Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Tomaten von Januar bis September 2008

Hintergrund der Untersuchungen

Die Tomate ist nach der Kartoffel die am meisten verzehrte Gemüsesorte in Deutschland. Ihre Beliebtheit verdankt die rote Frucht dem guten Geschmack und den vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten, einerseits als frisches Gemüse und andererseits in Form von Tomatenprodukten wie beispielsweise Tomatenmark, Ketchup und Dosentomaten. Zudem gilt die Tomate aufgrund ihrer hohen Gehalte an Vitamin C, Kalium und sekundären Pflanzenstoffen als äußerst gesunde Frucht. Zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen die für die Farbe verantwortlichen Carotinoide, insbesondere das Lycopin, das ca. 90 % des Carotinoidgehaltes der Tomate ausmacht.

Die im Handel angebotenen Tomaten werden nur zu einem geringen Teil (< 10 %) in Deutschland angebaut, die führenden Produzenten der EU sind Italien, Spanien (Kanarische Inseln), Griechenland und Niederlande (mit intensiven Gewächshauskulturen).

Die Tomate (Solanum lycopersicum) gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Es gibt tausende verschiedener Sorten, wobei ständig neue Züchtungen hinzukommen mit dem Ziel gegen Krankheiten, Schädlinge und Umwelteinflüsse resistente Früchte mit hohen Erträgen zu erhalten. Weiterhin sollten sie eine bestimmte Größe und Gewicht, eine gleichmäßige Farbe, einen guten Geschmack und einen hohen Gehalt an wichtigen Inhaltsstoffen, eine gute Transportfähigkeit und lange Haltbarkeit aufweisen.

Beim Anbau der Tomaten ist die Pflanze bis zum Zeitpunkt der Ernte einer Vielzahl von Krankheiten und Schädlingen ausgesetzt. Die häufigsten Ursachen für Krankheiten bei der Tomatenpflanze sind Pilzbefall (unter anderem Kraut- und Braunfäule, Dürrfleckenkrankheit, Fusarium- und Verticillium-Welke und Grauschimmel), Bakterienbefall (beispielsweise Corynebacterium michiganense) und tierische Schädlinge (Blattläuse, Milben und andere). Zur Sicherung der Erträge werden daher oft Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Um die Belastungssituation der Tomaten ständig zu verfolgen, werden Rückstanduntersuchungen regelmäßig durchgeführt. Der vorliegende Beitrag berichtet über die Ergebnisse der von Januar bis September 2008 genommenen Proben.

Zusammenfassung

Im Zeitraum Januar bis September 2008 wurden insgesamt 60 Proben Tomaten aus dem Groß- und Einzelhandel, aber auch direkt vom Erzeuger untersucht. Die Proben stammten aus verschiedenen Herkunftsländern. Knapp ein Drittel der Proben kam aus den Niederlanden, das zweithäufigste Herkunftsland war Spanien mit fast einem Viertel der Proben, gefolgt von Italien (20 % der Proben).

Die Rückstandssituation hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. 40 % der Tomaten-Proben waren rückstandsfrei, 58 % wiesen Rückstände unterhalb der zulässigen Höchstmengen auf und bei 2 % waren die Höchstmengen überschritten (siehe Abbildung 1).

Das Tortendiagramm der Abbildung zeigt, dass bislang im Jahr 2008 der Anteil Proben mit Rückständen unterhalb der Höchstmengen bei 58 % lag, während 40 % der Proben keine Rückstände und 2 % der Proben Rückstände oberhalb der Höchstmengen enthielten.

Abbildung 1: Anteil rückstandshaltiger Tomaten (01/2008 – 09/2008)

Ergebnisse im Detail

Einen Überblick über die Rückstandssituation gibt die Tabelle 1. Mit Ausnahme von den Niederlanden, Spanien und Italien sind die Probenzahlen je Herkunftsland so gering, dass statistische Aussagen nicht zu verallgemeinern sind.

Insgesamt wurden 49 verschiedene Stoffe 135-mal nachgewiesen. Im Vergleich zum Vorjahr sank die durchschnittliche Anzahl an Rückständen pro Probe mit 2,3 geringfügig (2007: 2,6). Auch der mittlere Rückstandsgehalt hat mit 0,06 mg/kg im Vergleich zu 0,09 mg/kg im Jahr 2007 leicht abgenommen.

Der höchste Einzelrückstand betrug 0,30 mg/kg an Formetanat in einer spanischen Tomaten-Probe, dieser blieb aber deutlich unter der zulässigen Höchstmenge von 4 mg/kg. In 74 Fällen (55 %) waren die Gehalte der einzelnen Rückstände kleiner oder gleich 0,01 mg/kg.

Damit sind die untersuchten Tomaten als vergleichsweise geringfügig belastet zu bewerten.

Die insgesamt leichte Verbesserung der Rückstandssituation kann darauf zurückgeführt werden, dass die aktuelle Auswertung einen höheren Anteil an unbelasteten Tomaten-Proben aus ökologischem Anbau einschließt. Von den zehn untersuchten Proben aus ökologischem Landbau stammten vier Proben aus Italien, zwei Proben aus Spanien und jeweils eine Probe aus Deutschland und den Niederlanden. Zwei Proben waren ungeklärter Herkunft. Alle Bio-Proben erwiesen sich als rückstandsfrei.

Im Vergleich der Herkunftsländer Niederlande, Italien und Spanien ergaben sich in Belastungsbild nur geringe Unterschiede. Die spanischen Proben enthielten eine etwas höhere Anzahl an Rückständen pro Probe (3,4) im Vergleich zu den untersuchten niederländischen und italienischen Tomaten (2,2) und auch der Rückstandsgehalt pro Probe lag bei den spanischen Tomaten mit 0,10 mg/kg über den niederländischen mit 0,07 mg/kg und italienischen mit 0,04 mg/kg.

Die untersuchten deutschen Tomaten-Proben ergaben ein positives Bild. Fünf der sechs Proben waren rückstandsfrei, eine Probe enthielt zwei Rückstände unter der jeweiligen Höchstmenge.

Tabelle 1: Ergebnisübersicht Tomaten (01/2008 – 09/2008)
Herkunftsland Gesamtzahl ohne R mit R kleiner HM mit R größer HM verschiedene Stoffe Anzahl R pro Probe 1) Gehalt R pro Probe 1) (mg/kg)
Belgien 2 1 1 0 2 1,0 0,00
Deutschland 6 5 1 0 2 0,3 0,05
Frankreich 1 0 1 0 2 2,0 0,01
Italien 12 6 6 0 17 2,2 0,04
Niederlande 18 5 13 0 14 2,2 0,07
Österreich 1 0 1 0 4 4,0 0,16
Spanien 14 4 9 1 26 3,4 0,10
Türkei 1 0 1 0 1 1,0 0,00
ungeklärt 5 3 2 0 11 2,2 0,03
gesamt 60 24 35 1 49 2,3 0,06
in Prozent 40 % 58 % 2 %
2007 84 27 % 67 % 6 % 62 2,6 0,09

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1) Durchschnitt

Lediglich bei einer Tomaten-Probe (2 %) wurde eine Höchstmengenüberschreitung festgestellt. Betroffen war hierbei der akarizid (gegen Milben) wirksame Stoffe Propargit bei einer spanischen Probe. Diese Überschreitung betraf eine "allgemeine" Höchstmenge im Bereich der Bestimmungsgrenze, weil für Propargit eine spezielle Regelung für Tomaten nicht existiert (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Tomaten-Proben mit Höchstmengenüberschreitungen (01/2008 – 09/2008)
Herkunftsland Anzahl Höchstmengen-überschreitungen Stoff Rückstands-gehalt (mg/kg) zulässige Höchstmenge (mg/kg) ARfD - Ausschöpfunng
Spanien 1 Propargit (A) 0,18 0,01 n.nwb.

R = Rückstand; HMÜ = Höchstmengenüberschreitung; A = Akarizid; ARfD Akute Refernzdosis1 

Bei allen Höchstmengenüberschreitungen wird eine toxikologische Risikoabschätzung durchgeführt. Dazu wird am Beispiel eines Kindes von zwei bis unter fünf Jahren überprüft, in welchem Maß bei einem einmaligen Verzehr die akute Referenzdosis (ARfD) ausgeschöpft ist. Bei Überschreitung des ARfD-Wertes sind gesundheitliche Risiken nicht mit der gebotenen Sicherheit auszuschließen. In solchen Fällen erfolgt über das Europäische Schnellwarnsystem (RASFF) eine entsprechende Mitteilung an die Mitgliedstaaten. Das war bei der betroffenen Probe nicht erforderlich.

Von den insgesamt 49 verschiedenen, nachgewiesenen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen sind die häufiger (viermal und öfter) gefundenen Stoffe in der Abbildung 2 aufgelistet. In rund einem Viertel aller Proben wurden der fungizide Wirkstoff Pyrimethanil nachgewiesen. Unter den elf am häufigsten angetroffenen Stoffen waren neun Fungizide zu finden.

Das Balkendiagramm der Abbildung zeigt häufig nachgewiesene Stoffe in Tomaten. Pyrimethanil wurde 16-mal detektiert, gefolgt von Cyprodinil und Pyriproxyfen mit jeweils achtmal. Boscalid wurde in sieben Proben nachgewiesen. Jeweils sechsmal wurden Carbendazim, Azoxystrobin und Mepanipyrim nachgewiesen, fünfmal Fenhexamid und viermal Iprodion, Pyraclostrobin und Pyridaben gefunden. Die genannten Stoffe sind mit Ausnahme des Insektizids Pyriproxyfen und des Insektizids und Akarizids Pyridaben Fungizide.

Abbildung 2: Häufig nachgewiesene Stoffe in Tomaten (01/2008 – 09/2008)

In der Hälfte der untersuchten Tomaten-Proben wurden mehrere Stoffe gleichzeitig gefunden. 20 Proben (33 %) enthielten zwei bis vier Rückstande und sieben Proben (12 %) fünf bis sieben Rückstände. In drei Proben (5 %) konnten neun und mehr Rückstände nachgewiesen werden (siehe Abbildung 3).

Das Maximum lag bei elf Stoffen in einer Probe aus Spanien. Die Probe war trotz der Vielzahl an Rückständen und einem Gesamtrückstandsgehalt von 0,27 mg/kg nicht zu beanstanden, weil keine der einzelnen Höchstmenge überschritten wurde.

Das Säulendiagramm der Abbildung zeigt, dass in 24 Proben keine Rückstände festgestellt wurden. Ein Rückstand wurde in sechs Proben nachgewiesen. Acht Proben enthielten zwei Rückstände, fünf Proben drei Stoffe. In sieben Proben wurden vier verschiedene Komponenten nachgewiesen und in jeweils drei Proben fünf bzw. sechs Rückstände. In je einer Probe wurden sieben, neun, zehn bzw. elf Rückstände detektiert. Keine Probe enthielt acht Rückstände.

Abbildung 3: Mehrfachrückstände in Tomaten (01/2008 – 09/2008)

Das Problem der Mehrfachrückstände wird teilweise sehr emotional und kontrovers diskutiert, insbesondere wegen noch lückenhafter Kenntnisse über mögliche additive Wirkungen der unterschiedlichen Stoffe im menschlichen Organismus. Auch im Hinblick auf "gute Agrarpraxis" sind extreme Mehrfachbefunde sehr diskussionsbedürftig.

Fazit

Die untersuchten Tomaten erwiesen sich als gering mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen belastet. Es trat bei lediglich einer Probe eine Höchstmengenüberschreitung auf und die verletzte Höchstmenge war der Auffangwert für nicht explizit geregelte Lebensmittel. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch den nachgewiesenen Rückstand war nach der derzeitigen Datenlage sicher auszuschließen.

Sowohl die Anzahl der Rückstände pro Probe als auch der durchschnittliche Rückstandsgehalt pro Probe blieben auf einem niedrigem Niveau, waren im Vergleich zum Vorjahr sogar noch etwas geringer.

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