Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Implementierung und Anwendung der ICF Core Sets der Hand in der klinischen Praxis, Rehabilitation und Forschung: Leuchtturmprojekt Hand

Prof. Dr. Ulrich Mansmann, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBE):

Hintergrund

Nach Verletzungen oder Erkrankungen der Hand (z.B. Fingerfrakturen; Sehnenverletzungen; Karpaltunnelsyndrom) ist die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit vorrangiges Ziel klinischer und therapeutischer Arbeit. Dabei bildet ein umfassendes Verständnis darüber, wie Verletzungen bzw. Erkrankungen der Hand auf die Gesundheit der Betroffenen wirken, die Basis für eine optimale Versorgung der Betroffenen. Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) bietet mit ihrer bio-psycho-sozialen Perspektive von Gesundheit ein ideales Rahmenwerk, um den Einfluss von Verletzungen und Erkrankungen auf die Funktionsfähigkeit differenziert zu erfassen. In einem Kooperationsprojekt mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus Hamburg (BUKH) wurden 2008 bis 2010 die ICF Core Sets der Hand entwickelt, mit denen eine umfassende Beschreibung der Funktionsfähigkeit von Betroffenen möglich ist.

Fragestellung

Ziel des „Leuchtturmprojekt Hand“ ist es, die ICF Core Sets der Hand in der klinischen Praxis - von der Akutversorgung bis zum Abschluss der Heilbehandlung bzw. Wiedereingliederung in das Arbeitsleben - zu implementieren. Dabei soll ein ICF-basiertes Assessment mit festgelegten Referenzpunkten im Behandlungsverlauf, ICF-basierte Behandlungsstandards und ein entsprechendes Berichtswesen entwickelt und in der Praxis implementiert werden. Das von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung geförderte Projekt ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Forschungseinheit für Biopsychosoziale Gesundheit am Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung und dem BUKH sowie neun weiteren Kliniken.

Methodik

Das Projekt gliedert sich in die folgenden fünf Arbeitspakete

(I) Bestimmung von Instrumenten für ein ICF-basiertes Assessment der Funktionsfähigkeit basierend auf systematischen Literaturreviews, einer Expertenbefragung und einer Konsensuskonferenz (Arbeitspaket I)
(II) Einsatz und Testung des ICF-basierten Assessments in einer Querschnittstudie
(III) Entwicklung von Behandlungsstandards und Referenzpunkten für ein ICF-basiertes Assessment in der Heilbehandlung von ausgewählten Verletzungen und Erkrankungen der Hand
(IV) Implementierung der Behandlungsstandards und Referenzpunkte für ein ICF-basiertes, EDV-gestütztes Assessment in einer Längsschnittstudie
(V) Entwicklung eines Lernprogramms und von Lernmaterialien zu den entwickelten ICF-basierten Arbeitshilfen und Behandlungsstandards.

Stand des Projektes

Das Projekt wird im Zeitraum von 2012 bis 2015 durchgeführt. Der aktuelle Stand stellt sich wie folgt dar: Ein zweistufiges Verfahren (Screening – spezifische Diagnostik) für ein ICF-basiertes Assessment der Funktionsfähigkeit wurde auf einer Konsensuskonferenz (Dezember 2012) festgelegt. Dieses Verfahren wurde 2013 in einer multizentrischen Querschnittstudie (10 Kliniken; N=294 Patienten) erprobt. Behandlungsstandards und Referenzpunkte für ein ICF-basiertes Assessment für sechs ausgewählte Verletzungen und Erkrankungen der Hand liegen ebenfalls vor. Derzeit laufen die Planungen für die Implementierung der Behandlungsstandards und Referenzpunkte für das ICF-basierte Assessment in einer multizentrischen Längsschnittstudie.