Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Aktivitäten zur Früherkennung exotischer und neuer Tierseuchen

Hintergrund

Die Entwicklungen in den vergangenen Jahren zeigen, dass auch in Mitteleuropa mit neuen Infektionskrankheiten bei Tieren gerechnet werden muss. Das unerwartete Auftreten der Blauzungenkrankheit bei verschiedenen Wiederkäuerarten im Nord-Westen Deutschlands ab dem Jahr 2006 ist ein beeindruckendes Beispiel für den Verlauf einer neu eingeschleppten, bekannten, aber hierzulande bisher als exotisch eingestuften Tierseuche. Die Ausbreitung der Infektion konnte erst durch flächendeckende Impfungen eingedämmt werden.
Im Vergleich dazu stellten in den folgenden Jahren die Schmallenberg-Virus-Infektionen vor allem in den Rinder-, Schaf-, Ziegen- und Wildwiederkäuerpopulationen eine ganz andere Herausforderung an die Diagnostiker. Hier musste ein unbekannter Erreger durch das Friedrich-Loeffler-Institut erst identifiziert und charakterisiert werden, bevor die notwendigen diagnostischen Werkzeuge zur Verfügung standen. Beiden Infektionen ist gemein, dass es sich um Arbovirosen handelt, also um Virusinfektionen, die durch Arthropoden-Vektoren, wie zum Beispiel stechende Insekten, übertragen werden. Es muss also auch in Zukunft davon ausgegangen werden, dass sich diverse exotische Infektionserreger auch in unseren Breiten in heimischen Arthropoden vermehren und durch diese übertragen werden können.
Aufmerksam beobachtet deshalb das LGL die Krankheitsgeschehen in den bayerischen Tierpopulationen und legt dabei ein besonderes Augenmerk sowohl auf gehäuft auftretende, nicht befriedigend abklärbare Krankheitsgeschehen in Bayern als auch auf das weltweite Tierseuchengeschehen. Ziel ist es, gegebenenfalls auf den Neueintrag einer sich nähernden Infektionskrankheit diagnostisch vorbereitet zu sein. Besondere Aufmerksamkeit erfordert in den Jahren 2016 und 2017 neben der Überwachung der Schweinepopulationen auf die aus Osteuropa nach Westen rückende Afrikanische Schweinepest erneut die Ausbreitungsdynamik der Blauzungenkrankheit und der Lumpy-Skin- Disease.

Blauzungenkrankheit

Seit 2014 ist eine kontinuierliche Ausbreitung der Blauzungenkrankheit, ausgelöst durch das Blauzungenvirus vom Serotyp 4 (BTV-4), von Griechenland über den Balkan Richtung Mitteleuropa zu beobachten. Ende 2015 wurden erste Fälle aus Österreich gemeldet. Nahezu gleichzeitig breitete sich das Virus vom Serotyp 8 (BTV-8) in Frankreich aus. Zum Schutz der bayerischen Wiederkäuerbestände wurde ein Monitoring bei Importtieren initiiert. Das LGL untersuchte in Bayern 1.829 importierte Rinder mittels Serotyp-übergreifender-BTV-PCR auf die Präsenz von BTV-Genom. Nachdem sich zeigte, dass keines der untersuchten Rinder Virus-Genom im Blut trug, wurde die Überwachungsstrategie angepasst. Auch wenn BTV-4 –Infektionen beim Rind häufig asymptomatisch verlaufen, wurden Rinder und kleine Wiederkäuer mit Krankheitssymptomen, die auf eine BTV-Infektion hinweisen könnten, auf die Präsenz von BTV-Genom untersucht. Insgesamt untersuchte das LGL im Jahr 2016 aus unterschiedlichem Anlass 2.380 Proben von Rindern und 124 von kleinen Wiederkäuern auf BTV-Genom. Die Untersuchungen erbrachten bislang keinen Hinweis auf ein akutes BTV-Geschehen in Bayern. Nachdem im Laufe des Jahres 2016 vereinzelt erneut BTV-infizierte Rinder in Österreich identifiziert wurden und der Infektionsdruck aus Italien, Slowenien, Serbien und Kroatien (BTV-4) sowie aus Frankreich (BTV -8) wuchs, musste die Aufmerksamkeit jedoch hoch bleiben. Ein Eintrag nach Bayern sollte auch in Zukunft möglichst unmittelbar erkannt werden, um Tierbesitzer und Tierärzteschaft gezielt informieren zu können und die vorgeschriebenen Maßnahmen ergreifen zu können.

Lumpy-Skin-Disease

Auch die Lumpy-Skin-Disease (LSD) des Rindes ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Sie wird durch Capripox-Viren verursacht, die bislang noch nie in Deutschland nachgewiesen wurden. Endemisch ist die Krankheit in Afrika und im Nahen Osten, allerdings wurde in den vergangenen Jahren eine kontinuierliche Ausbreitung über den Mittleren Osten Richtung Europa beobachtet. In Südosteuropa stiegen die Fallzahlen im Laufe des Jahres 2016 stark an. Vom Balkan aus breitet sich die Erkrankung in Richtung Nord-Westen aus. Da die Infektion nicht nur direkt und indirekt, sondern auch über Arthropoden übertragen werden kann, ist ein genauer Eintragsort nicht sicher vorhersehbar. Eine weitere Ausbreitung erscheint jedoch wahrscheinlich. Daher hat das LGL auch für diese exotische Tierseuche im Jahr 2016 eine Screening-Nachweismethodik etabliert und an einem durch das Nationale Referenzlabor für Capripockenvirus- Erkrankungen angebotenen Ringtest erfolgreich teilgenommen. Ebenso wie die BTV-Infektionen beim Rind muss auch die LSD nicht mit typischer Symptomatik verlaufen, klassische Krankheitszeichen sind aber für einen Teil der Fälle zu erwarten. Daher hat das LGL im Jahr 2016 damit begonnen, bei klinisch durch entsprechende Haut- und Schleimhautveränderungen auffallenden Tieren differentialdiagnostisch auch die LSD auszuschließen.