Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Strauchbeerenobst von Mai bis Oktober 2006

Hintergrund der Untersuchungen

Stachelbeeren im Korb

Zum Strauchbeerenobst gehören unter anderem Stachelbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren und Brombeeren. Sie zeichnet alle ein hoher Mineralstoff- und Vitamingehalt (Vitamin C) aus. Oft werden die Beeren aufgrund ihrer süß-säuerlichen Frische roh verzehrt, aber sie finden auch in Kuchen, Desserts und Konfitüre Verwendung.

Die gelblichen, grünlichen, weißlichen oder rötlichen Früchte der Stachelbeere sind nahe mit den Johannisbeeren verwandt. Sie weisen nach den Tafeltrauben den höchsten Zuckergehalt unter den heimischen Beeren auf, enthalten aber auch Wein-, Apfel- und Zitronensäure mit appetitanregender und verdauungsfördernder Wirkung. Die Saison beginnt Ende Mai und endet Anfang September.

Johannisbeeren reifen gewöhnlich bis Ende Juni (oft zum Johannistag, 24. Juni), inzwischen wurden aber auch Sorten gezüchtet, die bis in den September hinein reifen und die Saison deutlich verlängern. In diesem Zeitraum wird vor allem deutsche Ware auf dem Markt angeboten. In den Wintermonaten gibt es kleinere Angebote aus südamerikanischen Anbaugebieten (z. B. Chile). Von allen Beeren haben die Johannisbeeren den höchsten Fruchtsäuregehalt (vor allem Zitronensäure), daneben enthalten sie viel Pektin.

Die hier beprobten Heidelbeeren waren Kulturheidelbeeren. Diese bilden bis zu drei Meter hohe Sträucher. Die Früchte sind größer als die der Waldheidelbeere und haben im Gegensatz zu ihren wild wachsenden Verwandten ein helles, nicht färbendes Fruchtfleisch. Heidelbeeren enthalten entzündungshemmende Gerbsäuren und hohe Gehalte an Anthocyanen (antioxidative sekundären Pflanzeninhaltstoffe). Die Saison beginnt im Juni (Frankreich), hierzulande kann ab Juli bis August geerntet werden.

Himbeeren zählen zu den aromatischsten heimischen Früchten. Sie haben im Vergleich zu anderen Obstarten einen hohen Eisengehalt und beinhalten ebenfalls Fruchtsäuren (hauptsächlich Zitronensäure) und Anthocyane.

Bereits ab Anfang Juni werden Himbeeren aus Spanien angeboten, heimische Früchte ab Mitte Juli (frühreifende Sorten) bis Oktober (spätreifende Sorten). Selbst in den Wintermonaten werden vereinzelt Himbeeren aus südamerikanischer Produktion (oft Chile) angeboten, aber auch tiefgefroren lassen sie sich außerhalb der Saison genießen.

Brombeeren gehören wie Himbeeren zu den Sammelfrüchten, d. h. sie bestehen aus zahlreichen kleinen zusammenhängenden Steinfrüchten auf einem zapfenförmigen Fruchtboden. Brombeeren haben im Vergleich zu anderen Beerenfrüchten die höchsten Gehalte an Provitamin A und Vitamin E. Zudem weist schon ihre dunkle Farbe auf hohe Gehalte an Anthocyanen hin. Je nach Sorte werden sie von Juli bis Oktober geerntet.

Das Strauchbeerenobst ist als Weichobst äußerst druckempfindlich und daher roh nicht lange lagerungsfähig. Je nach Beerenart und Sorte sind sie anfällig für Erkrankungen, beispielsweise ist der Mehltau bei Johannisbeeren ein Problem, während die Rutenkrankheit bei Brombeeren und Himbeeren zu den Hauptkrankheiten zählt. Um die Erträge zu sichern, werden oft Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Um die Belastungssituation weiter zu verfolgen, wird das Strauchbeerenobst gestreut über die ganze Saison untersucht. Der vorliegende Beitrag berichtet über die Ergebnisse der von Ende Mai bis Anfang Oktober 2006 durchgeführten Untersuchungen (Stichtag für die Ergebnisse: 05.10.2006).

Zusammenfassung

Von Ende Mai bis Anfang Oktober 2006 wurden insgesamt 102 Proben Strauchbeerenobst aus dem Groß- und Einzelhandel sowie direkt vom Erzeuger untersucht. Die Proben stammten aus verschiedenen Herkunftsländern, der Schwerpunkt der Untersuchung lag jedoch auf deutschen Erzeugnissen.

Nur 18,5 % der Proben waren rückstandsfrei, 68,5 % wiesen Rückstände unterhalb der zulässigen Höchstmengen auf und bei 13 % waren die Höchstmengen überschritten (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Anteil von rückstandshaltigem Strauchbeerenobst (05/2006 - 10/2006)

Abbildung 1: Anteil von rückstandshaltigem Strauchbeerenobst (05/2006 - 10/2006)

Ergebnisse im Detail

Einen Überblick über die Rückstandssituation gibt Tabelle 1. Mit Ausnahme von Deutschland, Italien und Frankreich sind die Probenzahlen je Herkunftsland so gering, dass statistische Aussagen nicht zu verallgemeinern sind. Insgesamt wurden 47 verschiedene Stoffe 397-mal nachgewiesen. Im Gesamtdurchschnitt wurden 3,9 Rückstände pro Probe gefunden, der mittlere Rückstandsgehalt lag bei 0,39 mg/kg. Der höchste Einzelrückstand betrug 1,7 mg/kg, in 120 Fällen (30 %) lagen die Gehalte der einzelnen Rückstände unter 0,01 mg/kg.

Damit ist das Strauchbeerenobst insgesamt als mittelmäßig belastet anzusprechen. Es ist in etwa wie Erdbeeren belastet, die im Frühjahr 2006 durchschnittlich 4,2 Rückstände pro Probe und 0,36 mg/kg Rückstandsgehalt aufwiesen (Untersuchungsergebnisse Februar-Juni 2006 des LGL).

Tabelle 1: Gesamtübersicht der Ergebnisse für Strauchbeerenobst (05/2006 - 10/2006)
Herkunftsland Gesamt- zahl ohne R mit R kleiner als HM mit R größer als HM verschiedene Stoffe Anzahl R pro Probe1) Gehalt R pro Probe1) (mg/kg)
Belgien 1 0 0 1 7 7,0 2,04
Deutschland 78 8 61 9 36 4,6 0,43
Frankreich 6 5 1 0 3 0,5 0,17
Italien 6 3 2 1 6 1,2 0,13
Niederlande 1 0 1 0 1 1,0 0,02
Österreich 1 0 1 0 5 5,0 0,53
Polen 1 1 0 0 0 0 0
Rumänien 1 0 1 0 6 6,0 0,05
Spanien 4 2 1 1 4 1,3 0,24
Ungarn 1 0 0 1 2 2,0 0,13
ungeklärt 2 0 2 0 5 3,0 0,19
Gesamt 102 19 70 13 47 3,9 0,39
- - 18,5% 68,5% 13% - - -
zum Vergleich 2004: 57 12% 65% 23% - - -

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1) Durchschnitt

Bei 13 Proben (13 %) wurden Höchstmengenüberschreitungen festgestellt, im Vergleich zu 2004 ein deutlich geringerer Anteil. Jedoch sind die Daten nur bedingt miteinander vergleichbar, da in die diesjährige Untersuchung auch Heidelbeeren, die vergleichsweise deutlich geringer belastet waren, mit einbezogen wurden. Zudem können auch unterschiedlichen Anteile der übrigen Obstarten und der Herkunft der Proben das Gesamtergebnis beeinflussen und einen genauen Vergleich erschweren.

Daher sind in Tabelle 2 die Einzelergebnisse für die verschiedenen untersuchten Strauchbeerenobstarten abgebildet. Die einzelnen Obstarten zeigten unterschiedliche Belastungssituationen: Johannisbeeren waren am stärksten belastet. Durchschnittlich wurden 5,7 Rückstände und 0,58 mg/kg pro Probe festgestellt. Dabei enthielt mehr als ein Viertel der untersuchten Proben Rückstände über den zulässigen Grenzwerten. Dagegen wurde bei Heidelbeeren keine Höchstmengüberschreitung festgestellt. Heidelbeeren waren erfreulich gering belastet, 59 % wiesen keinerlei Rückstände auf, die durchschnittliche Anzahl der Rückstände pro Probe betrug 1,1 und der Rückstandsgehalt pro Probe 0,06 mg/kg. Brombeeren und Himbeeren wiesen einen durchschnittlichen Rückstandsgehalt von 0,42 bzw. 0,41 mg/kg auf, jedoch lag die mittlere Rückstandszahl pro Probe bei Brombeeren mit 3,7 höher als bei Himbeeren mit 2,5. Allerdings überschritten bei Himbeeren mit 17,5 % überdurchschnittlich viele Proben die zulässigen Höchstmengen. In Stachelbeeren wurden im Mittel ebenso viele Rückstände pro Probe (5,7) gefunden wie bei Johannisbeeren, der Rückstandsgehalt pro Probe war aber mit 0,40 mg/kg geringer und entsprach in etwa dem Gesamtdurchschnitt (0,39 mg/kg). Über der zulässigen Höchstmenge lagen zwei Proben (8 %).

Tabelle 2: Ergebnisübersicht Strauchbeerenobst nach Obstarten (05/2006 - 10/2006)
Obstart Gesamt-zahl ohne R mit R kleiner als HM mit R größer als HM verschiedene Stoffe Anzahl R pro Probe 1) Gehalt R pro Probe 1) (mg/kg)
Brombeere 13 0 12 1 16 3,7 0,42
- - 0% 92% 8% - - -
Heidelbeere 17 10 7 0 12 1,1 0,06
- - 59% 41% 0% - - -
Himbeere 23 7 12 4 22 2,5 0,41
- - 30,5% 52% 17,5% - - -
Johannisbeere 23 1 16 6 27 5,7 0,58
- - 4% 70% 26% - - -
Stachelbeere 26 1 23 2 28 5,7 0,40
- - 4% 88% 8% - - -
Gesamt 102 19 70 13 47 3,9 0,39
- - 18,5% 68,5% 13% - - -

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1) Durchschnitt

Höchstmengenüberschreitungen wurden bei einer Probe Brombeeren aus Belgien, vier Himbeer-Proben (zwei deutsche, eine spanische und eine ungarische Probe), zwei deutschen Stachelbeer-Proben und sechs Johannisbeer-Proben, wovon davon fünf aus Deutschland und eine aus Italien stammte, festgestellt (siehe Tabelle 3).

Die unzulässig hohen Gehalte betrafen vor allem Insektizide (gegen Insekten), Fungizide (gegen Pilze) und Akarizide (gegen Milben).

Tabelle 3: Strauchbeerenobst-Proben mit Höchstmengenüberschreitungen (05/2006 - 10/2006)
Obstart Herkunfts-land Anzahl HMÜ Stoff Rückstands-Gehalt (mg/kg) zulässige Höchst-menge (mg/kg) ARfD-Ausschöpfung
Brombeere Belgien 3 Dimethomorph (F) 0,091 0,05 0
- - - Propamocarb (F) 1,19 0,1 n. nw.
- - - Spinosad (I) 0,013 0,01 n. nw.
Himbeere Deutschland 1 Fenpyroximat (A) 0,19 0,05 11
Himbeere Deutschland 1 Lambda-Cyhalothrin (I) 0,033 0,02 2
Himbeere Spanien 1 Hexythiazox (A) 0,094 0,05 n. nw.
Himbeere Ungarn 1 Carbendazim (F) 0,12 0,1 3
Johannisbeere Deutschland 1 Oxydemeton-methyl (I) 0,022 0,02 14
Johannisbeere Deutschland 1 Tebufenozid (I) 0,088 0,02 0
Johannisbeere Deutschland 1 Oxydemeton-methyl (I) 0,036 0,02 22
Johannisbeere Deutschland 1 Fenpyroximat (A) 0,31 0,05 29
Johannisbeere Deutschland 1 Tebufenpyrad (A, I) 0,059 0,05 1
Johannisbeere Italien 1 Etofenprox (I) 0,71 0,01 1
Stachelbeere Deutschland 1 Dimethoat (A, I, N) 0,021 0,02 1
Stachelbeere Deutschland 2 Bitertanol (H) 0,054 0,05 n. nw.
- - - Dimethoat (A, I, N) 0,035 0,02 1

HMÜ = Höchstmengenüberschreitung, A = Akarizid, H = Herbizid, F = Fungizid, I = Insektizid,
N = Nematizid, ARfD = Akute Referenz Dosis; n. nw. = nicht notwendig

Die Höchstmengenüberschreitungen bezogen sich alle auf "allgemeine" Höchstmengen im Bereich der Bestimmungsgrenze, da bei den entsprechenden Stoffen eine spezielle Regelung für die unterschiedlichen Beerenarten bzw. für Strauchbeerenobst allgemein nicht vorliegt.

Eine deutsche Probe Stachelbeeren aus ökologischen Landbau enthielt die Stoffe Permethrin und Piperonylbutoxid, jedoch in für Bioware tolerierbar geringer Menge.

Bei allen Höchstmengenüberschreitungen wird eine toxikologische Risikoabschätzung durchgeführt. Dazu wird am Beispiel eines Kindes von 2 bis unter 5 Jahren überprüft, in welchem Maß bei einem einmaligen Verzehr die Akute Referenz Dosis (ARfD) ausgeschöpft ist. Bei Überschreitung des ARfD-Wertes sind gesundheitliche Risiken nicht mit der gebotenen Sicherheit auszuschließen. In solchen Fällen erfolgt über das Europäische Schnellwarnsystem (RASFF) eine entsprechende Mitteilung an die Mitgliedstaaten. Das war allerdings bei den vorliegenden Proben in keinem Fall erforderlich.

Von den insgesamt 47 verschiedenen, nachgewiesen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen sind die häufigsten Stoffe (viermal und häufiger nachgewiesen) in der Abbildung 2 aufgelistet. Unter den zehn häufigsten Stoffen finden sich neun Fungizide und ein Insektizid.

Abbildung 2: Häufig nachgewiesene Stoffe in Strauchbeerenobst (05/2006 - 10/2006)

Abbildung 2: Häufig nachgewiesene Stoffe in Strauchbeerenobst (05/2006 - 10/2006)
A= Akarizid, F = Fungizid, I = Insektizid, Synerg = Synergist

Meist wurden in einer Probe mehrere Stoffe gleichzeitig gefunden. Acht Proben (8 %) enthielten einen Rückstand, 34 Proben (33 %) zwei bis vier Rückstände und 27 Proben (26 %) fünf bis sieben Rückstände. Weiterhin gab es noch 14 Proben (14 %) mit acht und mehr Rückständen (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Mehrfachrückstände in Strauchbeerenobst (05/2006 - 10/2006)

Abbildung 3: Mehrfachrückstände in Strauchbeerenobst (05/2006 - 10/2006)

In Abbildung 4 sind die Mehrfachrückstände in Abhängigkeit der Obstart dargestellt. In Heidelbeeren waren selten Mehrfachrückstände zu finden, in Johannis- und Stachelbeeren dagegen häufig. Die höchste Rückstandszahl betrug bei Heidelbeeren fünf, bei Himbeeren sieben, bei Brombeeren neun und bei Stachelbeeren zehn.

Die meisten Mehrfachrückstände wurden bei zwei Proben Johannisbeeren festgestellt. Sie enthielten 11 bzw. 13 Rückstände, waren aber trotz der Vielzahl an Rückständen und einem Gesamtgehalt an Rückständen von 0,42 mg/kg bzw. 0,67 mg/kg lebensmittelrechtlich nicht zu beanstanden, weil keiner der einzelnen Rückstandsgehalte die jeweilige Höchstmenge überschritt.

Abbildung 4: Mehrfachrückstände in Strauchbeerenobst nach Obstarten (05/2006 - 10/2006)

Abbildung 4: Mehrfachrückstände in Strauchbeerenobst nach Obstarten (05/2006 - 10/2006)

Das Problem der Mehrfachrückstände wird teilweise sehr emotional und kontrovers betrachtet, insbesondere wegen noch lückenhafter Kenntnisse über mögliche additive Wirkungen der unterschiedlichen Stoffe im menschlichen Organismus.

Fazit

Das untersuchte Strauchbeerenobst war insgesamt als mittelmäßig belastet anzusprechen, jedoch wurden große Unterschiede zwischen den verschiedenen Obstsorten festgestellt.

Heidelbeeren erwiesen sich als geringfügig belastet, wobei keine der Proben die zulässigen Höchstmengen überschritt, der Großteil erwies sich als rückstandsfrei (59 %).

Am häufigsten traten Höchstmengenüberschreitungen bei Johannisbeeren auf. Auch die durchschnittlichen Rückstandsgehalte und die Anzahl der Rückstände pro Probe waren im Vergleich zum übrigen Strauchbeerenobst am höchsten. Daher sind Johannisbeeren als stärker belastet einzustufen.

Brombeeren, Himbeeren und Stachelbeeren enthielten durchschnittlich fast gleich hohe Rückstandsgehalte, aber Himbeeren wiesen häufiger als Brombeeren und Stachelbeeren Höchstmengenüberschreitungen auf.

Alle verletzten Höchstmengen betrafen "allgemeine" Höchstmengen und die Akute Referenz Dosis (ARfD) wurde in keinem Fall überschritten. Demzufolge waren gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die einzelnen nachgewiesenen Rückstände nach der derzeitigen Datenlage nicht zu erwarten.

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