Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Stationäre Aufnahmen wegen unerwünschter Arzneimittelereignisse (UAE): Analyse der DRG-Statistik 2006

C. Amann, J. Hasford, J. Stausberg
Gesundheitswesen 2012; 74(10): 639-644

Hintergrund

Unerwünschte Arzneimittelereignisse (UAE) sind in den Industriestaaten für 1-5% der stationären Aufnahmen verantwortlich. Durch die etablierten Meldesysteme und gängigen Studiendesigns werden diese nur selektiv erfasst. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es daher, Ausmaß, Verteilung und Zusammenhänge von UAEs als Grund der stationären Aufnahme über die Routinedaten der DRG-Statistik zu ermitteln.

Methoden

Zur Identifikation von UAEs wurde eine Aufstellung von 502 einschlägigen ICD-10-GM-Kodes verwendet. Diese wurde auf Kodes reduziert, die durch ihre Definition gesichert ein arzneimittelinduziertes Ereignis anzeigen. Datengrundlage war die DRG-Statistik 2006, die über eine Fernabfrage beim Statistischen Bundesamt univariat und bivariat ausgewertet wurde. Der Grund zur stationären Aufnahme wurde über die Hauptdiagnose identifiziert.

Ergebnisse

Unter allen stationären Aufnahmen (N=16 230 407) waren 0,92% sicher durch ein UAE bedingt. Bei Frauen war das mittlere Alter von Betroffenen und Nichtbetroffenen mit 53,48 und 53,67 Jahren fast identisch, bei Männern mit 48,38 Jahren bei Aufnahme wegen UAE um fast 4 Jahre niedriger. UAE-Fälle zeigten gegenüber Nichtbetroffenen eine verkürzte Verweildauer. Frauen mit UAE bei Aufnahme lagen mit 6,26 Tagen vs. 7,55 Tagen im Mittel rund 1,3 Tage kürzer, Männer mit 5,91 Tagen vs. 7,42 Tagen mit Mittel 1,5 Tage kürzer. Die Krankenhaussterblichkeit war mit einer Odds Ratio (OR) von 0,59 (95%-Konfidenzintervall (KI) 0,57 − 0,62) bei den betroffenen Fällen reduziert, der Anteil von Notaufnahmen mit einer OR von 3,10 (95%-KI 3,07 − 3,13) erhöht. Fälle mit einem UAE waren häufig in der Inneren Medizin, Pädiatrie, Dermatologie, Intensivmedizin und Neurologie zu finden.

Schlussfolgerungen

Niedriges Alter, verkürzte Verweildauer und geringe Mortalitätsrate der UAE-Fälle stehen im Widerspruch zu den Angaben in der Literatur. Die Auswertung der DRG-Statistik erfasst Populationen, die in gängigen Studien üblicherweise ausgeschlossen werden, u. a. Kinder und Fälle mit UAEs aufgrund von Fehlmedikationen, Überdosierungen, Vergiftungen und allergischen Reaktionen. Diese Fälle sind für Präventionsmaßnahmen und Aufgaben der Pharmakovigilanz jedoch bedeutsam. Es bietet sich daher an, Routinedaten intensiver für Forschungsfragen zu UAEs heranzuziehen.