Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Kirschen der Saison 2008

Hintergrund der Untersuchungen

Kirschen

Kaum ein anderes Obst steht so sehr für den Sommer wie die Kirsche. Die von gelblich bis rötlich oder dunkelrot bis fast schwarz gefärbten Früchte schmecken nicht nur köstlich, son-dern sind reich an Vitamin C und Mineralstoffen (vor allem Kalium). Zudem enthalten sie Stoffe, die den Harnsäurespiegel senken und vor Gicht schützen können. Auf Grund einiger entzündungshemmender Inhaltstoffe finden sie in der Naturmedizin bei Rheuma, Parodontose und Arthritis Anwendung. Nach neusten Studien sollen sie auch effektiv bei der Vorbeugung und Behandlung von Muskelkater helfen.

Süßkirschen werden vor allem als Frischobst verzehrt. Für Konfitüren, Kompott, Kuchen, Saft und Wein werden die etwas herberen Sauerkirschen verwendet.

Die meisten Kirschen werden in den gemäßigten Klimazonen Europas angebaut (ca. 80 % der Weltproduktion). Obwohl Deutschland einer der größten Kirsch-Produzenten Europas ist, werden trotzdem große Mengen u. a. aus Italien, Griechenland, Frankreich und Spanien importiert. Abhängig von der Sorte reifen Kirschen in Europa von Mai bis September, Hauptsaison bei uns ist im Juni und Juli.

Kirschen sind einerseits anfällig für den Madenbefall durch die Kirschfruchtfliege, anderseits für Schimmel. Daher werden sie in der Regel häufig mit Pflanzenschutzmitteln behandelt.

Um die Belastungssituation zu verfolgen, wurden Kirschproben der Saison 2008 untersucht. Der vorliegende Beitrag berichtet über diese Ergebnisse.

Zusammenfassung

Im Zeitraum Juni bis Juli 2008 wurden insgesamt 36 Proben Kirschen aus dem Groß- und Einzelhandel sowie direkt vom Erzeuger entnommen. 31 Proben kamen aus Deutschland, 25 davon direkt vom Erzeuger. Des Weiteren wurden drei Kirsch-Proben aus der Türkei und jeweils eine aus Italien und Österreich zur Untersuchung vorgelegt.

Die Rückstandssituation hat sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Während 2007 alle Kirsch-Proben Rückstände aufwiesen, waren diese Saison 8 % der Proben rückstandsfrei und 92 % enthielten Rückstände unterhalb der zulässigen Höchstmengen. Zudem enthielt keine der diesjährigen Proben Rückstände oberhalb der zulässigen Höchstmengen (2007: 8 %) (siehe Abbildung 1).

Die beiden Tortendiagramme der Abbildung zeigen, dass im Jahr 2007 der Anteil Proben mit Rückständen unterhalb der Höchstmengen bei 92 % lag, während 8 % der Proben Rückstände oberhalb der Höchstmengen aufwiesen. Im Jahr 2008 enthielten 8 % der Proben keine Rückstände und 92 % der Proben Rückstände unterhalb der Höchstmengen.

Abbildung 1: Anteil rückstandshaltiger Kirschen (Saison 2007 und 2008)

Ergebnisse im Detail

Einen Überblick über die Rückstandssituation gibt Tabelle 1. Mit Ausnahme von Deutschland sind die Probenzahlen je Herkunftsland so gering, dass statistische Aussagen nicht zu verallgemeinern sind. Insgesamt wurden 21 verschiedene Stoff 146-mal nachgewiesen. Im Gesamtdurchschnitt blieb mit 4,1 die Anzahl der Rückstände pro Probe nahezu unverändert (2007: 4,0). Der mittlere Rückstandsgehalt sank von 0,22 mg/kg im Jahr 2007 auf 0,12 mg/kg. Der höchste Einzelrückstand betrug 0,34 mg/kg Fenhexamid in einer deutschen Kirsch-Probe, in 76 Fällen (52 %) waren die Gehalte der einzelnen Rückstände kleiner oder gleich 0,01 mg/kg. Damit sind die Kirschen als vergleichweise gering bis mäßig belastet zu bewerten.

Tabelle 1: Ergebnisübersicht Kirschen (Saison 2008)
Herkunftsland Gesamtzahl ohne R mit R kleiner als HM mit R größer als HM verschiedene Stoffe Anzahl R pro Probe 1) Gehalt R pro Probe 1) [mg/kg]
Deutschland 31 3 28 0 12 4,2 0,13
Italien 1 0 1 0 1 1,0 0,01
Österreich 1 0 1 0 5 5,0 0,08
Türkei 3 0 3 0 9 3,0 0,05
Gesamt 36 3 33 0 21 4,1 0,12
in Prozent 8 % 92 % 0
zum Vergleich: 2007 26 0 % 92 % 8 % 25 4,0 0,22

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1) Durchschnitt

Eine deutsche Probe aus ökologischem Landbau erwies sich als rückstandsfrei.

Von den insgesamt 21 verschiedenen, nachgewiesen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen sind die mehrmalig gefundenen Stoffe in der Abbildung 2 aufgelistet. In über 60 % aller Proben wurden der fungizide Wirkstoff Boscalid und der insektizide Wirkstoff Acetamiprid gefunden. Daneben wurden unter den zehn am häufigsten angetroffenen Stoffen noch jeweils vier weitere Insektizide und Fungizide nachgewiesen.

Balkendiagramm: häufig nachgewiesene Stoffe in Kirschen. Boscalid 23-mal, gefolgt von Acetamiprid mit 22-mal. Pyraclostrobin in 17 Proben. Jeweils 15-mal Myclobutanil und Tebufenozid, 13-mal Pirimicarb und 10-mal Trifloxystrobin, je 9-mal Fenhexamid und Dimethoat. In zwei Proben war Thiacloprid enthalten. Die genannten Stoffe sind mit Ausnahme von Acetamiprid, Tebufenozid, Pirimicarb und Thiacloprid und Akarizids und Nematizids Dimethoat Fungizide.

Abbildung 2: Häufig nachgewiesene Stoffe in Kirschen (Saison 2008)
A = Akarizid, F = Fungizid, I = Insektizid

In etwa 80 % der Proben wurden mehrere Stoffe gleichzeitig gefunden. Vier Proben (11 %) enthielten einen Rückstand, zehn Proben (28 %) zwei bis vier Rückstände und die Hälfte der 36 Proben fünf bis sieben Rückstände (siehe Abbildung 3). Das Maximum lag bei acht Stoffen in einer Probe aus Deutschland. Diese Probe wies einem Gesamtgehalt an Rückständen von 0,15 mg/kg auf und war nicht zu beanstanden, weil keine der einzelnen Höchstmenge überschritten wurde.

Das Säulendiagramm zeigt, dass in drei Proben keine Rückstände festgestellt wurden. Ein Rückstand wurde in vier Proben nachgewiesen. Zwei Proben enthielten zwei Rückstände, je vier Proben drei bzw. vier Stoffe. In zehn Proben wurden fünf verschiedene Komponenten nachgewiesen und in jeweils vier Proben sechs bzw. sieben Rückstände. In einer Probe wurden sogar acht Rückstände detektiert.

Abbildung 3: Mehrfachrückstände in Kirschen (Saison 2008)

Das Problem der Mehrfachrückstände wird teilweise sehr emotional und kontrovers betrachtet, insbesondere wegen noch lückenhafter Kenntnisse über mögliche additive Wirkungen der unterschiedlichen Stoffe im menschlichen Organismus. Auch im Hinblick auf "gute Agrarpraxis" sind extreme Mehrfachbefunde sehr diskussionsbedürftig.

Fazit

Die diesjährig untersuchten Kirschen waren im Vergleich zu denen des Vorjahres geringer mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen belastet. Es wurden keine Höchstmengenüberschreitungen festgestellt. Der durchschnittliche Gehalt an Pflanzenschutzmittel-Rückständen ging zurück und die Anzahl der Rückstände pro Probe blieb im Vergleich zu den vorjährigen Kirsch-Proben auf gleichem Niveau.

Allgemein zählen Kirschen somit zu den schwach bis mäßig belasteten Obstsorten.

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