Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Kirschen von Mai 2006 bis Juli 2006

Hintergrund der Untersuchungen

Kirschen

Kaum ein anderes Obst steht so sehr für den Sommer wie die Kirsche. Die von gelblich bis rötlich oder dunkelrot bis fast schwarz gefärbten Früchte schmecken nicht nur köstlich, sondern sind reich an Vitamin C und Mineralstoffen (vor allem Kalium).

Zudem enthalten sie Stoffe, die den Harnsäurespiegel senken und vor Gicht schützen können. Auf Grund einiger entzündungshemmender Inhaltstoffe finden sie in der Naturmedizin bei Rheuma, Parodontose und Arthritis Anwendung. Nach neusten Studien sollen sie auch effektiv bei der Vorbeugung und Behandlung von Muskelkater helfen.

Süßkirschen werden vor allem als Frischobst verzehrt. Für Konfitüren, Kompott, Kuchen, Saft und Wein werden die etwas herberen Sauerkirschen verwendet.

Die meisten Kirschen werden in den gemäßigten Klimazonen Europas angebaut (ca. 80 % der Weltproduktion). Obwohl Deutschland einer der größten Kirsch-Produzenten Europas ist, werden trotzdem große Mengen u.a. aus Italien, Griechenland, Frankreich und Spanien importiert. Abhängig von der Sorte reifen Kirschen in Europa von Mai bis September, Hauptsaison bei uns ist im Juni und Juli.

Kirschen sind einerseits anfällig für den Madenbefall durch die Kirschfruchtfliege, anderseits für Schimmel. Daher werden sie in der Regel häufig mit Pestiziden behandelt.

Um die Belastungssituation zu verfolgen, wurden Kirschproben von Anfang Mai 2006 bis Mitte Juli 2006 untersucht. Der vorliegende Beitrag berichtet über diese Ergebnisse (Stichtag für die Ergebnisse: 18.07.2006).

Zusammenfassung

Im Zeitraum Anfang Mai bis Mitte Juli 2006 wurden insgesamt 40 Proben Kirschen aus dem Groß- und Einzelhandel sowie direkt vom Erzeuger untersucht. Die Proben stammten aus verschiedenen Herkunftsländern, wobei deutsche Kirschen ab Ende Juni in die Untersuchungen einbezogen wurden.

Die Rückstandssituation hat sich im Vergleich zum Vorjahr geringfügig verbessert. 12,5 % der Proben waren rückstandsfrei, 82,5 % wiesen Rückstände unterhalb der zulässigen Höchstmengen auf und bei 5 % waren die Höchstmengen überschritten (siehe Abbildung 1).

Kuchendiagramm: Anteil rückstandshaltiger Kirschen

Abbildung 1: Anteil rückstandshaltiger Kirschen (05/2006 - 07/2006)

Ergebnisse im Detail

Einen Überblick über die Rückstandssituation gibt Tabelle 1. Mit Ausnahme von Spanien, Deutschland und Italien sind die Probenzahlen je Herkunftsland so gering, dass statistische Aussagen nicht zu verallgemeinern sind. Insgesamt wurden 30 verschiedene Stoffe 105-mal nachgewiesen. Im Gesamtdurchschnitt wurden 2,6 Rückstände pro Probe gefunden, der mittlere Rückstandsgehalt lag bei 0,15 mg/kg. Der höchste Einzelrückstand betrug 0,56 mg/kg, in 50 Fällen (48 %) lagen die Gehalte der einzelnen Rückstände unter 0,01 mg/kg.

Damit sind die Kirschen als mäßig belastet zu bewerten. Im Vergleich waren Erdbeeren stärker belastet, da sie im Durchschnitt 4,2 Rückstände pro Probe und 0,36 mg/kg Rückstandsgehalt aufwiesen (Untersuchungsergebnisse Februar-Juni 2006 des LGL).

Tabelle 1: Ergebnisübersicht Kirschen (05/2006 - 07/2006)
Herkunftsland Gesamt-zahl ohne R mit R kleiner als HM mit R größer als HM verschiedene Stoffe Anzahl R pro Probe1) Gehalt R pro Probe1) (mg/kg)
Deutschland 7 0 7 0 12 4,1 0,20
Frankreich einschl. Korsika 2 1 0 1 7 3,5 0,27
Griechenland 4 0 4 0 8 3,0 0,17
Italien 6 1 5 0 10 2,3 0,03
Spanien 12 3 8 1 10 1,8 0,17
Türkei 3 0 3 0 6 2,0 0,02
ungeklärt 6 0 6 0 11 2,5 0,21
Gesamt 40 5 33 2 30 2,6 0,15
12,5 % 82,5 % 5 %
zum Vergleich: 2005 29 7 % 86 % 7 % 24 2,1 0,24

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1): Durchschnitt

Bei zwei ausländischen Proben (5 %) wurden Höchstmengenüberschreitungen festgestellt, was keine wesentliche Veränderung im Vergleich zu den Kirschproben des vergangenen Jahres (7 %) darstellt. Eine französische Probe enthielt Rückstände des Pilzbekämpfungsmittels Cyprodinil über der zulässigen Höchstmenge und eine spanische Probe wies einen unzulässig hohen Gehalt an Mercaptodimethur auf (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Ergebnisübersicht der Höchstmengenüberschreitungen Spanien/Frankreich
Herkunftsland Anzahl HMÜ Stoff Rückstands-Gehalt (mg/kg) zulässige Höchstmenge (mg/kg) ARfD-Ausschöpfung
Spanien 1 Mercaptodimethur (A,I) 0,25 0,1 15
Frankreich 1 Cyprodinil (F) 0,14 0,05 n. nw.

HMÜ = Höchstmengenüberschreitung, A = Akarizid, F = Fungizid, I = Insektizid
ARfD = Akute Referenz Dosis; n. nw. = nicht notwendig

Diese Höchstmengenüberschreitungen bezogen sich auf "allgemeine" Höchstmengen im Bereich der Bestimmungsgrenze, da bei den entsprechenden Stoffen eine spezielle Regelung für Kirschen bzw. Steinobst nicht vorliegt.

Bei allen Höchstmengenüberschreitungen wird eine toxikologische Risikoabschätzung durchgeführt. Dazu wird am Beispiel eines Kindes von 2 bis unter 5 Jahren überprüft, in welchem Maß bei einem einmaligen Verzehr die Akute Referenz Dosis (ARfD) ausgeschöpft ist. Bei Überschreitung des ARfD-Wertes sind gesundheitliche Risiken nicht mit der gebotenen Sicherheit auszuschließen. In solchen Fällen erfolgt über das Europäische Schnellwarnsystem (RASFF) eine entsprechende Mitteilung an die Mitgliedstaaten. Das war allerdings bei den vorliegenden Proben in keinem Fall erforderlich, denn für Cyprodinil wird die Festlegung einer ARfD auf Grund der geringen Toxizität nicht für notwendig erachtet und mit dem Gehalt an Mercaptodimethur wurde der ARfD-Wert zu 15 % ausgeschöpft.

Alle deutschen Kirschproben enthielten Rückstände, allerdings in keinem Fall über den festgesetzten Grenzwerten. Der durchschnittliche Gesamtrückstandsgehalt der einheimischen Proben lag mit 0,20 mg/kg über dem Mittel aller untersuchten Proben. Bei den inländischen Proben lag auch die Anzahl an Rückständen pro Probe mit einem Wert von 4,1 über dem Durchschnitt (alle untersuchten Proben: 2,6).

Eine französische Probe aus ökologischen Landbau erwies sich als rückstandsfrei.

Von den insgesamt 30 verschiedenen, nachgewiesen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen sind die mehrmalig gefundenen Stoffe in der Abbildung 2 aufgelistet. In 50 % aller Proben wurde Dimethoat gefunden. Dieser Stoff hat eine akarizide (gegen Milben), insektizide und zugleich nematizide (gegen Fadenwürmer) Wirkung und wird vor allem zur Bekämpfung der Kirschenfruchtfliege eingesetzt. Daneben wurden unter den zehn am häufigsten angetroffenen Stoffen noch drei Insektizide und sechs Fungizide nachgewiesen.

Balkendiagramm: Mehrmalig nachgewiesene Stoffe in Kirschen

Abbildung 2: Mehrmalig nachgewiesene Stoffe in Kirschen (05/2006 - 07/2006)

A= Akarizid, F = Fungizid, I = Insektizid, N = Nematizid

Meist wurden in einer Probe mehrere Stoffe gleichzeitig gefunden. Sieben Proben (17,5 %) enthielten einen Rückstand, 24 Proben (64 %) zwei bis vier Rückstände und vier Proben (10 %) fünf bis sieben Rückstände (siehe Abbildung 3).

Säulendiagramm: Mehrfachrückstände in Kirschen

Abbildung 3: Mehrfachrückstände in Kirschen (05/2006 – 07/2006)

Das Maximum lag bei sieben Stoffen in je einer Probe aus Frankreich und Deutschland. Die französische Probe war wegen der Höchstmengenüberschreitung an Cyprodinil zu beanstanden und wies einen deutlichen Gesamtrückstandsgehalt von 0,54 mg/kg auf.

Die deutsche Probe war trotz der Vielzahl an Rückständen und einem Gesamtgehalt an Rückständen von 0,66 mg/kg nicht zu beanstanden, weil keine der einzelnen Höchstmenge überschritten wurde.

Das Problem der Mehrfachrückstände wird teilweise sehr emotional und kontrovers betrachtet, insbesondere wegen noch lückenhafter Kenntnisse über mögliche additive Wirkungen der unterschiedlichen Stoffe im menschlichen Organismus. Auch im Hinblick auf "gute Agrarpraxis" sind extreme Mehrfachbefunde sehr diskussionsbedürftig.

Fazit

Die diesjährigen, untersuchten Kirschen waren im Vergleich zu denen des Vorjahres etwas geringer mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen belastet. Der Anteil an Höchstmengenüberschreitungen war in etwa derselbe des Jahres 2005. Die verletzten Höchstmengen betrafen "allgemeine" Höchstmengen und die Akute Referenz Dosis (ARfD) wurde in keinem Fall überschritten. Demzufolge waren keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die einzelnen nachgewiesenen Rückstände nach der derzeitigen Datenlage zu erwarten.

Die deutschen Proben wiesen keine Höchstmengenüberschreitungen auf, es wurde aber in allen Proben Pestizidrückstände nachgewiesen. Die durchschnittlichen Pestizid-Rückstandsgehalte und die Anzahl der Rückstände pro Probe waren im Vergleich zu den ausländischen Kirschproben geringfügig höher.

Allgemein zählen Kirschen somit weiterhin zu den mäßig belasten Obstsorten.

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