Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Pflanzenschutzmittelrückstande in pflanzlichen Lebensmitteln – Untersuchungsergebnisse 2009

Im Jahr 2009 untersuchte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 2.151 pflanzliche Lebensmittel mit umfassenden Multimethoden auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Insgesamt enthielten 31 % aller Lebensmittel keine bestimmbaren Rückstände (vergleiche Tabelle 1). Das ist geringfügig weniger als im Vorjahr (33 %). Wie in den Jahren 2007 und 2008 war der Anteil der Proben aus ökologischem Anbau mit 23 % im Vergleich zum Marktanteil überproportional vertreten. 77 % der Bio-Proben wiesen keine Rückstände auf. Bei konventionellen Produkten waren dagegen nur 17 % der Proben rückstandsfrei. Insgesamt enthielten nur 152 Proben (7 %) Rückstände über den zulässigen Höchstmengen. Die Quote für die konventionelle Ware betrug 9 % und stieg zum ersten Mal seit Jahren wieder geringfügig an. Häufig traten mehrere überhöhte Rückstände in einer Probe auf, sodass das LGL insgesamt 268 Höchstmengenüberschreitungen nachwies.

Obst und Gemüse

Bei der Produktion von Obst und Gemüse unterscheiden sich konventioneller und ökologischer Anbau darin, dass in der konventionellen Herstellung chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen. Hier sind demnach Rückstände zu erwarten.

Bei konventionellem Obst fiel der Anteil an Proben ohne bestimmbare Rückstände (7 %; vergleiche Tabelle 2) im Vergleich zu den beiden vergangenen Jahren wieder ab und war bei einheimischer Ware mit 4 % niedriger als bei Produkten aus dem Ausland (8 %; vergleiche Abbildung 1). Dennoch waren die einheimischen Erzeugnisse mit durchschnittlichen Gesamtrückstandsgehalten von 0,29 mg/kg geringer belastet als ausländische Ware (0,53 mg/kg) und auch die zulässigen Höchstmengen waren bei deutschen Erzeugnissen mit 4 % seltener überschritten als bei ausländischer Ware (6 %). Bei Beerenobst, welches Schadorganismen gegenüber besonders empfindlich ist, wie Erdbeeren, Trauben und Strauchbeeren, waren 2009 weniger konventionelle Produkte zu beanstanden (3 %) als in früheren Jahren (2008: 5 %, 2007: 7 %). Dies galt auch für Kernobst (4 %), Zitrus- und exotische Früchte (7 % und 11 %). Bei Steinobst lagen mit 5 % der Proben etwas mehr als 2008 (3 %) über den Höchstmengen.

Bei konventionellem Gemüse war der Anteil an Höchstmengenüberschreitungen gegenüber dem Vorjahr von 7 % auf 9 % gestiegen, dafür nahm jedoch die durchschnittliche Belastung von 0,52 mg/kg auf 0,37 mg/kg ab (vergleiche Tabelle 2). Deutsche Erzeugnisse waren durchgehend seltener belastet als ausländische (vergleiche Abbildung 1), wobei der Anteil an Grenzwertüberschreitungen bei inländischen Produkten von 5 % auf nur noch 2 % sank. Bei ausländischer Ware stieg diese Quote auch aufgrund der ungünstigen Rückstandssituation bei Kräutern von 8 % auf 14 % an.

Entwicklung der Rückstandssituation der inländischen und ausländischen Ware bei Obst und Gemüse aus konventioneller Produktion (2007 bus 2009)

Abbildung 1: Entwicklung der Rückstandssituation der inländischen und ausländischen Ware bei Obst und Gemüse aus konventioneller Produktion (2007 bis 2009)

Gemüse aus Bayern wies im Vergleich mit 2 % Grenzwertüberschreitungen und durchschnittlich zwei Rückständen pro Probe sowie einem durchschnittlichen Rückstandgehalt von 0,27 mg/kg die niedrigste Belastung auf. Blattgemüse war 2009 durchschnittlich wieder geringer belastet, auch wenn häufiger Höchstmengenüberschreitungen auftraten. Insbesondere einheimischer Kopf- und Feldsalat enthielt deutlich geringere Rückstandsmengen. Dagegen stieg bei frischen Kräutern der durchschnittliche Rückstandsgehalt um den Faktor drei auf 1,49 mg/kg an. Der Anteil an Proben mit überhöhten Rückständen (51 %) verdoppelte sich nahezu. Die belasteten Proben stammten vorwiegend aus Thailand und Israel.

Spross- und Wurzelgemüse blieben auch 2009 unauffällig. Bei Fruchtgemüse stellte das LGL häufig Höchstmengenüberschreitungen für grüne Bohnen (27 %) und Auberginen (8 %) fest. Auffällige Herkunftsländer waren Ägypten, Thailand und die Türkei. Bei Gurken, Tomaten und Zucchini fiel die Rückstandssituation insgesamt günstig aus. Die Bezeichnungen "ökologisch" und "biologisch" dürfen nach der EG-Öko-Verordnung nur verwendet werden, wenn der Hersteller keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel angewendet hat.

Mit modernen Analysetechniken lassen sich jedoch auch in Bio-Lebensmitteln gelegentlich Rückstände nachweisen. Häufig stammen diese aus einer Abdrift von konventionell angebauten Kulturen, der Aufnahme aus kontaminierten Böden oder von Kontaminationen während der Verarbeitung (Reinigung, Sortierung und Verpackung). Als Orientierungswert für eine mögliche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln wird allgemein ein Rückstandsgehalt von 0,01 mg/kg herangezogen.

Dieser entspricht dem strengen Grenzwert für Säuglingsnahrung und der niedrigsten rechtlich festgesetzten Höchstmenge für konventionelle Erzeugnisse. Lebensmittelrechtlich werden Proben mit höheren Rückständen als "irreführend gekennzeichnet" beurteilt.

In 77 % der Obst- und in 84 % der Gemüseproben aus ökologischem Anbau stellte das LGL keine Rückstände (vergleiche Tabelle 2) fest. Somit nahm dieser Anteil 2009 etwas ab. Die in den weiteren Proben nachgewiesenen Pflanzenschutzmittelrückstände lagen meist unter dem Orientierungswert von 0,01 mg/kg. Durchschnittlich betrug der Gehalt an Pflanzenschutzmitteln pro Probe nur 0,002 mg/kg. Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau enthielten somit erheblich weniger Pflanzenschutzmittelrückstände als konventionelle Ware (0,41 mg/kg). Der positive Trend der vergangenen Jahre setzte sich somit fort. Bedeutende Herkunftsländer für die Öko-Ware waren Deutschland (36 % der Proben), Italien (24 %), die Niederlande (7 %) und Spanien (5 %). Deutsches Bio-Obst und -Gemüse war zu 90 % rückstandsfrei und schnitt somit besser ab als die Lebensmittel aus den Niederlanden (81 %), Italien (71 %) oder Spanien (67 %). Lediglich bei je einer Probe Äpfel aus Deutschland und Italien hat das LGL auf eine unzulässige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln geschlossen und die Bio-Kennzeichnung als "irreführend" beanstandet.

Die auch für konventionelle Ware geltenden Grenzwerte waren in keiner der Proben überschritten. Insgesamt fand das LGL bei den Obst- und Gemüseproben aus dem ökologischen Anbau wieder nur eine äußerst niedrige Belastung mit Pflanzenschutzmittelrückständen.

Tabelle 1: Rückstandssituation der untersuchten Lebensmittel
Lebensmittel Probenzahl ohne R mit R kleiner HM mit R größer HM
Obst 786 128 623 35
konventionell 678 45 598 35
biologisch 108 83 25 0
Obsterzeugnisse 82 45 35 2
konventionell 10 4 4 2
biologisch 72 41 31 0
Gemüse 823 244 515 64
konventionell 699 140 495 64
biologisch 124 104 20 0
Gemüseerzeugnisse 67 16 34 17
konventionell 61 11 33 17
biologisch 6 5 1 0
Pflanzliche Öle, Fette 65 54 11 0
konventionell 53 42 11 0
biologisch 12 12 0 0
Getreide 80 57 23 0
konventionell 12 5 7 0
biologisch 68 52 16 0
Hülsenfrüchte, Ölsamen 25 3 16 6
konventionell 20 3 11 6
biologisch 5 0 5 0
Kartoffeln 15 4 11 0
konventionell 11 1 10 0
biologisch 4 3 1 0
Pilze, Pilzerzeugnisse 43 7 16 20
konventionell 43 7 16 20
biologisch
Obstsäfte, alkoholfreie Getränke 27 9 18 0
konventionell 25 7 18 0
biologisch 2 2 0 0
Tee, teeähnliche Erzeugnisse 33 7 18 8
konventionell 23 2 13 8
biologisch 10 5 5 0
Säuglingsnahrung 95 82 13 0
konventionell 24 18 6 0
biologisch 71 64 7 0
Sonstige 10 5 5 0
konventionell 5 0 5 0
biologisch 5 5 0 0
Gesamt 2.151 661 1.338 152
Anteil 31 % 62 % 7 %
konventionell 1.664 17 % 74 % 9 %
biologisch 487 77 % 23 % 0 %
2008 2.231 33 % 60 % 7 %
konventionell 1.812 21 % 71 % 8 %
biologisch 419 85 % 14 % 1 %
2007 2.312 29 % 59 % 12 %
konventionell 1.912 19 % 67 % 14 %
biologisch 400 80 % 19 % 1 %
R = Rückstand, HM = Höchstmenge nach VO (EG) Nr. 396/2005
Tabelle 2: Rückstände in Obst und Gemüse
Jahr Proben-zahl ohne R mit R kleiner HM mit R größer HM verschie-dene Stoffe Anzahl R pro Probe Gehalt R pro Probe (mg/kg)
Obst aus konventioneller Produktion 2007 774 9 % 83 % 8 % 155 4,6 0,49
2008 768 11 % 83 % 6 % 142 4,3 0,40
2009 678 7 % 88 % 5 % 202 4,7 0,46
Gemüse aus konventioneller Produktion 2007 734 22 % 65 % 13 % 140 3,0 0,38
2008 715 25 % 68 % 7 % 151 2,6 0,52
2009 699 20 % 71 % 9 % 162 2,7 0,37
Obst aus ökologischem Anbau 2007 158 72,2 % 27,2 % 0,6 % 37 0,4 0,01
2008 129 85,2 % 14,0 % 0,8 % 15 0,2 0,00
2009 108 76,9 % 23,1 % 0,0 % 28 0,3 0,00
Gemüse aus ökologischem Anbau 2007 146 80,1 % 18,5 % 1,4 % 26 0,3 0,01
2008 173 88,4 % 11,0 % 0,6 % 24 0,2 0,00
2009 124 83,9 % 16,1 % 0,0 % 12 0,2 0,00
R = Rückstand, HM = Höchstmenge

Risikoabschätzung bei Obst und Gemüse

Bei allen unzulässig hohen Rückständen führt das LGL eine toxikologische Risikoabschätzung durch. Dazu wird anhand der Verzehrsgewohnheiten eines Kindes von zwei bis unter fünf Jahren überprüft, in welchem Ausmaß bei einem einmaligen Verzehr die stoffspezifische akute Referenzdosis (ARfD) ausgeschöpft ist. Bei über 100 % können gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht mehr mit der geforderten Sicherheit ausgeschlossen werden. Diese müssen aber nicht zwingend eintreten, denn bei diesem Bewertungskonzept werden hohe Sicherheitsabstände mit einem Faktor von meist 100 oder darüber berücksichtigt. Bei zwei Proben Birnen aus der Türkei mit Rückständen von Amitraz, einem Milbenbekämpfungsmittel, war die geforderte Sicherheit nicht mehr gegeben. Das LGL veranlasste eine Warnung über das Europäische Schnellwarnsystem (RASFF). Die bundesweite Häufung solcher Warnungen veranlasste die Bundesbehörden zu einer Vorführpflicht für türkische Birnen, sodass diese nur noch nach einer amtlichen Untersuchung in den Handel gebracht werden dürfen. Bei einer Probe Kirschen wurde wegen zu hoher Rückstände des Insektizids Dimethoat eine Schnellwarnung veranlasst, ebenso bei einer Paprikaprobe wegen Oxamyl. Bezogen auf die Gesamtzahl der untersuchten Obst- und Gemüseproben betrug aber der Anteil solch kritischer Proben trotz risikoorientierter Beprobung nur 0,3 %.

Obst-, Gemüseerzeugnisse und andere pflanzliche Lebensmittel

Von Obsterzeugnissen untersuchte das LGL als Schwerpunkt 72 Proben Bio-Trockenobst, vor allem Rosinen, Aprikosen und Feigen. 57 % der Proben wiesen keine Rückstände auf. In den anderen Fällen lagen die Rückstände so niedrig, dass unter Berücksichtigung der Verarbeitung nicht auf eine Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel zu schließen war.

Mit der europäischen Höchstgehaltsverordnung gibt es erstmals auch für Weinblätter konkrete Grenzwerte. Dies änderte aber nichts daran, dass 80 % der Weinblätter unzulässig hohe Rückstände aufwiesen. Mit 2,98 mg/kg hat das LGL wieder eine sehr hohe durchschnittliche Belastung pro Probe ermittelt. Fast alle Proben stammten aus der Türkei. Bei Getreide lag der Schwerpunkt auf Bio-Erzeugnissen. Von den 68 Bio-Proben wiesen 76 % keine Rückstände auf. Lediglich bei einer Dinkelprobe war wegen des Wachstumsregulators Chlormequat die Bio-Kennzeichnung infrage zu stellen. In den anderen Fällen lagen die Rückstände so niedrig, dass nicht auf eine Pflanzenschutzmaßnahme zu schließen war. Bei den zwölf konventionell erzeugten Weizenproben lag nur eine geringe Rückstandsbelastung vor. 2009 hat das LGL die Untersuchung mit Nikotin belasteter Steinpilze fortgesetzt und in allen neun Proben getrockneter Steinpilze, einer Probe frischer Steinpilze und zwei Proben getrockneter Spitzmorcheln überhöhte Nikotingehalte nachgewiesen. Woher diese Rückstände stammen, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Sie sind jedoch nicht als gesundheitlich bedenklich einzustufen.

Bei der Schwerpunktuntersuchung von Pfifferlingen aus Osteuropa stellte das LGL bei acht von 17 Proben überhöhte Gehalte des bioziden Insektenvertreibungsmittels DEET fest. 86 % der untersuchten Säuglingsnahrung enthielten keine Rückstände. Bei den anderen Proben lagen die nachgewiesenen Rückstände deutlich unter dem Grenzwert von 0,01 mg/kg.

Sonderuntersuchungsprogramme

Aufgrund der ungünstigen Rückstandssituation bei Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft aus Drittländern wurde die im Jahr 2008 begonnene Schwerpunktuntersuchung am Flughafen München fortgesetzt. Vorgelegt wurden vor allem Gemüse (61 %) wie Auberginen, Basilikum, Bohnen, Chilischoten, Koriander sowie Okraschoten und Obst (37 %) wie Mangos oder Papayas. Die Proben stammten hauptsächlich aus Thailand (55 %) und Ägypten (9 %).

Neun Proben kamen aus dem ökologischen Anbau, zwei davon wiesen Rückstände im Spurenbereich auf. Von den 112 Proben aus konventioneller Produktion waren immerhin 20 % rückstandsfrei, aber 35 % enthielten überhöhte Rückstände. Dies betraf insbesondere Kräuter aus Thailand und Israel. Auffällig waren auch Chili- und Okraschoten sowie Mangos und Drachenfrüchte. Chinesische Lebensmittel geraten immer wieder negativ in die Schlagzeilen, sodass das LGL auch hier einen Schwerpunkt setzte. Von 59 Proben enthielten 13 (22 %) überhöhte Rückstände. Betroffen waren grüner Tee (sechs von 16 Proben), Pomelos (vier von 15 Proben) sowie Nashi-Birnen (eine von 17 Proben), getrocknete Goji-Beeren und getrocknete Steinpilze (je eine Probe).

Aufgrund der hohen Beanstandungsquote bei Obst- und Gemüseerzeugnissen aus der Türkei setzte das LGL hier einen weiteren Untersuchungsschwerpunkt mit insgesamt"117 Proben. Bei den 29 Bio-Produkten, fast durchweg Trockenobst, stellte das LGL keine Auffälligkeiten fest. Von den 88 konventionellen Produkten wiesen 30 % überhöhte Rückstände auf, insbesondere bedingt durch eine sehr ungünstige Rückstandssituation bei Weinblättern. Höchstmengenüberschreitungen traten auch bei Birnen, Tafelweintrauben, Auberginen, grünen Bohnen, Paprika und Schwarztee auf. Die bei zwei Birnenproben und einer Paprikaprobe notwendigen Schnellwarnungen bestätigten das ungünstige Rückstandsbild für die türkischen Produkte.

Fazit

Die Rückstandssituation bei pflanzlichen Lebensmitteln aus konventioneller Erzeugung hat sich auch 2009 für den Verbraucher nicht wesentlich verändert. Nach wie vor sind in sehr vielen Produkten, insbesondere bei Obst und Gemüse, Rückstände nachweisbar. Die Gehalte sind allerdings in der Regel gering. Die unverändert hohe Beanstandungsquote und die vereinzelt notwendigen Schnellwarnungen zeigen, dass Erzeuger und Handel auch weiterhin gefordert sind, alle Anstrengungen zu unternehmen, die Rückstandsbelastung zu minimieren. Dem Verbraucher wird eine abwechslungsreiche Ernährung mit saisonalen Produkten empfohlen. Dabei können Waschen, Schälen und gegebenenfalls Kochen zudem vor einer Rückstandsbelastung schützen.

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