Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Epidemiologische Begleitforschung zu kurativen und Screening-Koloskopien im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung in Bayern

Prof. Dr. Ulrich Mansmann, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE)

Mit 2008 bundesweit neu erkrankten 223.100 Frauen und 246.700 Männern ist das kolorektale Karzinom (KRK) bei beiden Geschlechtern die zweithäufigste Krebserkrankung, nur übertroffen von Karzinomen der Brust bzw. der Prostata. Im selben Jahr verstarben in der Bundesrepublik 99.572 Frauen und 115.870 Männer an der Erkrankung. Das KRK ist damit bei beiden Geschlechtern die zweithäufigste Ursache von Krebstoden, lediglich übertroffen von Brust- bzw. Lungenkrebs.

Neben definierten Risikoerkrankungen (bspw. der familiären adenomatösen Polyposis FAP, dem hereditären, nicht-polypösen Kolonkarzinom HNPCC oder der Colitis ulcerosa) gibt es Lebensstilfaktoren, die das Auftreten eines KRK begünstigen, etwa ballaststoffarme und fettreiche Ernährung, Alkoholkonsum oder Zigarettenrauchen. Die Erkrankung tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf. In allen Altersgruppen sind Männer häufiger betroffen als Frauen.

Als Adenom-Karzinom-Sequenz bezeichnet man den Entwicklungsprozess im Vorfeld der Krebsentstehung: Das KRK entwickelt sich kaskadenartig aus gutartigen, aber zunehmend entartenden Vorstufen, zumeist Adenomen. Der Prozess dauert ungefähr zehn Jahre. Diese zehn Jahre bieten ein Zeitfenster für echte Krebsvorsorge, d. h. Früherkennung vor dem Auftreten eindeutig bösartiger Veränderungen.

Das Krebsfrüherkennungsangebot der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) umfasst jährliche Testbriefuntersuchungen auf okkultes Blut im Stuhl ab dem 50. Lebensjahr sowie zwei totale Koloskopien im Abstand von zehn Jahren ab dem Alter von 55 Jahren. Da beim Screening die weit überwiegende Mehrheit der Zielpersonen erkrankungsfrei ist, die Koloskopie als Screeningverfahren hingegen risikobehaftet, ist eine kontinuierliche epidemiologische Qualitätssicherung und Risiko-Nutzen-Bewertung ein unverzichtbarer Bestandteil derartiger Früherkennungsprogramme.

Im Rahmen der Elektronischen Koloskopiedokumentation der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) wurden ab 2006 neben allen Screening- auch sämtliche kurativen Koloskopien im Rahmen der GKV in Bayern via WWW dokumentiert. Gemeinsam mit der Medizinischen Klinik 2 des Klinikums der LMU (Standort Großhadern) befasst sich das IBE mit epidemiologischen Auswertungen des umfangreichen Datenmaterials zu vielfältigen Themen, die ihren Niederschlag in multiplen wissenschaftlichen Publikationen in Dehochrangigen Zeitschriften gefunden haben.

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