Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Pflanzenschutzmittelrückstände in pflanzlichen Lebensmitteln – Untersuchungsergebnisse 2008

Im Jahr 2008 untersuchte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 2.231 pflanzliche Lebensmittel auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, davon 99 % mit umfassenden Multimethoden. Der Anteil an Lebensmitteln ohne bestimmbare Rückstände betrug 33 % (vergleiche Tabelle 1), Vorjahr 29 %. Die günstige Situation gegenüber früheren Jahren ist durch einen vergleichsweise hohen Anteil an Proben aus ökologischem Anbau bedingt. Betrachtet man lediglich konventionelle Produkte, waren nur 21 % der Proben ohne Rückstände. Insgesamt 147 Proben (7 %) enthielten Rückstände über den zulässigen Höchstmengen (vergleiche Tabelle 1).

Zusammenfassung

Die Rückstandssituation bei pflanzlichen Lebensmitteln aus konventionellem und aus ökologischem Anbau hat sich insgesamt im Jahr 2008 für den Verbraucher verbessert. Dieser sollte weiterhin nicht auf den Verzehr von frischem Obst und Gemüse als wesentlichem Bestandteil einer gesunden ausgewogenen Ernährung verzichten, da die positiven Wirkungen der natürlichen Inhaltsstoffe in Obst und Gemüse als essenziell zu beurteilen sind. Der Verbraucher sollte sich jedoch stets über die aktuelle Rückstandssituation bei Obst und Gemüse informieren und rückstandsärmere Sorten und Herkunftsländer bevorzugen. Dazu stellt das LGL regelmäßig Informationen im Internet bereit. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit saisonalen und regionalen Produkten sowie Waschen, Schälen und weitere Verarbeitungsschritte können die Rückstandsbelastung reduzieren. Eine gute Alternative sind Bio-Produkte, die weitgehend rückstandsfrei sind. Aufgrund der immer noch auftretenden Grenzwertüberschreitungen und den Befunden mit einem nicht auszuschließenden, gesundheitlichen Risiko sind Erzeuger und Handel gefordert, weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Rückstandsbelastung zu reduzieren.

Obst und Gemüse

Bei der Produktion von Obst und Gemüse ist zwischen konventionellem und ökologischem Anbau zu unterscheiden. In der konventionellen Herstellung dürfen chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, weshalb Rückstände zu erwarten sind. Bei konventionellem Obst nahm der Anteil an Proben ohne bestimmbare Rückstände (11 %) im Jahr 2008 weiter zu (2006: 6 %, 2007: 9 %; vergleiche Tabelle 3.5.2.b) und war bei einheimischer Ware mit 12 % geringfügig höher als bei Produkten aus dem Ausland (11 %; vergleiche Abbildung 1). Bei deutschen Erzeugnissen waren vor allem die zulässigen Höchstmengen mit 2 bis 5 % seltener überschritten als bei ausländischer Ware (8 bis 11 %). Die ungünstige Rückstandsbewertung ausländischer Ware lag oft an noch unterschiedlich hohen Grenzwerten für zahlreiche Stoffe in den verschiedenen Staaten, mit dem Inkrafttreten der Verordnung (EG) Nummer 396/2005 zum 1. September 2008 gelten nun in Europa einheitliche Grenzwerte. Obst bayerischer Erzeuger war mit 0,16 mg/kg (2007: 0,19 mg/kg) deutlich weniger belastet als die übrige in- und ausländische Ware (0,35 und 0,55 mg/kg).Bei den gegenüber Schadorganismen besonders empfindlichen Erdbeeren, Tafeltrauben und Strauchbeeren beanstandete das LGL deutlich weniger Proben, ebenso bei Steinobst und Zitrusfrüchten. Auffällig waren türkische Birnen; die vier vorgelegten Proben enthielten überhöhte Rückstände des in Europa nicht zulässigen Insektizids Amitraz. Bei diesen Proben war bei größerem Verzehr eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht mehr mit ausreichender Sicherheit auszuschließen. Diese Informationen wurden in das EU-Schnellwarnsystem eingestellt. Bei exotischen Früchten waren Maracujas besonders auffällig. Die Hälfte der 32 Proben enthielt überhöhte Rückstandsgehalte, bei einer Probe konnte eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden. Bei Gemüse aus konventionellem Anbau stellte das LGL eine Verbesserung der Rückstandssituation gegenüber den Vorjahren fest (Abbildung 1, Tabelle 2). Deutsche Erzeugnisse waren durchgehend seltener belastet als ausländische. Der Anteil der Grenzwertüberschreitungen blieb mit 5 % zum Vorjahr konstant. Bei ausländischen Produkten nahm diese Quote auch aufgrund der besseren Rückstandssituation bei Paprika signifikant ab. Im Vergleich wiesen Erzeugnisse aus Bayern am wenigsten Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte und die geringste durchschnittliche Anzahl an Rückständen auf, jedoch betrug der durchschnittliche Rückstandsgehalt bedingt durch den hohen Anteil an Blattgemüse 0,68 mg/kg. Bei anderen deutschen und den ausländischen Produkten lag die durchschnittliche Gesamtbelastung bei 0,89 und 0,29 mg/kg. Bei Blattgemüse, insbesondere bei Eichblattsalat, Feldsalat, Lollo-Arten und Rucola, stellte das LGL 2008 wieder einen etwas höheren durchschnittlichen Gesamtrückstandsgehalt fest. Dagegen waren Kopfsalat und Eisbergsalat geringer belastet als im Vorjahr. Bei frischen Kräutern fielen Basilikum und Koriander aus Thailand besonders auf. Sieben von zwölf Proben (58 %) waren zu beanstanden. Dagegen war die Rückstandsbelastung bei spanischen Paprikas deutlich geringer als in den Vorjahren. Der durchschnittliche Gehalt fiel von 0,36 und 0,24 mg/kg in den Jahren 2006 und 2007 auf 0,05 mg/kg ab. Auch bei Tomaten, Gurken, Kürbissen und Zucchini war die Rückstandssituation besser als in den Vorjahren. Spross- und Wurzelgemüse waren auch 2008 nur gering belastet.

Entwicklung der Rückstandssituation der inländischen und ausländischen Ware bei Obst und Gemüse aus konventioneller Produktion (2006 bis 2008)

Abbildung 1: Entwicklung der Rückstandssituation der inländischen und ausländischen Ware bei Obst und Gemüse aus konventioneller Produktion (2006 bis 2008)

Tabelle 1: Rückstandssituation der untersuchten Lebensmittel
Lebensmittel Probenzahl ohne R mit R kleiner HM mit R größer HM
Obst 897 196 651 50
konventioneller Anbau 768 86 633 49
ökologischer Anbau 129 110 18 1
Obsterzeugnisse 37 2 32 3
Gemüse 888 332 506 50
konventioneller Anbau 715 179 487 49
ökologischer Anbau 173 153 19 1
Gemüseerzeugnisse 43 9 16 18
Pflanzliche Öle 26 19 7 0
Getreideprodukte, Backwaren 50 15 32 3
Hülsenfrüchte, Ölsamen, Schalenobst 2 2 0 0
Kartoffeln 63 41 22 0
konventioneller Anbau 37 17 20 0
ökologischer Anbau 26 24 2 0
Pilze, Pilzerzeugnisse 29 9 3 17
Obstsäfte, alkoholfreie Getränke 17 15 2 0
Wein, weinähnliche Erzeugnisse 19 1 18 0
Bierhilfsstoffe 2 0 0 2
Schokoladen 26 26 0 0
Tee, teeähnliche Erzeugnisse 33 1 31 1
Säuglingsnahrung 84 69 14 1
Gewürze 12 3 7 2
Zusatzstoffe pflanzlichen Ursprungs 3 3 0 0
Gesamt 2.231 743 1.341 147
Anteil 33 % 60 % 7 %
konventioneller Anbau 1.812 21 % 71 % 8 %
ökologischer Anbau 419 85 % 14 % 1 %
Vorjahre zum Vergleich
2007 2.312 29 % 59 % 12 %
konventioneller Anbau 1.912 19 % 67 % 14 %
ökologischer Anbau 400 80 % 19 % 1 %
2006 2.326 18 % 68 % 14 %
konventioneller Anbau 2.161 13 % 72 % 15 %
ökologischer Anbau 165 75 % 24 % 1 %
R = Rückstand, HM = Höchstmenge nach Rückstands-Höchstmengenverordnung oder VO (EG)
Nr. 396/2005
Tabelle 2:
Jahr Proben-zahl ohne R mit R kleiner HM mit R größer HM verschiedene Stoffe Anzahl R pro Probe Gehalt R pro Probe (mg/kg)
Obst konventioneller Anbau 2006 827 6 % 84 % 10 % 167 4,7 0,44
2007 774 9 % 83 % 8 % 155 4,6 0,49
2008 768 11 % 83 % 6 % 142 4,3 0,40
Gemüse konventioneller Anbau 2006 805 16 % 69 % 15 % 172 3,8 0,92
2007 734 22 % 65 % 13 % 140 3,0 0,38
2008 715 25 % 68 % 7 % 151 2,6 0,52
Obst ökologischer Anbau 2006 47 70 % 28 % 2,1 % 33 0,9 0,03
2007 158 72 % 27 % 0,6 % 37 0,4 0,01
2008 129 85 % 14 % 0,8 % 15 0,2 0,00
Gemüse ökologischer Anbau 2006 31 61 % 39 % 0,0 % 19 0,8 0,04
2007 146 80 % 19 % 1,4 % 26 0,3 0,01
2008 173 88 % 11 % 0,6 % 24 0,2 0,00
R = Rückstand, HM = Höchstmenge

Rückstandssituation bei Bio-Lebensmitteln

Die Bezeichnungen "ökologisch" und "biologisch" dürfen nach der EG-Öko-Verordnung bei Obst und Gemüse nur verwendet werden, wenn der Hersteller keine chemisch- synthetischen Pflanzenschutzmittel angewendet hat. Mit modernen Analysetechniken lassen sich jedoch auch in Bio-Lebensmitteln gelegentlich Rückstände nachweisen. In der Regel stammen sie aber nicht aus einer Anwendung, vielmehr kommen als Kontaminationsquellen die Abdrift aus konventionell angebauten Kulturen, die Aufnahme aus kontaminierten Böden oder die Verarbeitung (Reinigung, Sortierung und Verpackung) infrage. Daneben können aber auch Täuschungsdelikte im Handel vorkommen. Als Orientierungswert für eine mögliche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln wird ein Rückstandsgehalt von 0,01 mg/kg herangezogen. Er entspricht dem strengen Grenzwert für Säuglingsnahrung und der niedrigsten Höchstmenge für Erzeugnisse aus konventionellem Anbau. Aus lebensmittelrechtlicher Sicht beurteilt das LGL Proben mit höheren Rückständen als „irreführend“ gekennzeichnet. In 85,2 % der Obst- und in 88,4 % der Gemüseproben aus ökologischem Anbau fand das LGL keine Rückstände (Tabelle 2), dieser Anteil nahm seit 2006 zu. Die in den weiteren Proben nachgewiesenen Pflanzenschutzmittelrückstände lagen meist unter dem Orientierungswert von 0,01 mg/kg. Durchschnittlich betrug der Gehalt an Pflanzenschutzmitteln pro Probe 0,003 mg/kg und somit erheblich weniger als bei konventionell hergestellter Ware (0,49 mg/kg). Auch bezüglich des durchschnittlichen Gehalts ist ein positiver Trend zu verzeichnen. Bedeutende Herkunftsländer für die Öko-Ware waren Deutschland (51 % der Proben), Italien (22 %) und Spanien (6 %). Die deutschen Bio-Produkte waren zu über 90 % rückstandsfrei und schnitten somit besser ab als die Lebensmittel aus Italien (81 %) oder Spanien (68 %). Lediglich bei je einer Probe Karotten und Johannisbeeren aus Deutschland und Paprika aus Spanien war aus den gefundenen Gehalten auf eine unzulässige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu schließen, sodass das LGL die Bio-Kennzeichnung als „irreführend“ beanstandete. Bei je einer Probe Zitronen und Staudensellerie waren die auch für konventionell hergestellte Ware geltenden Grenzwerte überschritten. Sie wurden nach dem Rückstandsrecht beurteilt. Bei dem Staudensellerie war vermutlich das Verpackungsmaterial für die Kontamination verantwortlich. Insgesamt stellte das LGL bei den Obst- und Gemüseproben aus dem ökologischen Anbau eine noch niedrigere Belastung mit Pflanzenschutzmittelrückständen als in den Vorjahren fest.

Risikoabschätzung bei Obst und Gemüse

Bei allen unzulässig hohen Rückständen führt das LGL eine toxikologische Risikoabschätzung durch. Dazu wird am Beispiel eines Kindes von zwei bis unter fünf Jahren überprüft, in welchem Ausmaß bei einem einmaligen Verzehr die akute Referenzdosis (ARfD) ausgeschöpft ist. Bei einer Überschreitung des ARfD-Wertes können gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht mehr mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden. Diese müssen aber nicht zwingend eintreten, da in diesem Bewertungskonzept ein Sicherheitsfaktor von in der Regel 100 berücksichtigt wird. Bei vier Proben Birnen aus der Türkei, einer Probe Maracuja aus Kolumbien sowie einer Probe Kopfsalat aus Italien hat das LGL 2008 wegen eines nicht sicher auszuschließenden, gesundheitlichen Risikos eine Mitteilung über das EU-Schnellwarnsystem (RASFF) veranlasst. Bezogen auf die Gesamtzahl der untersuchten Obst- und Gemüseproben betrug der Anteil dieser Proben nur 0,3 %.

Obst-, Gemüseerzeugnisse und andere pflanzliche Lebensmittel

Getrocknete Weinbeeren waren 2008 deutlich weniger belastet. Lediglich bei 6 % der Proben lagen überhöhte Rückstände vor, im Vorjahr waren es noch 68 %. Des Weiteren reduzierte sich der Gesamtgehalt pro Probe von 2007 um rund 70 % von 1,88 mg/kg auf nun 0,53 mg/kg. Dagegen enthielten fast alle Weinblätter (94 %) rechtlich unzulässige Rückstände. Meist wurden hier niedrig angesetzte pauschale Grenzwerte überschritten, sodass abzuwarten bleibt, ob sich die explizite Festsetzung der europäischen Höchstmengen für Weinblätter auswirkt. Mit 1,99 mg/kg hat das LGL wieder eine sehr hohe durchschnittliche Belastung ermittelt (2007: 3,05 mg/kg). Von den 63 untersuchten Kartoffelproben kamen 26 aus dem ökologischen Anbau. Diese waren zu 92 % rückstandsfrei, die verbleibenden zwei Proben enthielten jeweils einen Rückstand im Spurenbereich. Bei Kartoffeln aus konventionellem Anbau wiesen immerhin 46 % der Proben keine Rückstände auf und der durchschnittliche Gesamtgehalt lag bei nur 0,05 mg/kg. Überhöhte Rückstände stellte das LGL bei Kartoffeln nicht fest, sodass die Rückstandssituation bei Kartoffeln als günstig zu bewerten ist. Auch wenn das LGL bei Säuglingsnahrung zum ersten Mal seit 2002 überhaupt einen geringfügig überhöhten Rückstand von 0,012 mg/kg (Grenzwert: 0,01 mg/kg) festgestellt hat, ist die Rückstandsbelastung äußerst niedrig. 82 % enthielten keine Rückstände, die in den anderen Proben gefundenen Wirkstoffe wiesen im Allgemeinen Gehalte deutlich unterhalb des Grenzwertes auf.

Sonderuntersuchungsprogramme

Nachdem verstärkt Obst, Gemüse und andere pflanzliche Lebensmittel auf dem Luftweg nach Bayern gelangen, wurden 2008 im Rahmen eines Sonderuntersuchungsprogramms 55 Proben der importierten Ware direkt am Flughafen entnommen und am LGL untersucht. Vorgelegt wurden vor allem Gemüse (62 %) wie Auberginen, Basilikum, Chilischoten, Koriander sowie Okraschoten und Obst (33 %) wie Mangos oder Papayas. Die Proben stammten hauptsächlich aus Thailand (51 %) und der Dominikanischen Republik (24 %). Fünf Proben kamen aus dem ökologischen Anbau, nur eine davon wies einen Rückstand im Spurenbereich auf. Von den 50 Proben aus konventioneller Produktion waren 30 % rückstandsfrei, aber ein ebenso hoher Anteil enthielt überhöhte Rückstände. Betroffen waren hiervon nur Gemüseproben, insbesondere die Ware aus Thailand. Aufgrund der ungünstigen Rückstandssituation bei der importierten Ware wird das LGL Kontrollen bei der Einfuhr intensiv fortführen. Mit einem weiteren Sonderuntersuchungsprogramm ging das LGL Hinweisen zu überhöhten Nikotingehalten in getrockneten Steinpilzen aus China nach. Bei 15 der insgesamt 16 untersuchten Proben stellte das LGL Gehalte über dem Grenzwert fest. Die Gehalte von bis zu 6 mg/kg sind jedoch aufgrund der geringen Verzehrsmenge von getrockneten Steinpilzen für den Verbraucher als gesundheitlich nicht bedenklich einzustufen.

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