Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Strauchbeerenobst (Himbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren) von Juni bis Juli 2010

Hintergrund der Untersuchungen

Johannisbeeren

Zum Strauchbeerenobst gehören unter anderem Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren. Sie zeichnet alle ein hoher Mineralstoff- und Vitamingehalt (Vitamin C) aus. Oft werden die Beeren aufgrund ihrer süß-säuerlichen Frische roh verzehrt, aber sie finden auch in Kuchen, Desserts und Konfitüre Verwendung.

Himbeeren zählen zu den aromatischsten heimischen Früchten. Sie haben im Vergleich zu anderen Obstarten einen hohen Eisengehalt und beinhalten ebenfalls Fruchtsäuren (hauptsächlich Zitronensäure) und Anthocyane. Bereits ab Anfang Juni werden Himbeeren aus Spanien angeboten, heimische Früchte ab Mitte Juli (frühreifende Sorten) bis Oktober (spätreifende Sorten). Selbst in den Wintermonaten werden vereinzelt Himbeeren aus südamerikanischer Produktion verkauft, aber auch tiefgefroren lassen sie sich außerhalb der Saison genießen.

Johannisbeeren reifen gewöhnlich bis Ende Juni (oft zum Johannistag, 24. Juni), inzwischen wurden aber auch Sorten gezüchtet, die bis in den September hinein reifen und die Saison deutlich verlängern. In diesem Zeitraum wird vor allem deutsche Ware auf dem Markt angeboten. In den Wintermonaten gibt es kleinere Angebote aus südamerikanischen Anbaugebieten. Von allen Beeren haben die Johannisbeeren den höchsten Fruchtsäuregehalt (vor allem Zitronensäure), daneben enthalten sie viel Pektin.

Die gelblichen, grünlichen, weißlichen oder rötlichen Früchte der Stachelbeere sind nahe mit den Johannisbeeren verwandt. Sie weisen nach den Tafeltrauben den höchsten Zuckergehalt unter den heimischen Beeren auf, enthalten aber auch Wein-, Apfel- und Zitronensäure mit appetitanregender und verdauungsfördernder Wirkung. Die Saison beginnt Ende Mai und endet Anfang September.

Bei in Deutschland angebotenen Heidelbeeren handelt es sich fast ausschließlich um Kulturheidelbeeren. Diese bilden bis zu drei Meter hohe Sträucher. Die Früchte sind größer als die der Waldheidelbeere und haben im Gegensatz zu ihren wild wachsenden Verwandten ein helles, nicht färbendes Fruchtfleisch. Heidelbeeren enthalten entzündungshemmende Gerbsäuren und hohe Gehalte an Anthocyanen (antioxidative sekundären Pflanzeninhaltstoffe).

Brombeeren gehören wie Himbeeren zu den Sammelfrüchten, d. h. sie bestehen aus zahlreichen kleinen zusammenhängenden Steinfrüchten auf einem zapfenförmigen Fruchtboden. Brombeeren haben im Vergleich zu anderen Beerenfrüchten die höchsten Gehalte an Provitamin A und Vitamin E. Zudem weist schon ihre dunkle Farbe auf hohe Gehalte an Anthocyanen hin.

Heidelbeeren können hierzulande ab Juli bis August geerntet werden, Brombeeren werden je nach Sorte vor allem von Juli bis Oktober angeboten. Auf Grund des späteren Reifezeitpunkts sind die Daten von Heidel- und Brombeere in dieser Zusammenstellung noch nicht berücksichtigt, da bislang noch keine aussagekräftige Anzahl an Proben abschließend untersucht wurde.

Das Strauchbeerenobst ist als Weichobst äußerst druckempfindlich und daher roh nicht lange lagerungsfähig. Je nach Beerenart und Sorte sind sie anfällig für Erkrankungen, beispielsweise ist der Mehltau bei Johannisbeeren ein Problem, während die Rutenkrankheit bei Himbeeren zu den Hauptkrankheiten zählt. Um die Erträge zu sichern, werden oft Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Um die Belastungssituation weiter zu verfolgen, wird das Strauchbeerenobst verteilt über die ganze Saison untersucht. Der vorliegende Beitrag berichtet über die ersten Ergebnisse der von Juni bis Juli 2010 durchgeführten Untersuchungen von Himbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren (Stichtag für die Ergebnisse: 30.07.2010).

Zusammenfassung

Von Juni bis Ende Juli 2010 wurden bislang insgesamt 49 Proben Strauchbeerenobst (Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren) aus dem Groß- und Einzelhandel sowie direkt vom Erzeuger untersucht. Alle Proben waren aus konventioneller Erzeugung. Rund zwei Drittel der Proben stammten aus Deutschland, gefolgt von Spanien (14 %). Die restlichen Proben kamen aus Italien (12 %) und Portugal (4 %). Bei je einer Probe Johannisbeeren und Stachelbeeren war das Herkunftsland nicht zu ermitteln.

Nur 10 % der Proben waren rückstandsfrei, 90 % wiesen Rückstände unterhalb der zulässigen Höchstmengen auf. Bislang wurde bei keiner Probe eine Höchstmengenüberschreitung festgestellt (siehe Abbildung 1). Im Jahr 2009 ergab sich im Vergleich dazu ein ähnliches Bild. Hier wies auch ein Großteil der Proben (87 %) Rückstände unterhalb der Höchstmengen auf, 7 % der Proben war rückstandsfrei und bei 6 % waren die zulässigen Höchstmengen überschritten.

Die Abbildung zeigt zwei Tortendiagramme. Im ersten Tortendiagramm wird angegeben, dass im Jahr 2009 der Anteil an rückstandsfreien Proben bei 7 % lag, während 87 % der Proben Rückstände unterhalb der Höchstmengen und 6 % Rückstände über den Höchstmengen aufwiesen. Im zweiten Tortendiagramm sind die Daten des Jahres 2010 (Juni bis Juli) verdeutlicht. 90 % der Proben enthielten Rückstände unterhalb der Höchstmengen und 10 % der proben waren rückstandsfrei.

Abbildung 1: Anteil von rückstandshaltigem Strauchbeerenobst (2009 und 06/2010 bis 07/2010)

Ergebnisse im Detail

Einen Überblick über die Rückstandssituation gibt Tabelle 1. Mit Ausnahme von Deutschland sind die Probenzahlen je Herkunftsland so gering, dass statistische Aussagen nicht zu verallgemeinern sind. Insgesamt wurden 23 verschiedene Stoffe 200-mal nachgewiesen. Im Gesamtdurchschnitt wurden 4,1 Rückstände pro Probe gefunden, im Vergleich zum Vorjahr geringfügig weniger (2009: 4,4). Der Gesamtgehalt hingegen stieg von 0,48 mg/kg im Jahr 2009 auf nun 0,67 mg/kg an.

Der höchste Einzelrückstand betrug 3,30 mg/kg für den fungiziden Wirkstoff Fenhexamid in einer Probe deutscher Johannisbeeren, die Höchstmenge von 5 mg/kg wurde somit nicht überschritten. In 44 Fällen (22 %) lagen die Gehalte der einzelnen Rückstände unter 0,01 mg/kg.

Damit ist das Strauchbeerenobst insgesamt als mittelmäßig belastet anzusprechen. Es ist in etwa wie Erdbeeren belastet, die im Jahr 2009 durchschnittlich 5,1 Rückstände pro Probe und 0,41 mg/kg Rückstandsgehalt aufwiesen (Untersuchungsergebnisse Jahr 2009 des LGL).

Tabelle 1: Gesamtübersicht der Ergebnisse für Strauchbeerenobst (06/2010 - 07/2010)
Herkunftsland Gesamt-
zahl
ohne R mit R kleiner als HM mit R größer als HM verschiedene Stoffe Anzahl R pro Probe1) Gehalt R pro Probe1)
(mg/kg)
Deutschland 32 0 32 0 21 5,2 0,90
Italien 6 2 4 0 8 2,5 0,42
Portugal 2 1 1 0 2 1,0 0,35
Spanien 7 2 5 0 3 0,9 0,05
ungeklärt 2 0 2 0 9 5,5 0,22
Gesamt 49 5 44 0 23 4,1 0,67
10 % 90 % 0 %
2009 70 5 61 4 51 4,4 0,48
7 % 87 % 6 %

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1) Durchschnitt

Dieses Jahr wurden bislang bei keiner Probe Höchstmengenüberschreitungen festgestellt, im Jahr 2009 wiesen vier Proben (6 %) Gehalte über den Höchstmengen auf.

Da die verschiedenen Strauchbeerenobstarten sich in ihrer Rückstandsbelastung unterscheiden, sind in Tabelle 2 die Obstarten differenziert dargestellt. In allen untersuchten Johannis- und Stachelbeerproben wurden Rückstände nachgewiesen. Rund ein Viertel der Himbeerproben war hingegen rückstandsfrei.

Johannisbeeren waren am stärksten belastet. Durchschnittlich wurden pro Probe 5,7 Rückstände und ein Gesamtgehalt von 1,35 mg/kg nachgewiesen. In Stachelbeeren wurden im Mittel eine etwas geringere Anzahl an Rückständen pro Probe (4,9) gefunden, der Rückstandsgehalt pro Probe war mit 0,37 mg/kg deutlich geringer als bei Johannisbeeren und entsprach dem der Himbeeren (0,38 mg/kg). Bei Himbeeren lag die durchschnittliche Rückstandszahl pro Probe mit 2,2 am niedrigsten.

Tabelle 2: Ergebnisübersicht Strauchbeerenobst nach Obstarten (06/2010 - 07/2010)
Lebensmittel Gesamt-
zahl
ohne R mit R kleiner als HM mit R größer als HM verschiedene Stoffe Anzahl R pro Probe1) Gehalt R pro Probe1)
(mg/kg)
Himbeere 19 5 14 0 13 2,2 0,38
Johannisbeere 15 0 15 0 17 5,7 1,35
Stachelbeere 15 0 15 0 15 4,9 0,37
Gesamt 49 5 44 0 23 4,1 0,67
10 % 90 % 0 %
zum Vergleich 2009
Himbeere 27 3 22 2 24 3,4 0,41
Johannisbeere 25 2 22 1 37 5,2 0,68
Stachelbeere 18 0 17 1 24 4,8 0,30
Gesamt 70 5 61 4 51 4,4 0,48
7 % 87 % 6 %

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1) Durchschnitt

Von den insgesamt 23 verschiedenen, nachgewiesen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen sind die häufigsten Stoffe (fünfmal und häufiger nachgewiesen) in der Abbildung 2 aufgelistet. Unter den zehn häufigsten Stoffen finden sich neun Fungizide und ein Insektizid.

Das Balkendiagramm zeigt die häufig nachgewiesenen Stoffe in Strauchbeerenobst. Cyprodinil und Fludioxonil wurden 23-mal detektiert, gefolgt von Trifloxystrobin mit 21-mal und Quinoxyfen mit je 18-mal. Fenhexamid wurde 17 Proben nachgewiesen, Thiacloprid in 16 Proben und Boscalid in 15 Proben. 14-mal wurde Myclobutanil gefunden und zwöfmal Pyraclostrobin. In jeweils zehn Proben waren Kresoxim-methyl und Pirimicarb. In sechs Proben wurde lambda-Cyhalothrin detektiert und in fünf Proben Tebuconazol. Die genannten Stoffe sind abgesehen von den Insektiziden Thiacloprid, Pirimicarb und lambda-Cyhalothrin Fungizide.

Abbildung 2: Häufig nachgewiesene Stoffe in Strauchbeerenobst (06/2010 bis 07/2010)
F= Fungizid, I = Insektizid

In 82 % der Proben wurden mehrere Stoffe gleichzeitig gefunden. Vier Proben (8 %) enthielten einen Rückstand, 17 Proben (35 %) zwei bis vier Rückstände und 19 Proben (39 %) fünf bis sieben Rückstände. Weiterhin gab es noch drei Proben (6 %) mit acht Rückständen. Eine Probe Johannisbeeren mit elf Rückständen stellte den Spitzenreiter dar (siehe Abbildung 3). Diese Probe stammte aus Deutschland und wies mit 5,76 mg/kg einen Gesamtrückstandsgehalt deutlich über dem Durchschnitt (1,35 mg/kg) auf. Zudem enthielt sie ebenfalls den höchsten Einzelrückstand (3,30 mg an Fenhexamid). Trotz der Vielzahl an Rückständen und dem überdurchschnittlich hohen Gesamtgehalt war sie lebensmittelrechtlich nicht zu beanstanden, weil keiner der einzelnen Rückstandsgehalte die jeweilige Höchstmenge überschritt.

Das Säulendiagramm zeigt, dass in fünf Proben kein Rückstand festgestellt wurde. Einen Rückstand enthielten vier Proben. Zwei Rückstände wurden in fünf Proben nachgewiesen, drei Rückstände in sieben Proben. Fünf Proben enthielten vier Rückstände, acht Proben fünf Stoffe. In sieben Proben wurden sechs verschiedene Komponenten nachgewiesen. Sieben verschiedene Stoffe wurden in vier Proben gefunden und acht Stoffe in drei Proben. In einer Probe wurden elf Komponenten detektiert.

Abbildung 3: Mehrfachrückstände in Strauchbeerenobst (06/2010 bis 07/2010)

Fazit

Das untersuchte Strauchbeerenobst war insgesamt als mittelmäßig belastet anzusprechen, jedoch wurden Unterschiede zwischen den verschiedenen Obstsorten festgestellt. Höchstmengenüberschreitungen traten bislang bei keiner Probe auf. Jedoch enthielten alle untersuchten Johannisbeer- und Stachelbeerproben Rückstände. Hingegen wurden in rund einem Viertel der Himbeerproben keine Rückstände nachgewiesen.

Johannisbeeren enthielten den höchsten durchschnittlichen Gesamtrückstand pro Probe und auch bei der Anzahl an Rückständen lagen sie vor den Stachelbeeren. Himbeeren hatten auch hier eine günstigere Rückstandsituation, da sie die geringste mittlere Anzahl an Rückständen pro Probe aufwiesen.

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