Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Gemüsepaprika von Januar bis April 2008 – Spanische Proben nun geringer belastet

Hintergrund der Untersuchung

Der Gemüsepaprika (Capsicum annuum L. var. grossum) zählt wie die Kartoffel und die Tomate zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceen). Aus botanischer Sicht handelt es sich bei der Frucht um eine Beere, die jedoch meist als Schote bezeichnet wird.

Paprika ist das ganze Jahr über im Angebot, wobei sich die Hochsaison vom Sommer bis in den Spätherbst erstreckt. Da der deutsche Paprika nur zu einem geringen Anteil die Nachfrage decken kann, wird der Großteil importiert. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Spanien, die Niederlande, die Türkei, Ungarn, Israel und Griechenland.

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Paprika in Deutschland beträgt 2,9 kg pro Jahr.

Je nach Reifegrad und Sorte enthält der Paprika physiologisch wichtige Inhaltsstoffe, wie beispielsweise Carotinoide, die auch für die Farbe der Paprikafrucht verantwortlich sind (Hauptcarotinoid in roten und gelben Paprika: Capsanthin). Die Farbe der grünen Paprikaschoten (unreife Frucht) ist durch die Gegenwart des Pflanzenfarbstoffs Chlorophyll bedingt. Der reife, rote Paprika beinhaltet den höchsten Vitamin C-Gehalt (bis zu 400 mg pro 100 g Fruchtfleisch), sogar mehr als Orangen oder Zitronen.

Daneben findet man auch die Vitamine B1, B2, A, E und eine Vielzahl verschiedener Mineralstoffe (unter anderem Kalium, Calcium, Magnesium). Die Schärfe bestimmter Sorten wird durch das Alkaloid Capsaicin verursacht.

Die Kultivierung der Paprikapflanze bis zum Zeitpunkt der Ernte bedingt den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, da die Pflanze einer Vielzahl von Krankheiten und Schädlingen ausgesetzt ist. Hierzu zählen beispielsweise Pilzerkrankungen wie die Verticillum-Welke-Krankheit, echter und falscher Mehltau, sowie eine Reihe tierischer Schädlinge (zum Beispiel Blattlaus, Weiße Fliege, Thrips, Frostspanner und andere).

In den letzten Jahren zeigte sich, dass Gemüsepaprika häufig wegen unzulässig hoher Gehalte an Pflanzenschutzmitteln zu beanstanden war. Um diese Belastungssituation weiter zu verfolgen, werden verstreut über das ganze Jahr Gemüsepaprikaproben untersucht. Der vorliegende Beitrag berichtet über die Ergebnisse der von Januar bis April 2008 analysierten Gemüsepaprika.

Zusammenfassung

Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 49 Proben Gemüsepaprika aus dem Groß- und Einzelhandel untersucht. Die Proben stammten vor allem aus Spanien. Auch Gemüsepaprika aus anderen Mittelmeerstaaten sowie zwei Proben aus den Niederlanden wurden analysiert. Keine der Proben kam aus dem ökologischen Anbau.

Die Rückstandssituation hat sich im Vergleich zum Jahr 2007 grundlegend verbessert.

Es waren zwar nur 4 % der untersuchten Proben rückstandsfrei und 96 % wiesen Rückstände unterhalb der zulässigen Höchstmengen auf. Jedoch trat keine Höchstmengenüberschreitung auf (Abbildung 1).

Das Tortendiagramm zeigt, dass im Jahr 2007 der Anteil an rückstandsfreien Proben bei 10 % lag, während 60 % der Proben Rückstände unterhalb der Höchstmengen und 30 % der Proben Rückstände über den Höchstmengen aufwiesen. Tortendiagramm: Im Jahr 2008 enthielten 4 % der Proben keine Rückstände und 96 % Rückstände unterhalb der Höchstmengen.

Abbildung 1: Anteil rückstandshaltiger Gemüsepaprika im Jahr 2007 beziehungsweise 01/2008 – 04/2008

Ergebnisse im Detail

Einen Überblick über die Rückstandssituation von Gemüsepaprika gibt Tabelle 1. Mit Ausnahme von Spanien sind die Probenzahlen je Herkunftsland so gering, dass die statistischen Aussagen nicht zu verallgemeinern sind. Pro Probe wurden im Gesamtdurchschnitt 3,3 Rückstände (2007: 5,6) festgestellt, der mittlere Rückstandsgehalt lag bei 0,05 mg/kg (2007: 0,20 mg/kg). Der höchste Einzelrückstand betrug lediglich 0,31 mg/kg bei dem Fungizid Boscalid, in 102 Fällen (63 %) lagen die Gehalte der einzelnen Rückstände unter 0,01 mg/kg. Im Vergleich dazu waren Gemüsepaprika aus dem konventionellen Landbau im Jahr 2007 wesentlich stärker geringer belastet.

Tabelle 1: Ergebnisübersicht Gemüsepaprika (01/2008 – 04/2008)
Herkunftsland Gesamtzahl ohne R mit R kleiner als HM mit R größer als HM Anzahl R pro Probe 1) Gehalt R pro Probe 1) (mg/kg)
Griechenland 1 0 1 0 3,0 0,42
Israel 6 1 5 0 2,0 0,02
Marokko 1 0 1 0 3,0 0,05
Niederlande 2 0 2 0 2,0 0,02
Spanien 38 1 37 0 3,6 0,05
ungeklärt 1 0 1 0 4,0 0,04
Gesamt 49 2 47 0 3,3 0,05
in Prozent 4% 96 % 0 %
zum Vergleich: 2007 136 10 % 60 % 30 % 5,6 0,20

R = Rückstand; HM = Höchstmenge; 1) Durchschnitt

Im Gegensatz zum Vorjahr enthielt keine der Proben Rückstände über den zulässigen Höchstmengen. Dies kann jedoch nicht zwingend als grundsätzlicher Trend verallgemeinert werden, da die Belastung mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen stark vom Herkunftsland abhängig ist. Immerhin deutet sich für den in den Vorjahren immer wieder auffälligen Gemüsepaprika aus Spanien eine grundlegende Verbesserung an. Neben den fehlenden Höchstmengenüberschreitungen machen dies eine deutlich geringere Anzahl an Rückständen pro Probe mit 3,6 gegenüber 7,1 im Vorjahr und ein wesentlich niedrigerer Gesamtrückstandsgehalt von 0,05 mg/kg nach 0,24 mg/kg in 2007 deutlich.

Von den insgesamt 36 verschiedenen, nachgewiesenen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen sind die häufigsten Stoffe (dreimal und häufiger nachgewiesen) in Abbildung 2 dargestellt. In über 70 % der Proben wurde das Insektizid Imidacloprid nachgewiesen. Die Bedeutung von Schadinsekten bei Gemüsepaprika wird hier erkennbar. In über der Hälfte der Proben lagen Rückstände des Fungizids Azoxystrobin vor, was auch die Anfälligkeit gegenüber Pilzerkrankungen hervorhebt.

Die Abbildung zeigt die häufig nachgewiesenen Stoffe in Gemüsepaprika. Das Insektizid Imidacloprid wurde 35-mal detektiert, gefolgt vom Fungizid Azoxystrobin mit 28-mal. Das Fungizid Myclobutanil wurde in 13 Proben nachgewiesen, das Insektizid Methoxyfenozid und die zu einander gehörenden fungizide Stoffe Triadimefon und Triadimenol in jeweils zehn Proben. Das Fungizid Cyproconazol wurde siebenmal detektiert und die drei Fungizide Cyprodinil, Iprodion sowie Pyrimethanil jeweils fünfmal. Viermal wurden das Insektizid Tebufenozid gefunden. Jeweils dreimal wurden die Fungizide Flutriafol, Fenhexamid und Procymidon sowie das Insektizid Pyriproxyfen nachgewiesen.

Abbildung 2: Häufig nachgewiesene Stoffe in Gemüsepaprika (01/2008 – 04/2008)

In 86 % der Proben wurden mehrere Wirkstoffe gleichzeitig gefunden. 30 Proben (61 %) enthielten zwei bis vier Rückstände und zehn Proben (20 %) fünf bis sieben Rückstände (Abbildung 3). Weiterhin trat je eine Probe mit acht bzw. neun Rückständen auf. Diese beiden spanischen Proben wiesen jedoch nur Gesamtrückstandsgehalte unter 0,1 mg/kg auf.

Das Problem der Mehrfachrückstände wird immer wieder emotional und kontrovers diskutiert, insbesondere auf grund noch lückenhafter Kenntnisse über mögliche additive Wirkungen der unterschiedlichen Stoffe im menschlichen Organismus.

Tabelle mit den Ergebnissen im Detail (PDF, 15 KB)

Die Abbildung zeigt, dass in zwei Proben keine Rückstände festgestellt wurden. Ein Rückstand wurde in fünf Proben nachgewiesen. 13 Proben enthielten zwei Rückstände, acht Proben drei Stoffe und neun Proben vier Rückstände. In sieben Proben wurden fünf verschiedene Komponenten nachgewiesen und in zwei Proben sechs. Sieben, acht und neun verschiedene Stoffe wurden in jeweils einer Probe gefunden.

Abbildung 3: Mehrfachrückstände in Gemüsepaprika (01/2008 – 04/2008)

Fazit

Die Rückstandssituation von Gemüsepaprika im Zeitraum von Januar 2008 bis April 2008 hat sich im Vergleich zum Jahr 2007 deutlich verbessert. In diesem Jahr sind keine Höchstmengenüberschreitungen aufgetreten. Des Weiteren haben die durchschnittliche Anzahl an Rückständen und der Gesamtgehalt an Rückständen pro Probe abgenommen. Insbesondere die im Vergleich zu 2007 verbesserte Situation bei spanischem Gemüsepaprika ist hervorzuheben: Dieser war im Vorjahr unter anderem häufig wegen Rückständen des in der EU nicht zugelassenen Insektizids Isofenphosmethyl beanstandet worden.

Der im Berichtszeitraum untersuchte Gemüsepaprika zählt somit zu den schwach belasteten Gemüsesorten.

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