Chrom VI in Bedarfsgegenständen mit Körperkontakt

Wo kommt Chrom VI vor?

Leder ist die allgemeine Bezeichnung für gegerbte Häute und Felle. Die Gerbung dient der Konservierung dieser Häute und Felle. Am häufigsten kommt die Chromgerbung mit Chrom III-Salzen zum Einsatz. Chrom III-Salze können mit Chrom VI verunreinigt sein. Zusätzlich kann es im Verlauf von Herstellung, Verarbeitung und Lagerung des Leders oder der Lederprodukte zu Oxidationsreaktionen kommen, in denen aus den Chrom III-Salzen lösliche Chrom VI-Verbindungen gebildet werden. Die Herstellungsverfahren für Leder werden auch im Hinblick auf die Vermeidung der Bildung von Chrom VI stetig weiter entwickelt. Ein Nachweis von Chrom VI deutet immer darauf hin, dass das eingesetzte Herstellungsverfahren nicht aktuellen Verfahrens- bzw. Qualitätsstandards, also dem aktuellen Stand der Technik, entsprach. Des Weiteren wird momentan daran geforscht, durch welche Einflüsse und Bedingungen sich Chrom VI-Verbindungen bei der Weiterverarbeitung bzw. auch im fertigen Endprodukt bilden können.

Gesundheitliche Aspekte zu Chrom VI

Wasserlösliche Chrom VI-Verbindungen sind als sehr potente Kontaktallergene anzusehen. Im Gegensatz zu Chrom III können Chrom VI-Salze sehr gut die Haut penetrieren und in die Epidermis vordringen. Entsprechend ihrer ausgeprägten Oxidationskraft werden sie dabei durch Umsetzung mit organischen Verbindungen zum Teil zu Chrom III reduziert, das in der Lage ist, sich an Proteine zu binden. Diese Chrom III-Protein-Komplexe lösen eine Immunreaktion aus. Allergische Hautekzeme sind die Folge. Neben Nickel und Duftstoffen zählt Chrom VI zu den häufigsten Allergenen. Bereits sensibilisierte Verbraucher können sich nur durch das Vermeiden des Kontakts mit Chrom VI- haltigen Produkten schützen. Allerdings sind stark Chrom VI-haltige Produkte äußerlich nicht von anderen unterscheidbar.

Zudem sind zahlreiche Chrom VI-Verbindungen gemäß der Europäischen Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (CLP-V) als krebserregend, Kategorie 1B (kann beim Einatmen Krebs erzeugen) eingestuft. Diese Einstufung ist jedoch lediglich für Schutz von Arbeitern in der galvanischen Industrie o.ä. relevant. Im Bereich der Bedarfsgegenstände mit Körperkontakt liegt das Augenmerk auf dem Schutz des Verbrauchers vor einer Beeinträchtigung der Gesundheit in Form einer Sensibilisierung.

Welche Grenzwerte sind gesetzlich vorgeschrieben?

Seit Mai 2015 gilt gemäß der Europäischen Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH-V) für Ledererzeugnisse oder Erzeugnisse, die Lederteile enthalten, die mit der Haut in Berührung kommen, ein Verkehrsverbot, wenn ihr Gehalt an Chrom VI 3 mg/kg oder mehr beträgt. Durch diese Regelung wird es möglich, Erzeugnisse aus Leder europaweit einheitlich zu bewerten und die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern im gesamten europäischen Wirtschaftsraum zu schützen.

Zuvor regelten die Bestimmungen der nationalen Bedarfsgegenständeverordnung den Gehalt an Chrom VI in Bedarfsgegenständen aus Leder, die dazu bestimmt sind nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Berührung zu kommen, insbesondere Bekleidungsgegenstände, Uhrenarmbänder, Taschen und Rucksäcke, Stuhlüberzüge, Brustbeutel sowie Lederspielwaren, in vergleichbarer Weise.