren Exposition ausgesetzt sind. Kinder sind außerdem noch nicht in der Lage, die Gefahren und gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze bzw. UV-Strahlung selbständig einzuschätzen, weshalb sie besonderen Schutz benötigen [1, 3].
2. Welche körperlichen Symptome signalisieren Hitzeprobleme?
- Durst und trockene Schleimhäute (trockener Mund)
- Erhöhte Körpertemperatur, Erschöpfungs- oder Schwächegefühl
- Übelkeit, Erbrechen, Schwindel
- Unruhe, Erregung
- Kreislaufprobleme
- Roter, heißer Kopf, eher kühle Haut am restlichen Körper
- Starkes Schwitzen
- Kopfschmerzen, Nackenschmerzen/-steifigkeit
- Aufmerksamkeitsstörungen, Verwirrtheit, Benommenheit, verlangsamte Reflexe, Verständnisschwierigkeiten
- Körper kühlen
- Flüssigkeit zuführen
- Beine hochlagern
- gegebenenfalls medizinische Hilfe anfordern
Erste-Hilfe-Maßnahmen:
3. Warum ist Sonnenschutz vor allem für Kinder wichtig?
Sonnenschutz ist grundsätzlich wichtig, da die UV-Strahlung der Sonne die Hautzellen dauerhaft schädigen und Hautkrebs zur Folge haben kann. Für Kinder ist der Sonnenschutz besonders wichtig, da die Haut von Kindern sehr empfindlich ist und UV-Strahlung tief in die Haut eindringen kann. Dies kann eine Schädigung der Hautstammzellen zur Folge haben. Bei Kindern liegen diese aufgrund der dünneren Hautschichten näher an der Hautoberfläche als bei Erwachsenen. Dadurch können die Hautstammzellen durch die UV-Strahlung schneller und stärker geschädigt werden [3, 5]. Insbesondere Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Risiko für Hautkrebs. Durch Sonnenschutzmaßnahmen kann dieses Risiko stark gesenkt werden [6-8].
4. Wie wird Sonnencreme richtig verwendet?
20–30 Minuten vor dem Aufenthalt im Freien sollten unbedeckte Hautstellen mit Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor (LSF) 50 eingecremt werden, damit sich eine gleichmäßige Schutzschicht bilden kann. Um den angegebenen LSF zu erreichen, sollten bei Erwachsenen etwa 30–40 ml (ca. vier gehäufte Esslöffel) und bei Kindern von 3 bis 6 Jahren etwa zwei gehäufte Esslöffel für den ganzen Körper aufgetragen werden. Es sollte regelmäßig (mindestens alle zwei Stunden) nachgecremt werden. Wird zu wenig aufgetragen oder die Creme abgewaschen bzw. abgerieben, sinkt der Schutz [9].
Erneutes Auftragen verlängert die Schutzzeit nicht, da Sonnenschutzmittel das Eindringen von UV-Strahlung nur reduzieren, aber nicht vollständig verhindern. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer steigt daher die aufgenommene UV-Strahlung, bis die Belastungsgrenze der Haut erreicht ist. Nachcremen dient vor allem dazu, Lücken im Schutzfilm zu schließen, die z. B. durch ungleichmäßiges Auftragen, Schwitzen oder Abrieb entstehen [9].
5. Was sind Klimaanpassungsmaßnahmen und warum sind diese für Einrichtungen der Kindertagesbetreuung sinnvoll?
Die Veränderungen des Klimawandels (z.B. zunehmende Hitzeereignisse) können sich auf unsere Gesundheit auswirken. Klimaanpassungsmaßnahmen helfen dabei, uns an diese Veränderungen anzupassen und so unsere Gesundheit zu schützen.
Klimaanpassungsmaßnahmen können in drei Kategorien eingeteilt werden:
- Vorbereitende Maßnahmen für Tage mit einer Gefühlten Temperatur ab ca. 32 °C* und/ oder erhöhter UV-Belastung (UV-Index ≥ 2)**,
- Maßnahmen bei Tagen mit einer Gefühlten Temperatur ab ca. 32 °C und/ oder erhöhter UV-Belastung (UV-Index ≥ 2) und
- Nachbereitende Maßnahmen und Evaluation nach Phasen mit einer Gefühlten Temperatur ab ca. 32 °C und/oder erhöhter UV-Belastung (UV-Index ≥ 2)
Da die Gesundheit der Kinder besonders durch die Auswirkungen des Klimawandels beeinträchtigt werden kann (s. Frage 1), sind Klimaanpassungsmaßnahmen in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung von großer Bedeutung. Diese kommen außerdem zugleich dem pädagogischen Personal zugute.
*Die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) definierte „Gefühlte Temperatur“ berücksichtigt verschiedene Faktoren (Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, UV-Strahlung und Windstärke). Ab einer Gefühlten Temperatur von 32 °C geht der DWD von einer starken Wärmebelastung der Bevölkerung aus (Hitzewarnung der Stufe I)[10].
**Der UV-Index (UVI) gibt jeweils den erwarteten Tageshöchstwert der UV-Strahlung an. Bereits ab einem Wert von 2 können Schutzmaßnahmen erforderlich sein. [11]
6. Welche Klimaanpassungsmaßnahmen schützen vor Hitze und UV-Strahlung?
Bei Hitze und hoher UV-Strahlung ist es wichtig, rechtzeitig zu handeln. Die folgenden Klimaanpassungsmaßnahmen schützen vor Hitze und UV-Strahlung [9, 11-15]:
- Information: Das Personal sollte über mögliche Gefährdungen durch Hitze und UV-Strahlung sowie Schutzmaßnahmen informiert sein, und auch Eltern sollten regelmäßig über das aktuelle Wetter und die getroffenen Maßnahmen informiert werden. Es empfiehlt sich die Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdiensts und den UV-Newsletter des Bundesamts für Strahlenschutz zu abonnieren.
- Räume kühl halten: Temperatur mehrmals täglich kontrollieren, besonders kühle Räume als Rückzugsorte nutzen. Rollläden, Jalousien oder Vorhänge tagsüber geschlossen halten und Schattenplätze schaffen.
- Kühlen und Trinken: Kühlpacks oder Wasserspiele einsetzen. Kinder regelmäßig ans Trinken erinnern (ca. 0,75–1 Liter ungesüßte Flüssigkeit pro Tag für 2–6-Jährige)[16] und leichte, wasserreiche Speisen wie Obst oder Salate anbieten.
- Lüften: Vorzugsweise nur in den frühen Morgenstunden lüften, Ventilatoren und Belüftungsanlagen energieeffizient nutzen.
- Auf Kinder achten: Verhalten und mögliche Symptome der Kinder beobachten, Vorkommnisse und Maßnahmen dokumentieren.
- Aufenthalt im Freien anpassen: Zwischen 11 und 15 Uhr möglichst drinnen bleiben und anstrengende Aktivitäten vermeiden. Zum Schutz vor Hitze vorzugsweise ruhige Beschäftigungen wie Vorlesen oder Basteln anbieten. Ab einem UV-Index von 6 sollte der Aufenthalt im Freien auf den Vormittag begrenzt werden. Ab einem UV-Index-Wert von 8 sollten sich die Kinder nur im Innenbereichen aufhalten.
- Sonnenschutz: Beim Aufenthalt im Freien Schatten aufsuchen, eine Kopfbedeckung, Sonnenbrille (UV400), luftige und langärmlige Kleidung sowie den Fußrücken bedeckende Schuhe tragen. Zusätzlich bereits 20-30 Minuten vor dem Aufenthalt im Freien Sonnenschutzcreme mit LSF ≥ 50 auftragen und regelmäßig nachcremen.
7. Sind Kitas zu Klimaanpassungsmaßnahmen verpflichtet?
Nicht nur der Schutz der Kinder, sondern auch der Beschäftigten ist wichtig. Nach dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz seiner Beschäftigten mit entsprechenden Maßnahmen sicherzustellen. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) beschreibt, wie der Schutz der Gesundheit von Beschäftigten im Rahmen der Einrichtung und des Betriebs von Arbeitsstätten umzusetzen ist. Auch die Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ist laut Sozialgesetzbuch (SGB VII) dazu verpflichtet, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren mit geeigneten Mitteln zu verhüten.
8. Wo kann ich mich zusätzlich zum Thema informieren?
- Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V.
- Klima-Mensch-Gesundheit
- Stiftung Deutsche Krebshilfe
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz
- Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e.V.
- Universität Potsdam
- Klima Kita Netzwerk
Literatur
- Böse-O’Reilly, S., F. O’Reilly, and C. Roeßler, Hitzebelastung bei Kindern. Monatsschrift Kinderheilkunde, 2023. 171(2): p. 124–129.
- Smallcombe, J.W., et al., Thermoregulation and dehydration in children and youth exercising in extreme heat compared with adults. British journal of sports medicine, 2025. 59(16): p. 1151–1159.
- Schoierer, J., et al., Climate change-a health issue (also) for families and their young children? Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz, 2024. 67(12): p. 1343–1349.
- Smith, C.J., Pediatric Thermoregulation: Considerations in the Face of Global Climate Change. Nutrients, 2019. 11(9).
- Bundesamt für Strahlenschutz, Sonnenschutz für Kinder in Kindergarten und Grundschule: Infobroschüre für Eltern. 2019.
- Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, Leitfaden UV-Schutz in Kindertageseinrichtungen: Die wichtigsten Regelungen und Empfehlungen für eine UV-Schutz-gerechte Kindertageseinrichtung. 2021.
- Baldermann, C., G. Laschewski, and J.-U. Grooß, Impact of climate change on non-communicable diseases caused by altered UV radiation. Journal of health monitoring, 2023. 8(Suppl 4): p. 57–75.
- Baldermann, C. and S. Lorenz, UV-Strahlung in Deutschland: Einflüsse des Ozonabbaus und des Klimawandels sowie Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz, 2019. 62(5): p. 639–645.
- Bundesamt für Strahlenschutz. UV-Schutz durch Sonnencreme. 09.12.2025]; Available from: https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/schutz/sonnencreme/sonnencreme_node.html.
- Deutscher Wetterdienst. FAQ: Hitzewarnsystem. 22.07.2025]; Available from: https://www.hitzewarnungen.de/faq.jsp?warnkrit.
- Bundesamt für Strahlenschutz. Was ist der UV-Index? 04.05.2026]; Available from: https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/uv-index/einfuehrung/einfuehrung.html.
- Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Handlungsempfehlungen für KITAs zum Umgang mit Starkregenereignissen.
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BlÖG). Klima Mensch Gesundheit: Tipps für Kitas & Schulen. 28.01.2026]; Available from: https://www.klima-mensch-gesundheit.de/hitzeschutz/kitas-und-schulen/.
- Landeshauptstadt Stuttgart, Hitzeschutzplan für Kindergärten und Kindertagesstätten. 2025.
- Hansestadt Lübeck, Musterhitzeschutzplan Kinderbetreuungseinrichtungen. 2023: Lübeck.
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BlÖG). Kindergesundheit-info.de: Trinken und Getränke für Kinder. 25.11.2025]; Available from: https://www.kindergesundheit-info.de/themen/ernaehrung/1-6-jahre/trinken-getraenke/.

